Archäologie Der Goldschatz im Baugebiet Eching-West

Das Skelett, das Archäologe Andreas Otto hier frei legt, stammt aus dem Frühmittelalter. Der oder die Tote hat ein Eisenmesser mit ins Grab gelegt bekommen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ausgrabungen fördern ein Diadem, Perlen und Bernsteinschmuck zutage. Archäologen bezeichnen die Funde als Sensation.

Von Alexandra Vettori, Eching

Es ist eine Sensation, was sich da am westlichen Ortsende von Eching im Kiesboden befindet. Archäologen haben nicht nur Reste zahlreicher Gräber, Brunnen und Pfostenlöcher aus verschiedenen Epochen ausgegraben, sondern auch Spuren der im Landkreis Freising bisher seltenen Glockenbecherkultur entdeckt, Golddiadem, Goldperlen und Bernsteinschmuck inklusive.

Über viertausend Jahre lang haben die Kleinodien da im Kies gesteckt, denn die Glockenbecherkultur kam 2500 bis 2100 vor Christus vor. Kein Wunder also, dass sich am Donnerstagmorgen zahlreiche neugierige Menschen, darunter Landrat Josef Hauner, an der Grabungsstelle einfanden, als die Archäologen Skelette, Keramikbecher und zumindest Bilder von dem Goldschmuck präsentierten.

Archäologen entdecken antikes Rennpferd

Forscher haben bei Pompeji Überreste eines Pferdes gefunden, das beim Ausbruch des Vesuvs 79 nach Christus verschüttet wurde. mehr ...

Dass man etwas finden würde auf der Fläche, die im "Baugebiet Eching-West" demnächst mit Wohnhäusern und einem Kindergarten bebaut wird, war allen Beteiligten klar. Wie Martin Pietsch, Gebietsreferent für den Landkreis Freising vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, betonte, habe man schon auf Luftbildern aus den Achtzigerjahren gesehen, dass im Boden Siedlungsspuren sind. Doch die schiere Menge hat alle überrascht. Über 1200 Funde sind erfasst, die Archäologen rechnen mit 2000, davon einige von großer Seltenheit. "Nirgends in Freising sind bisher so aufregende Sachen an den Tag gekommen wie an dieser Stelle", so Pietsch.

Die Glockenbecherkultur aus dem dritten Jahrtausend vor Christus hat ihren Namen von den glockenförmigen Keramikbechern, die sie herstellte und mit Schlangenlinien und Mustern verzierte. Verbreitet war die Kultur in ganz Mitteleuropa, von Spanien bis Ungarn, Italien bis England. Eine weitere Eigenheit sind die Begräbnisriten: Die Toten wurden in Hockstellung auf der Seite liegend begraben, Männer auf der linken Seite, den Kopf gen Norden und Frauen auf der rechten Seite, den Kopf nach Süden ausgerichtet, die Gesichter stets nach Osten gewandt.

Das Ausgrabungsfeld wird säuberlich erfasst, jede Spur untersucht, vermessen und in digitale Pläne überführt, denn nachdem es neu bebaut ist, sind alle Spuren unwiederbringlich verloren.

(Foto: Marco Einfeldt)

Warum, weiß niemand. Interessant auch, dass es zur selben Zeit eine zweite Kultur gab, die Schnurkeramik. Die Menschen bestatten ihre Toten genau anders rum. "Das ist alles sehr spannend, und wir wissen bis heute nicht, wie sie gesiedelt haben, es gibt kaum Funde", sagte Kreisarchäologin Delia Hurka.

Im Landkreis Freising gebe es bisher fast nichts aus dieser Zeit, betonte sie. Bisher kennt man nur ein schnurkeramisches Grab bei Murr, vergangenes Jahr fand man Schnurkeramik bei Mauern und Reste einer Glockenbecher-Siedlung bei Gammelsdorf. Deshalb sei man sehr glücklich gewesen über die Gräber in Eching, die im Nordwesten des Baugebiets in einer Reihe von vier Kreisgräben angeordnet sind. Als bei einem Grab dann noch ein verbogenes Gold-Diadem, Goldperlen und teils sehr große Bernsteinperlen im Erdreich steckten, war die Sensation perfekt.

Es handelt sich um ein breites Band aus Goldblech mit Löchern, vermutlich war es an einer Art Haube aufgenäht. Mit im Grab lag eine Bernstein-Kette aus sehr schön gearbeiteten Perlen. Auch eine Kupfer-Ahle, ein Werkzeug zum Stanzen von Löchern, fand man darin, die vermutlich in einem Lederbeutel war. Vor allem der Bernstein, so Birgit Anzenberger von der Ausgrabungsfirma Anzenberger & Leicht, sei ein Hinweis auf Fernhandel.

"Die Vorstellung, dass die Leute früher nicht von ihren Äckern herunter gekommen sind, ist definitiv falsch", so Anzenberger. Gold aus der Glockenbecherkultur sei aber eine Seltenheit, in Bayern gebe es derzeit drei Fundstellen. "Jetzt sind es vier", fügte sie mit einem sehr zufriedenen Lächeln hinzu.

Ein Stück weiter östlich hat man Gräber der frühen Bronzezeit (2200 bis 1600 vor Christus) gefunden. Viele sind allerdings fast leer oder es finden sich nur noch Knochenkrümel darin. An Beigaben ist bisher nur eine bronzene Rollenkopfnadel aufgetaucht. Grabräuber seien es aber wohl nicht gewesen, viele Knochen stammten von Kindern, und zersetzen sich schneller.

Gerade erst angefangen haben die Archäologen mit der südwestlichen Ecke des Gebiets, wo die Funde aus dem Frühmittelalter um 600 nach Christus stammen. Überall sind hier Zettelchen und Häufchen zu sehen, mit denen die Ausgräber die Funde kennzeichnen. Zahlreiche Grubenhäuser sind dabei, die in den Boden eingetieft meist Handwerksstätten waren. Dazu passt, dass hier Eisen-Schlacken und Reste aus gutem Glas, darunter viele bunte Perlen, gefunden wurden. Weil die Zeit drängt und die Baufirmen nicht glücklich über die Verzögerungen sind, ist man bei der Ausgrabungsfirma dankbar über die Hilfe von Alfred Ballauf und Erich Ludwig vom Archäologischen Verein Freising. "Die sind ein echte Hilfe", so Anzenberger.

Die Größe des Hirns ist nicht alles

Das Gehirn des Frühmenschen Homo naledi ist viel kleiner als das des Homo sapiens. Doch die Struktur des Organs ist erstaunlich hoch entwickelt und deutet auf die Fähigkeit zur Sprache hin. Von Sophie Rotgeri mehr...