Abrisshaus an der Müllerstraße 6 Gorillas inspirieren OB Ude

Das Protestvideo zeigt Wirkung: Einen Tag, nachdem namhafte Künstler in Gorillamasken den Clip von der Renovierung einer Wohnung in der Müllerstraße 6 ins Netz gestellt haben, reagiert Münchens Oberbürgermeister Ude. Er will weitere Wohnungen sanieren - und stellt sogar den Abriss infrage.

Von Thierry Backes

Es ist Wahlkampf in Bayern - und Christian Ude (SPD) hat sich viel vorgenommen: Münchens Oberbürgermeister will Horst Seehofer (CSU) als Ministerpräsident beerben, da kann er sich ungelöste Probleme in seiner Landeshauptstadt nicht leisten. Die akute Wohnungsnot, von der sich viele Münchner existentiell bedroht fühlen, wird er bis zur Wahl nicht mehr aus der Welt schaffen, aber er kann versuchen, das Thema anzupacken.

Genau das tut er jetzt. Christian Ude hat auf das Video reagiert, das eine Aktivistengruppe rund um den Kabarettveranstalter Till Hofmann am Dienstag ins Netz gestellt hat. Darin renovieren als Gorillas verkleidete Künstler eine Wohnung in dem städtischen Anwesen an der Müllerstraße 6. Dieses soll womöglich abgerissen werden, um Platz für neue Sozialwohnungen zu schaffen. Das, finden die namhaften Künstler - unten ihnen die Sportfreunde Stiller, die Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Luise Kinseher, der Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der Komponist Gerd Baumann und der ehemalige Ballkünstler Mehmet Scholl - müsse nicht sein, man könne das Haus auch renovieren.

Auf Facebook schreibt Christian Ude nun, er habe das Anwesen auf Drängen von Hofmann noch am Dienstag besichtigt und festgestellt, dass "die provisorische Renovierung einen für junge Leute höchst attraktiven Wohnraum mit durchaus zeitgemäßer technischer Ausstattung geschaffen" habe. All dies bei einem Materialeinsatz von nur knapp 3000 Euro. Er habe sich mit Kommunalreferent Axel Markwardt darauf verständigt, "dass die wenigen leer stehenden Wohnungen unverzüglich nach dem Vorbild der jetzt vorgenommenen provisorischen Sanierung ebenso schnell und kostengünstig in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen und einer Wohnnutzung zuzuführen sind".

Erst im Herbst will Markwardt Planungen für die Zukunft des Areals vorlegen. Sieben Varianten würden derzeit geprüft, heißt es aus seinem Referat. Das Areal selbst umfasst mehrere Anwesen an der Müllerstraße und den Bolzplatz hinter der Glockenbachwerkstatt, für den im Oktober 2012 Prominente wie Paul Breitner auf die Straße gegangen waren. Ein Leerstand bis Herbst sei jedenfalls "ärgerlich" und "nicht vertretbar", schreibt Ude auf Facebook. Er will nun sogar prüfen lassen, "ob die Kosten (für den Neubau, d. Red.) in einem angemessenen Verhältnis zu dem angestrebten zusätzlichen Wohnraum stehen".

Till Hofmann nennt Udes Ansage auf Anfrage die "einzig richtige Reaktion" und meint: "Mir ist wurscht, ob gerade Wahlkampf ist. Der Leerstand in der Stadt muss beseitigt werden." Der schwarze Peter liege in dem Fall ohnehin nicht bei Ude, sondern bei seiner Verwaltung. "Die hat das Gebäude so herunterkommen lassen, nun muss sie Gas geben."

Auch Ude kritisiert seine eigene Verwaltung auf Facebook: "Aufgrund mehrjähriger Untätigkeit des Hausbesitzers (also der Stadt) macht das Haus mit der heruntergekommenen Balkonfassade und dem abblätternden Anstrich des Treppenhauses einen unansehnlichen Eindruck." Dies sei aber allein auf unterlassene Schönheitsreparaturen zurückzuführen. Es gebe für das Anwesen "keine Hinweise auf Baufälligkeit".