Hebertshausen. Hakenkreuz vor einem Mahnmal

Neonazis schänden den Gedenkort "SS-Schießplatz Hebertshausen". Erst vor drei Wochen war er feierlich eingeweiht worden.

Von Helmut Zeller

Drei Wochen nach der Eröffnung der "Gedenkstätte SS-Schießplatz" in Dachau haben offenbar Neonazis den Gedenkort geschändet. Die Täter kamen, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord jetzt mitteilte, in der Nacht von Donnerstag bis Freitagmittag. Vor einem Gedenkstein legten sie Fichtenzapfen zu einem Hakenkreuz aus, formten SS-Runen und die Buchstaben A.H. Die Staatsschützer der Kripo Fürstenfeldbruck haben die Ermittlungen übernommen. Doch noch fehlt jede Spur zu den Tätern.

Am 2. Mai wurde die Gedenkstätte am ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen feierlich eingeweiht. Der russische Botschafter und sein Kollege aus Weißrussland nahmen an dem Gedenkakt teil, der auf ein großes internationales Presseecho stieß. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurden kriegsgefangene Soldaten der Roten Armee an dem Ort völkerrechtswidrig erschossen. Die Lager-SS ermordete in den Jahren 1941 und 1942 mehr als viertausend Sowjetsoldaten auf dem "SS-Schießplatz".

Einen konkreten Verdacht hätten die Ermittler noch nicht, sagte Jürgen Weigert, Sprecher des Polizeipräsidiums, der Süddeutschen Zeitung. Es könne auch ein dummer Jungenstreich gewesen sein. Aber man nehme die Sache sehr ernst und vermute an diesem Ort doch eher einen rechtsextremen Hintergrund der Tat. Eine Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau hatte am Freitagmittag die Nazisymbole entdeckt und sofort die Polizei eingeschaltet. Die Täter müssen der Polizei zufolge die Fichtenzapfen in der Zeit zwischen Donnerstag, 22 Uhr, und Freitagmittag ausgelegt haben. Die Kripo hofft nun auf Zeugen, denen ein Auto oder verdächtige Personen aufgefallen sind. Wer Hinweise geben kann, soll sich an die Kripo Fürstenfeldbruck unter der Telefonnummer 08141/16 120 wenden.