Malerei Beständige Erneuerung

Das Triptychon "Hommage à Hieronymus Bosch" aus dem Jahr 2016 gehört zu Guido Zingerls neuesten Werken.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Zum 85. Geburtstag des Künstlers Guido Zingerl zeigt die Olchinger Kulturwerkstatt eine Auswahl seiner Werke aus den vergangenen Jahren. Darunter sind auch bisher im Landkreis noch nie gesehene Bilder

Von Florian J. Haamann, Olching

Wie zeitlos aktuell die Kunst von Guido Zingerl ist, lässt sich aktuell wieder einmal in der Ausstellung zu seinem 85. Geburtstag im Olchinger Kom sehen. Teilweise waren die dort gezeigten Bilder sogar noch nie im Landkreis zu sehen, so dass auch Zingerl-Kenner noch mit der ein oder anderen Überraschung rechnen können. Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag.

Eines der neuen Werke von 2018 trägt den Titel "Syrien". Die Grafik zeigt eine brutale Kriegsszene, wie sie Zingerl schon so oft mahnend gemalt hat. Bomben, Jagdflugzeuge, eine zerstörte Straße, Soldaten, einen Berg von Toten und am rechten Rand eine Münze, die als Startrampe für eine der Raketen dient. Zingerl richtet seinen Blick auf das große Ganze, Folgen und Ursachen. Aus dem Jahr 2017 stammt seine Auseinandersetzung mit der Brucker Polizeischule, ebenfalls eine schwarz-weiße Grafik. Auslöser war das ebenfalls im vergangenen Jahr erschienene Buch "Täter auf der Schulbank" des Historikers Sven Deppisch. Im Zentrum des Bildes ist unter anderem Heinrich Himmler in seiner schwarzen SS-Uniform zu sehen, ein Heer von Polizeischülern jubelt ihm von links zu. Als Pendant dazu zeigt Zingerl auf der rechten Seite eine Massenerschießung durch Nazi-Schergen. Zahlreiche Leichen liegen auf dem Boden, eine Familie wartet verängstigt auf die Exekution. Hinter allem thront die barocke Klosterkirche.

Mit dieser Grafik kehrt der nun 85-jährige Zingerl zu einem seiner frühen Themen zurück: der Auseinandersetzung mit der Geschichte der Nationalsozialisten im Landkreis. So wie er es unter anderem bereits in seinem Amperland-Zyklus getan hat. Dieser befindet sich im Besitz der Stadt Fürstenfeldbruck und ist nur selten zu sehen. Diese Auseinandersetzung ist einer der großen Verdienste Zingerls, des wohl politischsten Künstlers im Landkreis. Wahrscheinlich hätte er damals in den Achtzigerjahren selbst nicht gedacht, dass im Jahr 2017 immer noch neue Erkenntnisse über die Verbrechen der Nationalsozialisten bekannt werden, mit denen er sich dann beschäftigen kann.

Neben den für Zingerl typischen schwarz-weiß Grafiken sind in Olching auch mehrere Farbgemälde zu sehen. Darunter "In Memoriam Julius und Ethel Rosenberg", das er bereits 1982 gemalt hat, das aber noch nie im Landkreis ausgestellt war. Es beschäftigt sich mit dem Ehepaar Rosenberg, dass in 1953 in den USA wegen Spionage für die Sowjetunion auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Beobachtet wird die grausige Hinrichtung von einem Soldaten, einem Ku-Klux-Klan-Mitglied und einem Mann der symbolisch für den Kapitalismus steht, im Hintergrund steht die Freiheitsstatur, von einer US-Flagge rinnt Blut. Dieses in Katalogen schon eindrucksvolle Bild entfaltet im Original noch einmal eine ganz neue Wirkmächtigkeit.

Ansonsten zeigt die Ausstellung vor allem neuere Bilder aus den Jahren ab 2010, darunter auch fünf Landschaftsdarstellungen. Auch sie haben die für Zingerl typische Grundbedrohlichkeit, eröffnen aber noch einmal eine ganz andere Ebene des künstlerischen Werks des 85-Jährigen. Insgesamt sind 23 Bilder zu sehen.

Und so bietet die Ausstellung einen guten Überblick über Zingerls Spätwerk. Es zeugt davon, dass er früh eine Haltung gefunden hat und diese immer durchgezogen, verfeinert, variiert hat. Und dass er zwar immer die gleichen Grundprobleme, etwa Ungerechtigkeit, Gewalt, Gier, thematisiert, sie aber immer anhand aktueller Geschehnisse verarbeitet.

Ausstellung "... und sie machten sich die Erde untertan" zum 85. Geburtstag von Guido Zingerl, Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach, Vernissage Freitag, 13. April, 19 Uhr, danach am 14., 15., 21. und 22. April jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet