Dachau: Theater im Regen "Super Publikum"

Währenddessen regnet es ohne Unterlass, aber die Zuschauer halten aus, applaudieren und ziehen sich zur Pause in den benachbarten Zieglerbäu zurück. "Wunderbar", heißt es dort. Niemand stöhnt wegen des Wetters. Einige trinken ein Glas Glühwein mitten im Juli. Keiner will nach Hause, alle wollen den zweiten Teil mit der Selbstentlarvung des Richters als Täter erleben. Plötzlich tritt der "Bediente" Hans Kron auf und teilt lautstark mit, dass die Aufführung beendet ist. Denn die Lichtanlage hält dem Dauerregen nicht mehr stand. Die Toningenieure sorgen sich um ihre empfindliche Anlage für Headsets der Schauspieler. "Schade" heißt es. "Da ist es wochenlang schön, und immer am Wochenende wird's schlecht."

Derweilen wissen Schauspieler, Regisseure und Produktionsleitung (Nicole Campe) nicht so recht, wie sie sich fühlen sollen. Enttäuscht? Eigentlich nicht, bei dem "super Publikum" (Tobias Schneider). "Wir haben alles gegeben", sagt Karen Breece. Die erfahrene Schauspielerin Henny Lock-Ostermann findet den richtigen Ton: "Wie ich in die regennassen Gesichter gesehen habe, wie sich die Zuschauer das Wasser abgewischt haben und trotzdem gelacht haben, da kann man als Schauspieler nur weitermachen."

Eine größere Bestätigung für die Schauspieler von der Theatergruppe am Stadtwald, der Ludwig-Thoma-Gemeinde und den Etzahausa Theatara kann es nicht geben. Dachau hat anscheinend ein Stammpublikum - nimmt man die Kartenverkäufe für die beiden weiteren geplanten Aufführungen hinzu - von etwa 800 bis 1000 Theaterbegeisterten, die sich für solche Inszenierungen erwärmen. Deshalb verstärkt sich bei Regisseurin Karen Breece das Gefühl, man kann schon sagen, die Zuversicht, dass in dieser Stadt noch sehr viel mehr möglich ist. Vor allem mit dem Kern dieser Schauspielergruppe um Ingrid Zellner, Henny Lock-Ostermann, René Rastelli oder Markus Kurbanoglu. Und, wie Breece hinzufügt, "noch vielen anderen".

Außerdem geht es, literarisch gesehen, nicht anspruchsvoller, als Kleist mit seiner Sprache und dem eigentümlichen Rhythmus zu inszenieren. Auf einer kargen Bühne konzentriert sich Kareen Breece auf die Figuren, die sie mittels mit einer klugen Lichtregie dezent hervorhebt. Sie erzählt die Geschichte des zerbrochenen Krugs in klar umrissenen lebenden Bildern, so wie sie zur Kleists Zeit die höfische Gesellschaft gerne zur Unterhaltung bildete. Goethe, der übrigens die Uraufführung des Lustspiels in seinem Reformtehater gehörig in den Sand setzte, war ein großer Freund dieser Spielart. Unvermittelt drehen sich die Figuren auf der Bühne in eine Richtung, verrenken regelrecht ihre Körper, als wäre von dort ein bedeutendes Ereignis zu erwarten.

Am heutigen Sonntag soll das Stück in voller Länge aufgeführt werden - wenn das Wetter mitspielt, wovon in Dachau alle ausgehen. Kulturamtsleiter Schneider meldet: "Die Aufführungen am Freitag, 23., und Samstag, 24. Juli, aufgrund von Starkregen abgesagt und am Samstag in der Pause abgebrochen, werden Freitag, 30. und Samstag, 31. Juli nachgeholt. Sollte es wieder regnen, werden die Aufführungen in das Ludwig-Thoma-Haus verlegt." Weitere Karten in der Tourist Information (08131/75287).