München Einschreibung an den Gymnasien: Zu viel der Guten

Auch das neue Gymnasium München Nord kann nicht alle Schüler aufnehmen - obwohl fünf statt vier Eingangsklassen gebildet wurden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • 3,4 Prozent mehr Viertklässler haben sich in diesem Jahr an den Münchner Gymnasien eingeschrieben: 4952 Schüler insgesamt.
  • Nicht alle können in ihre Wunschschule gehen, denn die Kapazitäten reichen vielerorts nicht.
  • Die Gymnasien verteilen die Kinder nun um.
Von Melanie Staudinger

Ohne Google Maps, Excel-Tabelle und die Hilfe eines Informatikers wäre Leonhard Baur wohl aufgeschmissen gewesen. 191 Kinder haben sich an seinem neuen Gymnasium München Nord für die fünften Klassen angemeldet. Viel zu viele, als dass der Direktor sie alle hätte aufnehmen können. Obwohl er statt der geplanten vier Eingangsklassen ohnehin schon fünf bildet. Trotzdem muss er Schüler ablehnen. Im Fall seines Gymnasiums aber kann er nicht nur das übliche Kriterium, also die Entfernung zwischen Wohnort und Schule, heranziehen.

Denn nördlich der Knorrstraße 171, in Milbertshofen, Am Hart und im Hasenbergl, ist ein gymnasiales Niemandsland. Die nächsten Gymnasien stehen in Garching, Moosach und Dachau. Bei Baur gibt es deshalb zwei Einflussgrößen: die Entfernung vom Wohnort zu seiner Schule sowie zur nächsten anderen Schule. Mit Hilfe von Ellipsen und einem eigenen EDV-Programm bestimmt er, wer kommen kann und wer nicht. "Wir mussten den Norden stärker berücksichtigen, sonst hätten diese Kinder einen zu weiten Schulweg gehabt", sagt der Direktor. Etwa eine komplette Klasse wird vor allem an das Lion-Feuchtwanger- und das Willi-Graf-Gymnasium verwiesen.

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Seit vergangenem Mittwoch warten 4952 Münchner Kinder gespannt, ob sie einen Platz am Gymnasium ihrer Wahl bekommen haben. So viele haben sich für die fünfte Jahrgangsstufe angemeldet und damit 3,4 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Einige müssen sich bald nach einer Alternative umsehen. Denn wie immer gab es Schwankungen bei den Anmeldezahlen: Einige Schulen sind plötzlich zu klein für all die Interessenten, andere wiederum, wie etwa das Max-Josef-Stift, freuen sich, dass die Schülerzahlen wieder zunehmen. Dort haben sich 25 Schülerinnen mehr angemeldet, das Gymnasium kann wieder drei Eingangsklassen bilden. Anderswo hat trotz Pfingstferien die große Tauscherei begonnen. Die einen Schulen geben ab, die anderen nehmen auf - bis alle Kinder einen Platz haben.

Das ist in einer Stadt wie München, in der die Schulen meist aus allen Nähten platzen, nicht leicht. Einen Vorteil haben die Gymnasien, die in der Vergangenheit nicht ganz so stark nachgefragt waren, wie das Thomas-Mann-Gymnasium, dem zwei Jahre lang ein Direktor fehlte. Diese Position hat Bärbel Ebner zu Schuljahresbeginn übernommen. "Die Schule hat sich stabilisiert", sagt sie.

Mit den Lehrern habe sie sich bemüht, die Eltern über das Angebot zu informieren. Mit Erfolg: Statt 114 Schülern im Vorjahr wollen diesmal 180 die Schule besuchen, alle können bleiben. Mehr fünfte Klassen gibt es auch am Louise-Schröder-Gymnasium in Untermenzing, nämlich sechs statt fünf. "Dennoch müssen wir 15 Schüler abweisen", sagt Direktor Robert Laslop. 195 Anmeldungen, das waren zu viel.

Mehr Klassen, trotzdem können nicht alle kommen

Rupert Grübl hingegen hat schon im Vorfeld Negativwerbung betrieben. Sein Gymnasium in Fürstenried beherbergt bereits jetzt fünf Klassen, die keinen eigenen Raum haben und von Stunde zu Stunde durch das Gebäude wandern. Vor zwei Jahren meldeten sich 190 Schüler an, im vergangenen waren es 170. "Ich habe die Eltern früh informiert, dass wir so nicht weiterwachsen können", sagt Grübl. Seine Strategie ging auf: 104 Schüler wollen kommen, sie können aufgenommen werden.

Angelika Loders, Leiterin des Michaeli-Gymnasiums in Neuperlach, hat 230 Anmeldungen erhalten, sie wird sieben Eingangsklassen bilden. Fünf Kinder musste sie abweisen, weil sonst Durchfaller aus den jetzigen fünften Klassen keinen Platz mehr hätten. "Unsere Schule wurde erst erweitert", sagt Loders. Dadurch sei Raum für bis zu 1250 Schüler geschaffen worden. Von September an besuchen 1300 Mädchen und Jungen das Gymnasium.

Über Zuwachs freut sich auch Bernd Hieronymus. Sein Luitpold-Gymnasium bevorzugten 151 Schüler und damit 32,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Alle kann er nicht aufnehmen, etwa 30 Familien müssen sich eine andere Schule suchen. "Wir verwalten den Mangel", sagt er. Seine Gymnasium ist einst für 600 Schüler gebaut worden, heute beherbergt es 1000. "Eigentlich bräuchten wir in München jedes Jahr ein neues Gymnasium wie das im Norden", sagt Hieronymus.

Die Schulen müssten erweitert werden

Am Sophie-Scholl-Gymnasium ist man davon weniger begeistert. Statt 87 haben sich heuer nur 62 Mädchen angemeldet. Schulleiter Bernhard Vonbrunn kann nur zwei Klassen bilden. "Gegen das neue, schöne Gebäude und den Sportschwerpunkt konnten wir nicht mithalten", sagt er. Auch das benachbarte Willi-Graf-Gymnasium kämpft. Dort haben sich 15 Schüler weniger angekündigt. "Nun nehmen wir Kinder, die ans Gisela-Gymnasium wollten", sagt Direktorin Gertrud Sauer-Dietl.

Dort muss Schulleiterin Gisela Achatz 38 Schüler ablehnen. Weil die Schule erstmals eine Inklusionsklasse für Gehörgeschädigte anbietet, gibt es statt vier nur noch drei Eingangsklassen. Es sei sehr bitter, "dass wir so viele nicht nehmen können", sagt Achatz. Wer weiter als 600 Meter von der Schule entfernt wohnt, hat keine Chance.

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