Familiendrama in Freising Frau tötete ihre drei Kinder vor dem Unfall

Nach der Obduktion und ersten Vernehmungen steht fest: Die Mutter, die auf der A 92 einen schweren Unfall verursachte, hatte bereits zuvor ihre drei Kinder getötet. Das Motiv für die Familientragödie liegt noch völlig im Dunkeln.

Von Peter Becker, Kerstin Vogel und Susi Wimmer

Nach der Obduktion und ersten Vernehmungen war es traurige Gewissheit: Die 38-jährige Freisingerin, die am Dienstag auf der Autobahn A 92 einen schweren Unfall verursacht hat, hatte bereits im Vorfeld ihre drei Kinder getötet. Sie sei in einen Waldweg nahe Freising gefahren und habe dort die Kinder umgebracht, gestand die Frau.

Das sechs Jahre alte Mädchen und eines der vier Monate alten Zwillings-Geschwister wurde laut Obduktionsbericht erstickt; der andere Zwilling überlebte offenbar zunächst. Anschließend, so gab die 38-Jährige an, sei sie in die Leitplanke gerast, um sich selbst das Leben zu nehmen. An den Unfallfolgen starb dann auch der andere Zwilling. Das Motiv für die Tat liegt nach Angaben der Polizei noch völlig im Dunkeln.

"Weder die 38-jährige Frau noch ihr Lebensgefährte können sich die Tat erklären", sagte Ulrich Pöpsel vom Polizeipräsidium Oberbayern. Er bezeichnete die Familienverhältnisse als "geordnet". Die 38-Jährige stammt aus Lübeck und war erst Anfang des Jahres zusammen mit ihrem Freund in die Freisinger Wohnung gezogen. Damals, so sagt ein Nachbar, sei sie hochschwanger gewesen. Die Frau war noch verheiratet und hatte neben ihrer sechsjährigen Tochter noch einen Sohn, der beim Vater lebt. Ob der Lebensgefährte der Vater der Zwillinge war, konnte die Polizei am Mittwoch noch nicht sagen.

Es war jedenfalls der Lebensgefährte, der am Dienstag die Polizei alarmierte, nachdem die 38-Jährige per SMS angekündigt hatte, den Kindern etwas anzutun. Ein Streifenwagen entdeckte den Wagen der Frau in Freising. Die 38-Jährige tat so, als würde sie die Anhaltesignale der Polizei befolgen, gab aber dann Gas und fuhr auf die Autobahn. Dort mussten die nachfolgenden Beamten aus Freising mitansehen, wie sie absichtlich gegen die Leitplanke raste, sich der Wagen überschlug und auf der Seite zum Liegen kam.

Anschließend bargen Polizei und Rettungskräfte die drei leblosen Kinder sowie die schwerverletzte Frau aus dem Autowrack. Notärzte versuchten noch, die Kinder zu reanimieren, sie kamen mit Rettungshubschraubern in Kliniken, die verzweifelten Versuche der Ärzte, sie wiederzubeleben, blieben ohne Erfolg.

Entsetzen in der Grundschule

In der Grundschule, wo die Sechsjährige gerade erst eingeschult worden war, herrschte am Tag nach dem Unglück Entsetzen. Konrektorin Juliane Dorfmüller informierte alle Lehrer - und Helfer: Klaus Hippe vom Kriseninterventionsteam, Schulpsychologin Martina Schneider und eine Beamtin in Zivil gingen in die betroffene Klasse mit 18 Kindern und versuchten, den Jungen und Mädchen die Nachricht "in kindgerechten Worten" zu vermitteln. Die Kinder durften dann malen, anschließend gab es einen gemeinsamen Spaziergang.

Offenbar hatten einige Mitschüler mit dem Gehörten erhebliche Probleme, waren sehr betroffen und wurden dann von ihren Eltern abgeholt. Die Kinder erhielten außerdem Zettel mit den Telefonnummern von Schulpsychologen und -sozialarbeitern, dort bekommen sie und die Eltern nun in dieser und in der nächsten Woche Unterstützung. Am Donnerstag wird ein Kondolenzraum eingerichtet, wo die Kinder in Wort und Bild Abschied nehmen dürfen. Außerdem soll es nächste Woche eine Trauerandacht geben.

Die 38-Jährige liegt im Krankenhaus - unter Polizeibewachung. Zu ihren Verletzungen will sich die Polizei nicht äußern. Offenbar ist der Zustand der Frau so stabil, dass sie fast den ganzen Mittwoch über vernommen werden konnte. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Landshut wurde der Freisingerin noch am Mittwoch im Krankenhaus der Haftbefehl wegen dreifachen Mordes eröffnet.