Dringlichkeitsantrag Mängel in KZ-Gedenkstätte sollen rasch behoben werden

Schautafeln der ständigen Ausstellung in der Gedenkstätte sind teilweise nicht mehr lesbar.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Präsident Karl Freller versichert, die Schäden an Gebäude und Ausstellung größtenteils noch bis zur Befreiungsfeier am 1. Mai beseitigen zu lassen

Von Wolfgang Eitler, Dachau/München

Karl Freller, Präsident der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, hat die Kritik des SPD-Landtagsabgeordneten Martin Güll am Zustand der KZ-Gedenkstätte Dachau im Bildungsausschuss des Landtags am Donnerstag in vollem Umfang bestätigt. Zudem versicherte er, die Schäden sowohl an den Gebäuden als auch in der ständigen Ausstellung größtenteils noch bis zu den Befreiungsfeierlichkeiten am Sonntag, 1. Mai, beheben zu lassen. "Aber es geht nicht alles", sagte er der SZ.

Zusätzlich teilte Karl Freller mit, dass das Bayerische Kultusministerium und die Stiftung den maroden Parkplatz der Dachauer Gedenkstätte in den nächsten drei Jahren sanieren und neu gestalten werden: "Der Minister (Anm. d. Red. Kultusminister Ludwig Spaenle, CSU) hat mir zugesagt, die nötigen 4,5 Millionen Euro in den Entwurf des Doppelhaushalts 2017/2018 aufzunehmen." Freller zeigte sich überzeugt, dass die Zustimmung des Landtags nur eine "Formalie" darstellt. Er ist selbst Mitglied der CSU-Fraktion.

"Die KZ-Gedenkstätte befindet sich in einem sehr schlechten Zustand"

Einen Tag vor der Sitzung des Bildungsausschusses am Donnerstag hatte dessen Vorsitzender, der Dachauer Landtagsabgeordnete Martin Güll, in einem Dringlichkeitsantrag die Mängel an Gebäuden und Ausstellung der Gedenkstätte aufgelistet. Er fand bei einem Rundgang unleserliche Schrifttafeln, kaputte Teile an Gebäuden, und er monierte den Parkplatz mit zahlreichen Schlaglöchern. Güll schrieb: "Die KZ-Gedenkstätte befindet sich in einem sehr schlechten Zustand." Der konterkariere alle Bildungsziele zur Geschichte des Nationalsozialismus. Auch bei Besuchern aus dem Ausland könnte ein falsches Bild über den Umgang Bayerns mit dem Gedenken an die NS-Opfer entstehen. Seiner Ansicht nach entspricht das Ausstellungskonzept des Hauses der Bayerischen Geschichte aus dem Jahr 2003 nicht mehr den heute gültigen wissenschaftlichen Standards. Außerdem monierte Güll die schlechte Bezahlung des Personals, die den Leistungen und Qualifikationen nicht entspricht. Schließlich müssten zusätzliche Stellen geschaffen werden.

In diesem Zusammenhang kritisierte Freller den Bund, der sich die Personalkosten mit dem Freistaat teilt und bekanntlich seinen Anteil sogar um zehn Prozent gekürzt hat. Gleichwohl hält der Präsident der Gedenkstättenstiftung mehr Personal für erforderlich. Denn die Zahl der Besucher habe seit der letzten offiziellen Zählung 2007 (700 000) die Millionengrenze "weit überschritten". Freller verwies im SZ-Gespräch am Donnerstag zwar darauf, dass üblicherweise das Haltbarkeitsdatum von historischen Dokumentationen bei 20 Jahren liegen sollte, merkte aber an: "Die Ausstellung ist in keinem besonderen Zustand. "Es wird eine Neukonzeption geben." Den Zeitpunkt dafür ließ er offen.

Güll zieht Dringlichkeitsantrag im Ausschuss zurück

Freller kritisierte Martin Güll für dessen Vorgehensweise. Dass der Bildungsexperte der SPD gleich mit einem Dringlichkeitsantrag reagierte, hält er politisch für unangemessen. "Mit solchen Maßnahmen kommt man, wenn es beispielsweise um die Brenner-Autobahn geht", sagte er. Er hätte sich gewünscht, dass Güll mit ihm Kontakt aufgenommen hätte.

Der SPD-Landtagsabgeordnete ist gegenteiliger Meinung: "Es hat sowohl die mediale Aufmerksamkeit als auch die Vorgehensweise im Landtag gebraucht." Sonst wäre nichts geschehen, ist sich Güll sicher. Denn die Mängel seien seit Jahren hinlänglich bekannt. Den Dringlichkeitsantrag zog Güll im Bildungsausschuss zurück, nachdem Freller und die SPD sich darauf geeinigt hatten, dass die Stiftung Bayerischer Gedenkstätten am Donnerstag, 12. Mai, dem Bildungsausschuss des Landtags berichtet, welche Mängel in Dachau behoben wurden.