Oberpframmern bei München Paul Breitner kämpft um seine Thujen

Der ehemalige Fußballprofi Paul Breitner hat um sein Haus in Oberpframmern eine Thujen-Hecke gepflanzt - obwohl dies nicht erlaubt ist. Der Streit spaltet den kleinen Ort bei München. Selbst Edmund Stoiber hat sich eingeschaltet.

Von Barbara Mooser, Oberpframmern

Man könnte meinen, Edmund Stoiber (CSU) hätte genug damit zu tun, die Bürokratie in Europa zurechtzustutzen. Doch bisweilen hat der ehemalige bayerische Ministerpräsident offenbar auch Zeit, sich darum zu kümmern, dass Behörden guten Freunden nicht allzu viele Steine in den Weg legen. Jedenfalls hat er seine Parteifreundin und ehemalige Ministerin Christa Stewens bei einem Mittagessen gebeten, doch dem Neu-Oberpframmerner und Fußballweltmeister von 1974, Paul Breitner, beim Kampf für eine Thujenhecke als Sichtschutz um sein Grundstück zu unterstützen.

Paul Breitner, hier ein Archivfoto aus dem vergangenen Jahr, will seine Thujenhecke behalten

(Foto: dpa)

Laut Bebauungsplan ist die an dieser Stelle nicht erlaubt. Während das Landratsamt inzwischen bereit wäre, die Thujen zu dulden, ist Oberpframmerns Bürgermeister Theo Rottmayer (Freie Wähler) nicht geneigt, Breitner einen "Promi-Bonus" zu gewähren. Entscheiden muss letztlich der Gemeinderat.

Seit zwei Jahren lebt der Fußball-Held Breitner, der immer noch als Berater des FC Bayern im Einsatz ist, im schönen Oberpframmern. Von den Protz-Villen der Fußballer und Ex-Fußballer, die sich in Grünwald angesiedelt haben, ist sein Häuschen weit entfernt. Erdgeschoss und ausgebautes Dach haben der 62-Jährige und seine Frau zur Verfügung, rundherum viel Garten. Während anfangs eine Hainbuchenhecke den früheren Star vor neugierigen Blicken schützen sollte, stehen dort seit einiger Zeit Thujen - sehr zum Missfallen des Bürgermeisters und seiner Gemeinderäte. Denn die Bewohner in diesem Gebiet haben laut Pflanzliste des Bebauungsplans 40 einheimische Sträucher zur Auswahl, die sie als Sichtschutz pflanzen dürfen - Thujen sind hingegen explizit verboten.

Zwei Gespräche habe er persönlich mit Breitner geführt, sagt der Bürgermeister, eines sei eher harsch verlaufen, das zweite freundlicher. Das Ergebnis sei jedoch immer das selbe gewesen: Der ehemalige Fußballprofi wolle nicht auf seine Hecke verzichten. Breitner vertraute bei seinem Kampf um das schützende Grün freilich nicht allein auf seine eigene Überzeugungskraft: Er bat niemand anderen als Edmund Stoiber um seine Unterstützung. Stoiber ist neben seiner Funktion als oberster Entbürokratisierer auch Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern. Dieser wandte sich bei einem Mittagessen an seine ehemalige Mitstreiterin, die Poinger Abgeordnete Christa Stewens.

Auch Breitner selbst, den sie von gemeinsamem Engagement für die Special Olympics gut kenne, habe sie um Unterstützung gebeten, sagt Stewens. Sie habe bei Rottmayer um Verständnis für Breitner geworben, so die frühere Ministerin, und habe dem früheren Fußballer auch geraten, wie er weiter vorgehen könnte und welche rechtlichen Möglichkeiten er habe. "Das mache ich auch bei ganz normalen Leuten, die bei mir in die Sprechstunde kommen", unterstreicht Stewens.

Doch trotz prominenter Intervention ist der Streit nicht entschieden - obwohl es auf Bitten Rottmayers mittlerweile auch eine Zusammenkunft im Landratsamt zu dem Thema gab. Die Aufsichtsbehörde freilich wird die Beseitigung der Hecke nicht anordnen. Es gebe daran "kein öffentliches Interesse", sagt Sprecherin Evelyn Schwaiger. Denn auch in anderen Oberpframmerner Wohngebieten mit geltendem Bebauungsplan würden Thujenhecken geduldet, obwohl sie eigentlich verboten seien. Dies bestreitet allerdings der Gemeindechef.

Hohe Thujen sollen Paul Breitner und seine Familie in Oberpframmern vor neugierigen Blicken schützen. Erlaubt ist die er Bepflanzung hier nicht.

(Foto: EBE)

Zwar gebe es etliche Thujenhecken in Oberpframmern, doch in den Bereichen wo ein qualifizierter Bebauungsplan vorhanden und diese Art der Hecken ausdrücklich ausgeschlossen sei, achte man auch darauf, dass diese Vorgabe eingehalten werde. "Jetzt haben wir wieder den Schwarzen Peter", sagt Rottmayer. Denn das Landratsamt würde die Hecke zwar dulden, habe aber auch darauf hingewiesen, dass es der Gemeinde unbenommen bleibe, auf eine Entfernung hinzuwirken. Viele Möglichkeiten gibt es laut Rottmayer aber nicht mehr. Eine Option wäre es, den Klageweg zu beschreiten. Darüber müsse aber demnächst der Gemeinderat entscheiden.