Am ursprünglichen Platz bleibt die Rekonstruktion Das KZ-Tor kommt in eine Vitrine

Mitarbeiter einer Kunsttransportfirma bringen die schmiedeeiserne, 100 Kilogramm schwere KZ-Tür am 22. Februar dieses Jahres nach Dachau zurück.

(Foto: Toni Heigl)

Zweieinhalb Jahre nach seinem Diebstahl wird das historische Relikt jetzt im Museum der Dachauer Gedenkstätte präsentiert

Von Helmut Zeller, Dachau

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Diebstahl des KZ-Tors in der Gedenkstätte Dachau findet eine Geschichte ein Ende, die weltweit Empörung ausgelöst und viele Fragen aufgeworfen hat. Das historische Relikt, zentrales Symbol des Leidenswegs der Dachauer KZ-Häftlinge, wird am Donnerstag, 27. Juli, in der Dauerausstellung für die Gedenkstättenbesucher präsentiert. Die KZ-Tür mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei" steht in einer Vitrine. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), Karl Freller (CSU), Direktor der bayerischen Gedenkstättenstiftung, und die Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann enthüllen die Vitrine. Auch Jean-Michel Thomas, Präsident des Internationalen Dachaukomitees (CID) und sein Vize Abba Naor, Holocaust-Überlebender aus Israel, kommen nach Dachau.

In der Nacht zum 2. November 2014 wurde die Schlupftür aus dem Durchgang des historischen Jourhauses ausgehebelt und gestohlen. Das Tor tauchte Anfang Dezember 2016 in Norwegen auf. Ein anonymer Anrufer gab der Polizei in Bergen den Tipp, dass es unter einer Plastikplane auf einem Parkplatz nahe der norwegischen Küstenstadt liegt. Die Beamten stellten das Eisentor sicher. Ein Kunsttransporter brachte das historische Relikt im Februar dieses Jahres nach Dachau zurück.

Auf die Tat, der bislang schwerste Angriff in der KZ-Gedenkstätte auf die Erinnerung, reagierten Überlebendeverbände und Politiker in Europa, den USA und Israel mit Entsetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte eine rasche Aufklärung. Von den Tätern fehlt jedoch bis heute trotz intensiver internationaler Fahndung jede Spur. Auch die Identität des anonymen Anrufers in Norwegen konnte nicht festgestellt werden. Denkbar wäre der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck zufolge, dass ein Sammler von Nazidevotionalien hinter dem Diebstahl stand. Wenn überhaupt, wird sich die Tat nur durch einen Zufall aufklären lassen.

Material hat durch den Diebstahl stark gelitten

Das stark verrostete Original - die zynische Aufschrift "Arbeit macht frei" ist ein Duplikat - wurde restauriert und kommt nun ins Museum. Es wird, wie die KZ-Gedenkstätte Dachau mitteilte, in einer alarmgesicherten Vitrine zu sehen sein, die in das Sicherheitskonzept der Gedenkstätte integriert wird und mit einem Text zur Geschichte dieses wichtigen Objekts versehen ist. Die KZ-Tor wird aber auch deshalb in der Dauerausstellung untergebracht, weil das Material durch den Diebstahl sehr gelitten hat. Am ursprünglichen Platz des Tors befindet sich eine Rekonstruktion, die der Biberbacher Kunstschmied Michael Poitner angefertigt und eingehängt hat.

Der Diebstahl löste eine Diskussion über die Sicherheit von Gedenkstätten in Bayern aus. In der Stiftung wurde mit Polizei und anderen Experten über ein Sicherheitskonzept diskutiert, unter anderem waren eine Kameraüberwachung und eine Verstärkung des privaten Wachdienstes im Gespräch. Wie von Erika Tesař , Büroleiterin der Stiftung, zu erfahren war, "sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden". Details wollte sie nicht nennen, um potenziellen Dieben keine Anhaltspunkte zu geben.