Olympia-Attentat Neue Bilder des Anschlags

Stephan Kayser hat während der Olympischen Spiele 1972 einen Film über die Polizei gedreht. In Fürstenfeldbruck zeigt er unveröffentlichtes Material

Von Erich C. Setzwein

Die offizielle Gedenkveranstaltung zum 40. Jahrestag des Olympia-Attentats ist längst vorbei, da nähert sich das Veranstaltungsforum Fürstenfeld zusammen mit dem Historischen Verein auf besondere Weise dem Terroranschlag. Am Freitag kommender Woche zeigt der Münchner Filmemacher Stephan Kayser einen Dokumentarfilm, den er vor, während und nach den Olympischen Spielen 1972 im Auftrag des Münchner Polizeipräsidiums und des bayerischen Innenministeriums gedreht hat und der laut Kayser bislang nie öffentlich gezeigt worden ist. Die Veranstalter erwarten sich von den Bildern und Informationen Aufschluss darüber, "was war, wie es aus heutiger Sicht dazu kommen konnte und welche Konsequenzen man heute ziehen kann", wie Otto Meissner vom Historischen Verein sagte.

"Wir wollen Geschichte bewusst machen", so Meissner bei einem Pressegespräch in Fürstenfeld am Donnerstag. Seiner Meinung nach hätten viele Fürstenfeldbrucker das Ende des Geiseldramas mitbekommen und erinnerten sich daran in unterschiedlicher Weise. Meißner selbst war Ohrenzeuge der gescheiterten Befreiungsaktion, er hat die Schüsse im Fliegerhorst gehört. Die Veranstaltung mit dem Titel "Terror in der heilen Welt - 40 Jahre nach dem Olympia-Attentat 1972" trägt den Untertitel "Zur Erinnerung und gegen das Vergessen". Genau das ist auch das Anliegen des 64-jährigen Stephan Kayser, der zusammen mit seinem 35 Jahre alten Sohn, dem Komponisten Oliver Amadeus Kayser, den Abend gestalten wird. Kayser senior zeigt zwei Filme von 1972, einen neunminütigen, selbst produzierten und später ausgezeichneten Kurzfilm mit Impressionen aus dem Alltag auf dem Olympiagelände und seinen um einige Minuten gekürzten Dokumentarfilm "Die Polizei im Zeichen der fünf Ringe", der im Auftrag des Freistaates entstanden ist. Den Abschluss der Veranstaltung bildet ein Film von Oliver Amadeus Kayser, der Sequenzen aus dem insgesamt mehr als vierstündigen filmischen Rohmaterial enthält, das noch nie zu sehen war. Diese Szenen-Collage begleitet Kayser junior am Klavier.

Was Stephan Kayser mit seinen beiden Kamerateams in München 1972 aufgenommen hat, sind keine sportlichen Ereignisse. Seinen Auftraggebern ging es darum zu zeigen, wie Deutschland wenige Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg den Militarismus überwunden hat und ohne erkennbare Polizeipräsenz heitere und sichere Spiele gewährleiste. Dieses Bemühen ist einer Aussage des Münchner Polizeipräsidenten Manfred Schreiber zu entnehmen, die Bestandteil des Dokumentarfilms ist. Die Polizei sollte sich so weit wie möglich zurückhalten, eine "subsidiäre Rolle" einnehmen, wie Schreiber vor dem Attentat sagte. Diese Szene wurde auch nicht geändert. Viele andere in dem Film dagegen schon, wie der Autor ausführte. Grund dafür war das Attentat, dessen Augenzeuge Kayser zu einem sehr frühen Zeitpunkt wurde - als er nämlich für seinen eigenen Kurzfilm Aufnahmen machte. Bis 1975 musste Kayser immer wieder Szenen austauschen, bis es dem Innenministerium passte. An dem gesamten anderen Material, das nicht in den Film kam, habe das Ministerium aber nie Interesse gezeigt, sagte Kayser. Die Dokumentation enthält auch Szenen aus Fürstenfeldbruck und von der Beisetzung des bayerischen Polizeibeamten Anton Fliegerbauer, der auf dem Fliegerhorst ums Leben kam.

Viele der Bilder des terroristischen Anschlags und des gescheiterten Befreiungsversuches in Fürstenfeldbruck sind wohlbekannt, auch die von Kayser sehen ähnlich aus, aber seine Perspektiven waren damals ein wenig anders, er konnte sich freier bewegen als andere Teams. Als der damals 24-jährige Dokumentarfilmer das polizeiliche Sicherheitskonzept im Film darstellte, konnte niemand ahnen, welche Diskussion dieses Konzept auch heute noch auslöst. Zuletzt dieser Tage in Israel beim Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Stephan Kayser vermutete in dem Gespräch am Donnerstag, dass sein Filmmaterial noch "einigen Sprengstoff" enthalte. Er zeige aber nicht alles, weil es "von verschiedener Seite her zum Aufruhr kommen könnte". Welche Seiten dies sein könnten, deutete er nur so an: "Von Ministerien, von israelischer Seite."

"Terror in der Heilen Welt - 40 Jahre nach dem Olympia-Attentat", Freitag, 21. September, 20 Uhr, im Kleinen Saal des Veranstaltungsforums Fürstenfeld. Der Eintritt zur etwa 90-minütigen Veranstaltung ist frei.