Die neue Schwabinger 7 Oh, Spelunke!

Ganz die Alte: Nach dem Abriss hat Wirt Manila die Absturzkneipe Schwabinger 7 einfach ein paar Häuser weiter neu eröffnet. Es ist genauso wie früher: lässig, dunkel, schmutzig und laut. Ein Besuch weit nach Mitternacht.

Von Lisa Sonnabend

Als die Münchner vor wenigen Monaten auf die Straße gingen und demonstrierten, um den Abriss der Schwabinger 7 in der Feilitzschstraße zu verhindern, wetterte Oberbürgermeister Christian Ude: "Es geht hier nicht um das kulturelle Schwabinger Zentrum, es geht um eine Saufkneipe in einer ehemaligen Baubaracke. Die hat auch ihren Charme, aber das sollte man nicht zur Schwabinger Kultur hochstilisieren." Diese Sätze kamen nicht gut an bei den Protestlern.

Doch im Nachhinein müssen die Protestler zugeben: Ude hat recht gehabt. Denn dass die Schwabinger 7 dem Erdboden gleich gemacht wurde, ist gar nicht so schlimm wie befürchtet. Wirt Manila hat nach dem Abriss kurzerhand seine Zweitkneipe Gummizelle, die ein paar Häuser weiter in der Feilitzschstraße steht, in Schwabinger 7 umbenannt. Und dort ist die Stimmung fast so gut wie im Original.

Die Schwabinger 7 war in einer der letzten Nachkriegsbaracken der Stadt untergebracht. Es war lässig, dunkel, ein wenig schmutzig und laut. Hier trafen sich diejenigen, die abstürzen wollten. Und genauso ist es auch in der neuen "Schwasi", wie das Lokal liebevoll von seinen Stammgästen genannt wird. Denn Manila hat einfach ein paar Gegenstände, die Atmosphäre und die Stammgäste aus der alten Schwabinger 7 mitgenommen.

Das Namensschild am alten Eingang wurde abmontiert und nun an der Hausnummer 15 angebracht. Auch in dem Nachfolgelokal gibt es keine Fenster, das Licht ist düster, gespielt wird vor allem Rock, Hard-Rock.

Auf den Tischen stehen auch in der neuen Schwabinger 7 Schnapsflaschen, die als Kerzenhalter fungieren und im Laufe des Abends immer mehr mit Wachs beträufelt werden. Die dunkel gestrichenen Wände sind noch zu erkennen, aber erste Sprüche und Liebesschwüre sind bereits eingeritzt worden.

Das Personal von früher nimmt Bestellungen auf und sogar die Getränkekarte ist aus der alten Schwabinger 7 mitgewandert. Die Preise sind günstig geblieben. 2,80 Euro für ein 0,5-Liter-Helles, das gibt es nicht mehr oft in München. Die bunten Lampen tauchen die Kneipe in ein düsteres Licht - auch sie gab es bereits in dem alten Lokal.

Auch die Szenen und Dramen, die sich hier Abend für Abend abspielen, sind bekannt: Ein nicht mehr ganz junger Gast stellt sich zu zwei jungen Frauen an die Theke und redet lange auf sie ein. Nach einer Weile haben die Frauen genug und gehen nach draußen. Der Mann dreht sich einfach um, sieht das nächste weibliche Wesen neben sich und meint: "Und nun zu dir!" Ein Stammgast lehnt alleine an der Wand, beobachtet das Geschehen - und wartet. Worauf? Das weiß wahrscheinlich nicht einmal er genau. Ein Pärchen unterhält sich so intensiv, dass es sich in wenigen Minuten küssen wird, wenn er ihr nicht noch gleich versehentlich das Bier über den Schoß schüttet oder irgendetwas anderes schief geht.

Vor 22 Uhr verirren sich weiterhin nur wenige Gäste in die Schwabinger 7, gegen Mitternacht wird es immer voller, bis die Stimmung schließlich am frühen Morgen ihren Höhepunkt erreicht. Die meisten gehen erst wieder die Treppenstufen hinauf ins Freie, wenn langsam hell wird.

Die Treppe in dem neuen Lokal ist allerdings ein wenig länger als zuvor - was ein Freund der Schwabinger-7-Fanseite auf Facebook folgendermaßen kommentiert: "Der Weg nach draußen ist immer so schwierig jetzt. Aber wenigstens kann man sich unterwegs zum Verschnaufen auf die Treppen setzen."

Die herrlichste Spelunke der Stadt - sie ist wieder auferstanden!

Schwabinger 7, Feilitzschstraße 15, 80802 München.

Lässig, dunkel und laut

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