Hohenlinden Die besondere Faszination der Islandpferde

Auch tropfnass noch bildhübsch: Islandpferde sind aus ihrer Heimat raue Klimaverhältnisse gewöhnt.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

In Hohenlinden finden die Bayerischen Meisterschaften mit mehr als 200 Teilnehmern statt. Für viele ist jedoch das Zusammensein wichtiger als der Wettbewerb

Von Max Nahrhaft, Hohenlinden

Eine junge Reiterin steuert ihr Pferd stoisch über die quadratische Bahn direkt vor der Jury. Im Hintergrund läuft leise Musik und um die Bahn herum stehen schon am frühen Morgen die ersten Zuschauer. Trotz Regen fiebern sie mit und applaudieren der erfolgreichen Kür, während der nächste Reiter schon bereit steht und gespannt auf seinen Einsatz wartet.

Auf einem beschaulichen Gelände zwischen Hohenlinden und der Bundesstraße 12, inmitten von saftig grünen Wiesen, betreibt Familie Fritz einen ganz besonderen Pferdestall - und zwar für Islandpferde. Doch an diesem Wochenende herrscht kein normaler Betrieb; immerhin finden hier die Bayerischen Meisterschaften der Islandpferde 2016 statt.

Die Pferderasse wird in Deutschland immer populärer

Dieses Turnier wird nun zum ersten Mal auf dem Hof in Hohenlinden ausgetragen und zieht Begeisterte aus der ganzen Szene an. "Für die Zeit von Donnerstag bis Sonntag haben sich über 200 Starter angemeldet", sagt Anna Fritz. Ihre Eltern sind die Besitzer des Hofes, während die junge Frau selbst die Turnierleitung übernimmt. Der Wettkampf sei auf der einen Seite natürlich eine sportliche Veranstaltung, in der die Teilnehmer um die ersten Plätze konkurrieren, die mit der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaften verbunden sind. Andererseits ist die Atmosphäre auf dem Turnier besonders durch ein fast familiäres Miteinander geprägt. Deswegen sei für viele Gäste das "Drumherum" wichtiger als der Wettkampf selbst, wie es die Eltern der 16-jährigen Senta Beiküffner formulieren. Die Nürnberger Familie fährt gemeinsam mit Freundinnen ihrer Tochter regelmäßig zu Treffen im ganzen süddeutschen Raum.

Es scheint, dass von dieser Pferderasse eine besondere Faszination ausgeht: Ein Islandpferd ist mit 1,40 Metern etwas kleiner als seine Artgenossen und trägt eine sehr lange und majestätische Mähne. Zudem stammen diese Tiere ursprünglich aus Island und dürfen nicht mit anderen Arten gekreuzt werden - müssen also reinrassig sein. Seitdem der Sport jedoch auch hierzulande immer populärer wird, werden die Pferde zunehmend in Deutschland großgezogen. Trotzdem seien sie genetisch noch zu ihrer Heimatinsel im Nordatlantik zurückzuverfolgen.

Besonderes Kennzeichen: Tolle Mähne

Alisa Zielosko, eine Freundin von Senta, erkennt den Reiz aber vor allem in den inneren Werten der Tiere: "Natürlich entspricht die volle Mähne des Pferdes jedem Mädchentraum, ihn unterscheidet aber vor allem sein Charakter von anderen Rassen. Die Isländer sind wirklich robust und äußerst widerstandsfähig." Jolande Henrich schwärmt zudem von der Natürlichkeit; es seien eben keine verwöhnten Tiere. "Die Isländer sind ursprünglich Herdentiere und stehen bei jedem Wind und Wetter zusammen mit ihren Artgenossen auf der Koppel", so Henrich. Sie seien daher gesünder und pflegeleichter als andere Rassen.

Natürlich und robust soll die Rasse sein - das kommt den Tieren bei diesem Wetter zugute. Auch die Reiter sind hartgesotten und campen auf nassen Feldern.

(Foto: Christian Endt)

Auch sportlich sind sie überlegen - so sieht das zumindest die Turnierleitung: "Als Gangpferde beherrschen sie nicht nur den Schritt und Trab, sondern bewegen sich auch in den Disziplinen Tölt und Rennpass." Wie sich diese beiden Gangarten auszeichnen, kann Anja Huber erklären, die schon mit neun Jahren auf einem Isländer saß und seit Jahrzehnten Veranstaltungen besucht: "Normalerweise sitzt der Reiter sehr unruhig auf dem Pferd und spürt jede Bewegung des Tieres. Beim Tölt ist das anders: Du sitzt völlig erschütterungsfrei auf dem Gaul, das ist wesentlich angenehmer." Bei dieser Gangart entscheidet sich die Endnote in erster Linie durch die Flüssigkeit der Bewegung und die Haltung des Reiters.

Dosenravioli, Gummistiefel, Klapptische: So sieht es im Camp aus

Der Rennpass hingegen zeichnet sich durch Schnelligkeit und Eleganz aus. Dann laufen die Pferde lateral, also zeitgleich nebeneinander, auf der 250 Meter langen Bahn in Hohenlinden. Das Herz der Veranstaltung schlägt aber abseits des sportlichen Zentrums auf dem Campingplatz. Dort stehen Zelte, Wohnwägen und Pferdeanhänger; die Teilnehmer treffen alte Bekannte aus vergangenen Turnieren und tauschen abends in gemeinschaftlicher Runde Geschichten aus. Die Atmosphäre erinnert an ein Musikfestival im Kleinformat mit Dosen-Ravioli, Gummistiefeln und Klapptischen. Gerade einmal die Außenstallungen der Pferde lassen dabei auf ein Reitturnier schließen.

Am Sonntag, 22. Mai, von 8 bis 13 Uhr findet in Hohenlinden das Finale der Meisterschaft statt.

In Hohenlinden richtet in diesen Tagen die Islandpferde Reiter Vereinigung Hohenlinden auf dem Hof der Familie Fritz die Bayerischen Meisterschaften aus.

(Foto: Christian Endt)