Konzert Wenn Feuer zu Musik würde

Die Edi Fenzl-Band heizt der Schrottgalerie mit Blues ein

Von Ulrich Pfaffenberger, Glonn

Verstärker stehen in der Schrottgalerie selten im Raum. Die "drei Brettl Abstand" zwischen Bühne und Zuhörern machen derlei in der Regel überflüssig und haben den Ruf der Galerie als Unplugged-Adresse begründet und gefestigt. Dass die drei Musiker der "Edi Fenzl-Band" am Freitagabend dennoch elektronisch aufgerüstet vor ihrem Publikum standen, mag daher Freunden der reinen Blues-Lehre zunächst befremdlich erschienen sein. Zumal die saloppe Bemerkung des Bandleaders, man spiele sonst krachend laut, "heute aber nur laut" eine Überforderung des Gehörgangs erwarten ließ. Doch es kam alles ganz anders.

Dass die Band ihre Musik als "Hippiewestern" tituliert, gibt Interpretationen breiten Raum. Tatsächlich erwies sich das Programm - trotz einer leidenschaftlichen Hommage an Jimi Hendrix gegen Ende - in seiner Tonalität näher an "Burning Man" als an "Woodstock". Die musikalischen Wurzeln ebenso wie die heute gelebte Gegenwart dieser Musik sind eindeutig "West of the Mississippi" zu finden. Und um es vorweg zu nehmen: Die Edi Fenzl-Band braucht den Vergleich mit den dort ansässigen Gruppen nicht zu scheuen. Ihr österreichisches Rot-Weiß-Rot fügt sich nahtlos ein in die Streifen der amerikanischen Musikflagge, ihre Adaptionen von "Led Zeppelin", Steve Ray Vaughan oder Kenny Wayne Sheperd zeugen von Respekt und Eigenständigkeit zugleich.

Egal, welchen Titel sich Leadsänger und Gittarist Fenzl, der fein abstimmende Bassist Klemens Cathcart und der inspirierte Schlagzeuger Ari Tiihonen auch vornahmen: Sie lieferten einen starken, bis ins Detail erstklassig abgestimmten Auftritt ab. Fliegende wie fließende Übergänge bei den Improvisationen, messerscharf herausgearbeitete Akzente, ein souveräner Umgang mit Dynamiken, mit Rhythmuswechseln, die das Herz stocken lassen - danach muss man in so hoher Qualität auch bei Gruppen, die schon viel länger im Geschäft sind, lange suchen. Das kundige Publikum in der Schrottgalerie, die leider diesmal nur zur Hälfte besetzt war, erkannte das bald mit Applaus an, erst staunend, dann fordernd.

Auch wenn Bandleader Fenzl mit seiner rauh-lässigen Stimme, die gelegentlich in einen süffigen Bass abglitt, eine markante klangliche Note einbrachte, so verstanden sich die "vocals" bei dieser Band im besten Blues-Stil doch als eine Stimme von vielen im gesamten Klangbild. Da wurde nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und nicht jede Silbe zur perfekten Verständlichkeit artikuliert. So entstand größtmögliche atmosphärische Dichte, so gewannen die Gefühle an Kraft, so ging die Stimmung der Songs unter die Haut der Zuhörer. Es spricht für die Qualität des Trios, dass auf diese Weise schnell in den Hintergrund trat, was zu Beginn als Störung empfunden wurde: Das zunächst sichtbare Gewicht der Technik spielte irgendwann keine Rolle mehr.

Im Gegenteil. Als es bei einer Easy-Rider-Nummer richtig zur Sache ging, wartete man schon darauf, dass gleich Stromschläge wie Blitze aus den Gitarren zucken würden. Es klang, als ob Feuer zu Musik würde. Im direkten Kontrast dazu standen die immer wieder kunstvoll inszenierten "slow hands". Für so intensives Pianissimo brauchen selbst Konzertpianisten all ihre Körperbeherrschung, um das Schweigen des Moments zur Blüte zu bringen. Umso ergreifender, dass die Band ein solches Gespür für diese Kunstform zeigte. Um gleich danach wieder in das treibende, voranstürmende Crescendo der Riffs zu wechseln, mit der Urgewalt eines reißenden Stroms, frisch, jung, überfließend mit Energie.

Mitunter verwandelte sich der Blues dann zum "Cathedral Rock", bei dem sich eine Fantasie auf die andere türmt, Tonreihen mit unbändiger Kraft zum Himmel stürmen, lusterfüllter Groove alles bezwingt und bei dem die Botschaft keine Zweifel lässt: Das ist unsere Musik, das ist unser Leben.