Gedenken an das Olympia-Attentat 40 Jahre und ein Tag

Nach den Feiern zum Jahrestag kommt plötzlich Bewegung in die Debatte über das Olympia-Attentat: Horst Seehofer verspricht, in den nächsten Monaten eine Gedenkstätte einzurichten. Und das IOC will Akten freigeben.

Von Martin Bernstein, Kassian Stroh und Mike Szymanski

Mit sehr emotionalen und kritischen Reden hatten die Angehörigen der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 bei der Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck ein würdiges Gedenken und vollen Zugang zu allen Dokumenten über den Anschlag gefordert.

Gedenken an die Toten

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Die Reden zeigten am Tag danach Wirkung: Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), kündigte an, sich für eine Freigabe der Akten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) einzusetzen - er ist dessen Vize-Präsident. Ministerpräsident Horst Seehofer rief die Bundesregierung auf, auch alle deutschen Archive zu öffnen. Er konkretisierte zudem seinen Plan einer Gedenkstätte in München und kündigte eine rasche Umsetzung der Idee an.

Unmittelbar vor der Gedenkfeier am Mittwoch hatte Seehofer versprochen, dass für die Opfer des Attentats ein Gedenkraum nahe beim Olympischen Dorf eingerichtet werden wird. Im Mittelpunkt sollten ihre Biografien stehen, sagte Seehofer in seiner Gedenkrede auf dem Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst. An dem Konzept für die Gedenkstätte sollen die Stadt München, die Bundesregierung, die Israelitische Kultusgemeinde und der DOSB beteiligt sein.

Der Sportbund hat mittlerweile bestätigt, von der Staatsregierung Post bekommen zu haben. "Das ist ein wirklich angemessener Vorschlag, die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse von 1972 nicht nur auf die Jahrestage zu beschränken, sondern fortdauernd zu gestalten", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach der SZ. Auch das IOC unterstütze die Idee. Bislang gebe es aber nur mehrere Terminvorschläge, hieß es seitens des DOSB.

Seehofer sagte der SZ, das Konzept solle "innerhalb weniger Monate" stehen. "Dann wird der Freistaat Bayern Tempo machen, dass der Gedenkraum auch errichtet wird." Bei den Kosten, die er nicht beziffern wollte, sehe er die "geringsten Probleme", er stellte sogar in Aussicht, dass der Freistaat den größten Anteil übernimmt. Eine Arbeitsgruppe unter Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) werde sich mit allen offenen Fragen nun befassen - auch mit dem Standort. Hier hielt sich Seehofer am Donnerstag bedeckt: Er sei gebeten worden, keine Vorgaben zu machen.

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