Kulturschranne Dachau Eine Hommage an Mister Slowhand

Eight-Ball-Band & Friends setzen der lebenden Legende Eric Clapton in der Kulturschranne ein Denkmal.

Von Bärbel Schäfer

- Jede Note, jedes gesungene Wort, jeder Griff an der Gitarre - "alles eins zu eins", versprach Percussionist Werner Rothe vor dem Konzert. Wer sich auf Tuchfühlung am Gitarren-Gott Eric Clapton misst, muss richtig gut sein, sonst wird es peinlich. 1992 nahm Clapton in den englischen Bray-Studios für "MTV Unplugged" ein rein akustisches Konzert auf, also ohne Keyboards, E-Gitarren und sonstiger elektronisch verstärkter Instrumente. Das einstündige Konzert wurde wegen seiner Intimität und beseligten Musikalität zur Inkunabel der Unplugged-Bewegung. Es ist eine wunderbare Zusammenstellung von 14 Welthits und weniger bekannten Stücken. Bis heute kann man die Live-Aufnahme auf You-Tube anhören.

Mit ihrem Projekt "Clapton unplugged" hat sich die Band nicht nur einen lang gehegten Wunsch erfüllt, sondern ihrem Publikum in der Kulturschranne einen Abend im siebten Blues-Rock-Balladen-Himmel beschert. Die fünfköpfige EightBall-Band ist in Dachau und der Region eine Größe, hat versierte Mitglieder und feierte vor zwei Jahren ihr 20-jähriges Bestehen. Mit ihrer "Acoustic-Guitar-Lounge" veranstaltet sie viel beachtete Auftritte. Ein Jahr lang hat sich der Kopf der Band Edin Cerovac (Gitarre, Gesang) mit Renato Parussini (Gitarre), Thomas Männlein (Bass), Werner Rothe (Percussion) und Klaus Josef (Schlagzeug) vorbereitet und wegen der geforderten Besetzung die Freunde und Kollegen Martin Off (Slideguitar), Simon Männlein (Piano), Germar Schlinzig (Mandoline, Bluesharp), Martina Mühlbauer und Marty Brogan (Gesang) zur Zusammenarbeit eingeladen. Der Musik der lebenden Legende möglichst nahezukommen, lautete der Auftrag.

Die signifikanten Licks von Slowhand Clapton herauszuhören, das Fingerpicking richtig zu setzen und vor allem die innige Stimmung spürbar zu machen, war eine Herausforderung. "Es klingt so leicht, ist aber sauschwer", sagte Drummer Klaus Josef in der Pause. Dass es schwer ist, glaubt man aufs Wort, doch man hört es nicht. Die Band erreichte die sich selbst gesetzte Messlatte völlig unangestrengt. Die Musik klang authentisch, der Gesang hatte die nötige Tiefe und Lebensweisheit. Mit dem Kabinettstückchen "Signe" für zwei Gitarren, das Clapton im Original mit Andy Fairweather-Low eingespielt hat, startete die "Unplugged"-Hommage. Frontmann Edin Cerovac und Renato Parussini zeigten sich mit fingerbrecherischer Technik als Herren der Saiten und legten enormes Feeling ins Spiel. "Before You Accuse Me", "Nobody Knows You When You're Down and Out" und "Running On Faith" waren eine wunderbare Verneigung vor der Genialität des Meisters. "Hey Hey" samtig gesungen und die Bluesnummern "Malted Milk" und "Alberta" mit fähigen Background-Sängerinnen Martina Mühlbauer und Marty Brogan. Ausdrucksvoll gespielt die unverzichtbare Bluesharp, die erdige Stimmung macht. Nicht nur die weiblichen Besucher schwelgten mit geschlossenen Augen bei Claptons berühmtestem Liebeslied "Layla". "Das war damals einfach eine geile Zeit", sagte eine Besucherin leicht wehmütig. In der anrührenden Ballade "Tears In Heaven" hat Clapton den Tod seines vierjährigen Sohnes Conor verarbeitet. Da war er ganz deutlich zu spüren - der Spirit, der bis heute fesselt. Nur einmal hielt sich die Band nicht an die strikte Vorgabe. Im letzten Song "Rollin' & Tumblin'" bauten die Sängerinnen den Refrain "After Midnight" ein. Clapton hätte als freiheitsliebender Künstler sicher nichts dagegen.

Bevor die Band sich ans Covern der "unangestöpselten" Musik machte, spielte sie lässig-coole Clapton-Hits wie "I shot the Sheriff" und "Cocaine" und zeigte Experimentierfreude. Das Publikum war hingerissen. Was könnte nach so einem Konzert als Zugabe besser passen als ein schmelzendes "Wonderful Tonight"? Tosender Applaus. Falls sich jemand in den Blues-Himmel sehnt: Am 15. Februar treten "Eight-Ball-Band & Friends" im Münchner Schlachthof auf.