CSU-Kandidat Josef Schmid Der nette Kandidat

Josef Schmid tourt mit einem alten VW-Bus durch alle Stadtviertel. Sein "Schmidsprechen" gilt auch beim politischen Gegner als professionell.

(Foto: Florian Peljak)

Mal schmäht jemand Schwule und Lesben als "schrille Minderheit", mal stören alte Law-and-Order-Töne und jetzt auch noch die Gehälter-Affäre: Josef Schmid hat es im OB-Wahlkampf nicht leicht, die CSU in München als Großstadtpartei zu präsentieren. Er setzt auf liberale Töne. Doch das ist nicht allen in seiner Partei aggressiv genug.

Von Dominik Hutter

An dem Thema kommt derzeit kein Christsozialer vorbei. Auch Josef Schmid nicht, obwohl der Münchner OB-Kandidat gar nichts dafür kann. Schmid reicht das Mikrofon ins Publikum. An einen Mann, der nun vor versammelter Zuhörerschaft eine Lanze brechen will für die arme Partei, die wegen der Verwandten-Affäre zu Unrecht so beschimpft worden sei.

"Ich würde doch auch meine Frau anstellen", betont der Redner - die sei schließlich die zuverlässigste Geheimnisträgerin. Schmid sagt nichts dazu. Er weiß, dass mit einer Nix-gewesen-Haltung derzeit kein Blumentopf zu gewinnen ist. Auch wenn sie an der Münchner Parteibasis durchaus verbreitet ist.

Aber im Moment ist eher Demut gefragt. Diese Rolle übernimmt Ludwig Spaenle, der gerade erst seiner als Sekretärin angestellten Ehefrau kündigen musste. Der Minister schnappt sich das Mikrofon. "Es war nicht angemessen, was ich gemacht habe", erklärt er in ruhigem Tonfall. "Ich habe die Situation nicht richtig eingeschätzt." Münchens CSU-Chef gibt sich zerknirscht an diesem Abend, wirkt zurückhaltender als sonst. Aber vielleicht täuscht der Eindruck auch. Das Publikum, überwiegend CSU-Mitglieder oder -Sympathisanten, scheint ihm den Fehltritt jedenfalls nicht übel zu nehmen.

Auch zwischen Spaenle und Schmid knirscht es nicht. Die beiden so unterschiedlichen Typen, denen immer wieder ein Konkurrenzverhältnis nachgesagt wird, scheinen sich gut aneinander gewöhnt zu haben. Da ist dann auch einmal ein Spruch über den grellgemusterten Minister-Schlips drin. "Hässliche Krawatten sind ja wieder in", frotzelt Schmid.

Der OB-Kandidat, derzeit auf Wahlkampftour durch alle Stadtbezirke, ist es gewohnt, dass ihm die eigene Partei Steine in den Weg legt. Mal schmäht jemand Schwule und Lesben als "schrille Minderheit", mal stören alte Law-and-Order-Töne die gewünschte Neuausrichtung als moderne Großstadtpartei.

Schmid, der Liberale, hält nichts von scharfen Tönen, und schon gar nichts von rechtslastigen. Er findet das Ehegattensplitting überholt, engagiert sich vehement für den Bau einer Moschee, hat keine Probleme mit der Homo-Ehe und kämpft gemeinsam mit seinen Konkurrenten von SPD und Grünen für den "Isarboulevard". Also für eine temporäre Straßensperrung. Im Rathaus gilt Schmid als netter, umgänglicher Kollege. Zu nett, wie manche finden - gelegentlich leidet der Kandidat unter Beißhemmung. Ein Polter-Wahlkampf ist mit Schmid jedenfalls nicht zu erwarten.