Ermittler erneut bei Wienswirt Zweite Durchsuchung bei Sepp Krätz

Für Sepp Krätz wird es eng. Offenbar hat sich der Verdacht erhärtet, dass der Wiesnwirt in seinem Lokal Andechser am Dom Steuern und Sozialabgaben hinterzogen hat. Für den Gastronom steht auch die Zulassung fürs Oktoberfest auf dem Spiel.

Von Bernd Kastner

Für Wiesnwirt Sepp Krätz dürfte es eng werden. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung erhärtet sich offenbar der Verdacht, dass Krätz in seinem Lokal Andechser am Dom Steuern und Sozialabgaben hinterzogen haben könnte. Darauf deutet hin, dass Anfang August Ermittler der Steuerfahndung und des Zoll ein zweites Mal das Büro seiner Gaststätte durchsucht haben. Es wurden Unterlagen beschlagnahmt. Die Rede ist von einer sechsstelligen Summe, die der Gastronom hinterzogen haben könnte. Krätz selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung, die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Wie berichtet, war im Herbst vergangenen Jahres eine anonyme Anzeige beim städtischen Wirtschaftsreferenten Dieter Reiter (SPD) eingegangen. Reiter, der für das Oktoberfest zuständig ist, leitete die Unterlagen mit den sehr konkreten Hinweisen auf angeblich nicht korrekte Abrechnungen, die auch der SZ vorliegen, an die Staatsanwaltschaft weiter. Diese wartete mit dem Erwirken eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses bis Sommer, weil die behaupteten Tricksereien bei der Bewirtung im Freien stattgefunden haben sollen. Am 4. Juli besuchten Fahnder zum ersten Mal die Krätz-Gaststätte in der Innenstadt. Das war just an jenem Tag, als in Krätz' anderem Wirtshaus, der Waldwirtschaft in Großhesselohe, der Star-Koch Eckart Witzigmann mit viel Prominenz seinen 70. Geburtstag feierte. Mit dem ersten Überraschungsbesuch im Andechser wollten die Ermittler offenbar zunächst die Glaubwürdigkeit der anonymen Vorwürfe abklären.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Barbara Stockinger, bestätigte die zweite Durchsuchung, für die ein weiterer richterlicher Durchsuchungsbeschluss ergangen sei. Die Ermittlungen dürften sich noch etwas hinziehen, so Stockinger. Sicher aber ist, dass für Krätz sehr viel auf dem Spiel steht: Es droht nicht nur eine Strafe, die Vorwürfe gefährden seine künftige Zulassung für die Wiesn. Dieses Jahr ist er mit dem Hippodrom auf jeden Fall nochmals vertreten, aber was nächstes Jahr ist, weiß derzeit niemand. Reiter hatte aber bereits nach der ersten Durchsuchung im Juli anklingen lassen, dass Krätz' Gaststättenkonzession und damit sein Hippodrom schwer gefährdet seien, wenn an den Vorwürfen etwas dran sei.

Die möglichen finanziellen Unregelmäßigkeiten sind nicht die einzigen Anschuldigungen, die am Image des zum "Gastronomen des Jahres 2011" gekürten Wirts kratzen. Vergangenes Jahr hatten einige Kellner aus dem Hippodrom heftige Vorwürfe gegen den 56-Jährigen Wirt erhoben: Er soll mehrere von ihnen beschimpft und beleidigt, getreten und geschlagen haben. Verbale Ausfälle räumte Krätz daraufhin ein, bestritt aber vehement, handgreiflich geworden zu sein. Die Stadt, besorgt um den Ruf des weltgrößten Volksfestes, mahnte Krätz ab, und der gelobte Besserung.

Tatsächlich wurden auf dem Frühjahrsfest, wo Krätz mit dem Hippodrom ebenfalls vertreten ist, keine Beschwerden bekannt. Im vergangenen Mai hatten die Vorwürfe ein strafrechtliches Nachspiel: Krätz soll in seinem Festzelt einen Studenten, der als Reinigungskraft beschäftigt war, aus nichtigem Anlass getreten haben. Krätz bestritt dies, akzeptierte aber einen Strafbefehl. Folgen für seine Konzession hatte dies nicht.