Erinnerungspolitik in Dachau Merkel kommt in die KZ-Gedenkstätte

Kanzlerin Merkel legte bereits 2013 einen Kranz in der Gedenkstätte nieder.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Kanzlerin Angela Merkel wird anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau eine Rede in der KZ-Gedenkstätte halten.
  • Vor ihr tat dies noch nie ein amtierender deutscher Regierungschef. 2010 besuchte der damalige Bundespräsident Horst Köhler eine Gedenkfeier.
Von Helmut Zeller, Dachau

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt am 3. Mai zur Befreiungsfeier in die KZ-Gedenkstätte Dachau. Es ist ihr zweiter Besuch in knapp eineinhalb Jahren und die erste Teilnahme eines amtierenden Regierungschefs am Gedenken an den 29. April 1945. Damals hatten amerikanische Soldaten die verbliebenen Häftlinge im Konzentrationslager Dachau befreit.

Karl Freller, Direktor der bayerischen Gedenkstättenstiftung, hatte die Kanzlerin eingeladen, eine Rede zum 70. Jahrestag zu halten. Neben Auschwitz ist Dachau der bedeutendste Gedenkort mit jährlich etwa 800 000 Besuchern. Zur Feier werden mehr als hundert Überlebende aus Europa, Israel und den USA erwartet. Der Auftritt Merkels gilt als ein starkes Signal für die Erinnerungspolitik in Deutschland. Bundespräsident Joachim Gauck wird im April in Bergen-Belsen der NS-Opfer gedenken.

2010 kam der damalige Bundespräsident Köhler

Vor Merkel war kein Kanzler in der Gedenkstätte, und erst 2010 besuchte sie ein Bundespräsident, damals Horst Köhler. Max Mannheimer, Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees, hatte ihn eingeladen. Im August 2013 kam Merkel zum Wahlkampf nach Dachau und besuchte zuvor die Gedenkstätte. Das brachte ihr den Vorwurf einer Verknüpfung von Bierzelt und Gedenken ein. Doch die ehemaligen KZ-Häftlinge im Dachau-Komitee begrüßten ihren Besuch und folgten 2014 ihrer Gegeneinladung nach Berlin.

Eventuell gibt es eine Rekonstruktion des geklauten Tors

In Dachau gibt es derweil einen Streit über die geplante Rekonstruktion der KZ-Tür mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei". Sie wurde Anfang November gestohlen. Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann und der Historiker Wolfgang Benz, früherer Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, lehnen eine Kopie ab, da sie den authentischen Charakter des Gedenkorts bewahren wollen.

Das wäre, wie Hammermann sagte, ein Bruch mit den Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats, denen die Gedenkstätte seit 20 Jahren folgt. Die Aufschrift ist eine Replik aus dem Jahr 1972. Auch die Eisentür galt bisher als Nachbildung, ist aber neuen Forschungen zufolge höchstwahrscheinlich original.

Die Stiftung will die Tür zum 3. Mai ersetzen lassen. "Wir gönnen den Dieben nicht diesen Triumph", sagte Freller. Überlebende, Kirchen und Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, unterstützen Freller. Knobloch hält eine Kopie dieses zentralen Symbols für das Leid der Häftlinge für nötig.