Radsportler wollen selbst entscheiden, ob sie auf dem Radweg oder auf der Straße fahren.
Sport wird meist auf Trainingsplätzen, in Hallen oder im freien Gelände ausgeübt. Einzig die Radsportler sind bei Training wie Wettfahrten im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs. Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern bleiben da nicht aus. Für den Dachauer Radsportverein Soli Anlass, in einer Debatte mit Experten von Stadt, Polizei und Landratsamt klassische Streitpunkte zu diskutieren. "Denn über Rechte und Pflichten des Radsportlers führen wir immer wieder hitzige Debatten bei Clubabenden", eröffnete Soli-Vorstand Wolfgang Moll vor gut dreißig interessierten Teilnehmern die Veranstaltung im Thoma-Haus.
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Der lange Schatten der Radfahrer. Der Radsportverein Soli Dachau debattierte mit Stadt, Polizei und Landratsamt darüber, wann Radfahrer die Radwege benutzen müssen. Der Landkreis Dachau ist einer der verkehrsreichsten in Bayern, das erhöht auch die Gefahren für die Radsportler. (© Stadt Dachau)
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Wann müssen Radwege genutzt werden? Diese Frage beschäftigt sowohl Sport- als auch Freizeitradler und hat durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2010 neue Brisanz erhalten. Denn eine allgemeine Benutzungspflicht für Radwege gibt es seit 1998 nicht mehr, dennoch zwingen blaue Gebotsschilder Radler fast überall auf die vorhandenen Radwege. Die aber sind etwa auf dem Land oft erheblich verschmutzt, beklagte ein Diskussionsteilnehmer. Dann muss diese Strecken nicht befahren werden, bestätigte Richard Wacht, Verkehrsfachmann der Dachauer Polizeiinspektion. "Ein Problem vor allem im Herbst, das durch den Boom der Biogasanlagen zunimmt."
Debattiert wurde auch, ob Radwege für Rennradler überhaupt der geeignete Verkehrsraum sind. "Ich fühle mich auf der Straße viel sicherer", betonte Jörg Brucker, der eine Grundsatzdebatte forderte. "Wir hätten viele Probleme nicht, wenn Radler frei entscheiden könnten." Tatsächlich vollziehe sich ein Umbruch in der Stadt- und Verkehrsplanung, so Wacht. "Radler kehren zurück in den Straßenraum." Aber in Dachau als verkehrsreichstem Landkreis Bayerns bleiben Radfahrer an vielen Stellen auf einem separatem Weg "sicherer aufgehoben". Allerdings plant die Stadt nächstes Jahr alle Strecken abzufahren und von Fall zu Fall konkret zu entscheiden, "ob Gebotsschilder abmontiert werden", erläuterte Leiter des Ordnungsamts, Stefan Januschkowetz. Eine Verkehrsschau steht 2012 auch im Landkreis an. "Wir werden alle Radwege innerorts kritisch anschauen", so Karl-Heinz-Krem, Chef der Kreisverkehrsbehörde. Außerhalb von Ortschaften hält Krem Radwege aber stets für sicherer. Was ihm massive Kritik der Radsportler eintrug, die auch auf Landstraßen selbst entscheiden wollen. Ein weiterer Konfliktpunkt sind Radler-Gruppen auf Landstraßen. "Mehr als 15 Radfahrer dürfen einen Verband bilden und zu zweit nebeneinander fahren", bestätigte Januschkowetz. "Das wissen Autofahrer viel zu wenig", so Soli-Vorstand Wolfgang Moll.
Intensiv debattiert wurde die Genehmigungspraxis von Radsportveranstaltungen. Immer strengere Auflagen überforderten Vereine personell wie finanziell, beklagten Vertreter mehrerer Vereine im Landkreis. "Uns wird der Spaß vermiest, wenn wir unseren Sport nicht ausüben können, für den wir trainieren", sagte Klaus Weber, Jugendleiter von Forice 89. Doch Polizei-Verkehrsexperte Wacht bat eindringlich um Verständnis. Unfälle bei Rennen im fließenden Verkehr hätten zugenommen. Beim Karlsfelder Triathlon zählte die Polizei "vier Jahren hintereinander je einen Unfall". Ziel der Sicherheitsbehörden: "Rennen nur noch im abgesperrten Bereich." Soli-Vorstand Moll appellierte an die Sportkollegen, trotz des Aufwands Wettfahrten auch mit wenig Teilnehmern immer organisiert und angemeldet durchzuführen: "Sicherheit geht vor."
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(SZ vom 29.11.2011)
Frauen in Saudi-Arabien
Geht es wirklich um die Sicherheit von Radfahrern, wenn man ihnen Radwege zur Benutzung vorschreibt, diese dann aber verlottern lässt oder von vorneherein ungeeignet baut (Eis, Schnee, Laub, Schlaglöcher, zu geringe Breite...)? Natürlich nicht, es geht in dieser Diskussion - schon immer - um das möglichst "ungestörte" Vorankommen von Kraftfahrzeugen. Wie sonst könnte man verstehen, dass eine Verordnung (nämlich die StVO) seit mehr als 14 Jahren(!) in diesem Punkt nicht umgesetzt wurde? Daran haben weder viele, viele Urteile der Verwaltungsgerichte (das bekannteste letztes Jahr im November vom BVerwG) noch gar ein Beschluss des Bundesverfassungsgerichts(!) im Rahmen eines Verfahrens gegen eine Radwegbenutzungspflicht etwas geändert. Polizei und Ordnungsämter erwarten von den Verkehrsteilnehmern immer, dass sie sich an Recht und Gesetz halten, dabei sind ihnen verbindliche Verordnungenoffenbar völlig egal...
Achja: mit statistischen Methoden steht die Polizei offenbar neben München auch in Dachau auf Kriegsfuß: Unfälle mit Radfahrern im Längsverkehr sind schon innerorts sehr selten, außerorts umso mehr. Warum lässt man eigentlich in Deutschland Radrennsportlern nicht einfach das Wahlrecht, ob sie auf dem Radweg oder auf der Fahrbahn fahren wollen? In Österreich sieht die dortige StVO das so vor, und man hat noch nicht gehört, dass sämtliche Radsportler dort zu Tode gekommen seien. Aber leider hat man in unserem Lande ja mittlerweile den Eindruck, dass eher die Welt untergeht, als dass man diese unsägliche Radwegebenutzungspflicht einfach einmal abschafft. 14 Jahre lang haben die Straßenverkehrsbehörden bewiesen, dass sie die entsprechenden Regeln zum Ausschildern von Zwangsradwegen nicht beherrschen. Ich habe als Alltagsradler keine Lust mehr, noch einmal so lange zu warten, nur um festzustellen, dass ohne Klagen vor dem Verwaltungsgericht nichts passiert.