World Spirit Award Der Weltmeister im Schnapsbrennen kommt aus Oberkorb

Andreas Franzl aus Oberkorb bei Dorfen ist der erste deutsche Weltmeister der Schnapsbrenner.

(Foto: Renate Schmidt)

Andreas Franzl hatte zuletzt sogar damit begonnen, aus eigentlich ungenießbaren oder giftigen Beeren Edelbrände herzustellen.

Von Florian Tempel, Erding

Dass Andreas Franzl einer der besten Schnapsbrenner weit und breit ist, ist seit Jahren bekannt. Doch nun hat der 58-Jährige aus Oberkorb bei Dorfen etwas erreicht, was in Deutschland noch keiner vor ihm geschafft hat. Beim "World Spirits Award", der weltweit wichtigsten Prämierung von Edelbränden, bei dem er schon mehr als einmal höchste Auszeichnungen errungen hat, ist er diesmal überragender Gesamtsieger geworden: Andreas Franzl ist seit wenigen Tagen der amtierende Weltmeister seines Faches.

Sein Erfolg ist überragend, aber nicht überraschend. Der gelernte Käser und studierte Landwirt hat 1993 die Brennerei als Hobby entdeckt. Seit 25 Jahren destilliert er aus alten Obstsorten, wilden Waldbeeren und seltenen Früchte feinste Edelbrände. Sein Einödhof Oberkorb liegt weit draußen am östlichen Ende des Landkreises.

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Mit seiner Hofbrennerei darf Franzl dort nur ein bescheidenes Kontingent von 300 Liter reinen Alkohols pro Jahr produzieren. Doch in der Beschränkung auf kleine Mengen gelingen ihm edle Schnäpse, die höchsten Ansprüchen genügen. Das hat Franzl mit stets erfolgreichen Teilnahmen an vielen Wettbewerben schon oft unter Beweis gestellt. 2014 ist er auch mit einem bayerischen Staatspreis ausgezeichnet worden. Der Gesamtsieg beim World Spirit Award ist jedoch der absolute Höhepunkt in seiner Karriere.

Seit er mit dem Brennen begonnen hat, reizen ihn die besonderen Obstsorten und Beeren. Es steckt ein immenser Arbeitsaufwand darin, um etwa genügend Vogelbeeren zu sammeln, aus denen sich am Ende wenige Liter reinen Destillats herstellen lassen. Franzl verwendet grundsätzlich nur regionale Früchte. Ihn interessieren alte Apfel- und Birnensorten aus verwilderten Bauerngärten, aber auch wild wachsende Mispeln oder roter Hirschholunder.

Und immer wieder kommt er auf neue Ideen. In den vergangenen Jahren hat er begonnen, aus eigentlich ungenießbaren oder sogar giftigen Beeren fantastische Brände herzustellen. Es gehört viel Können und Wissen dazu, um aus den supersauren Früchten des gemeinen Schneeballs einen Edelbrand zu gewinnen. Das Ergebnis ist ein Erlebnis: Man schmeckt in so einem Schneeball-Brand Aromen, die man sonst nur als feine Düfte wahrnehmen kann.

Im Sterne-Restaurant und auf dem Wochenmarkt

Absolut einzigartig ist Franzls Brand aus den Beeren des Attich, eines einjährigen Verwandten des Holunders. Niemand sonst auf der Welt hat vor ihm einen Attich-Schnaps hergestellt. Beim World Spirit Award hatte Franzl in diesem Jahr fünf seiner besten Brände eingereicht: Die Schwarze Johannisbeere, der Waldholunder, ein Wildbeeren-Cuvée und die seit 1996 im Eichenfass gelagerte Zwetschke erhielten alle eine Goldmedaille. Sein Quitten-Brand wurde jedoch sogar zum besten Edelbrand des Jahres gekürt.

Bei dem Wettbewerb hatten 113 Destillerien aus 30 Nationen mit 485 Schnäpsen und Bränden teilgenommen, wobei die Produktvielfalt von Zigarren-Destillaten über Gin, Whisky, Rum bis zu 100-prozentigen Edelbränden reichte.

Trotz seiner Erfolge bleibt Franzl ganz geerdet auf dem Boden. Seine Super-Schnäpse gibt es zwar auch in Sterne-Restaurants, aber ebenso freitags auf den Bauernmärkten in Dorfen und Moosen oder bei der Metzgerei Feckl in Schwindkirchen. Aber natürlich kann man ihn auch in seinem Anwesen in Oberkorb besuchen, sich die Brennanlage zeigen und alles genau erklären lassen, bevor man in Ruhe einen Edelbrand aussucht. "Und dazu gibt's dann auch einen guten Kaffee", sagt Weltmeister Franzl.

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