Comeback an der LMU Schavan in den Hochschulrat gewählt

Ihr wurde wegen Täuschung der Doktortitel entzogen, trotzdem wählt die Ludwig-Maximilians-Universität die ehemalige Bildungsministerin Annette Schavan in den Hochschulrat. Uni-Präsident Huber verteidigt die Personalie.

Von Sebastian Krass

Trotz des entzogenen Doktortitels wegen Plagiatsvorwürfen hat die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in den Hochschulrat der größten deutschen Universität berufen. Zwar hatte es Vorbehalte gegen den Vorschlag von LMU-Präsident Bernd Huber gegeben, letztlich stimmte der Senat der LMU, der die Hälfte des Hochschulrats stellt, aber einstimmig zu. Das bayerische Wissenschaftsministerium hatte schon vorher grünes Licht gegeben. Die Landtags-SPD kritisiert die Personalie scharf.

Schavan war im Februar von ihrem Ministerposten zurückgetreten, nachdem die Universität Düsseldorf ihr den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel wegen "vorsätzlicher Täuschung" entzogen hatte. Die Politikerin, die just wieder in den Bundestag gewählt wurde, hat stets bestritten, getäuscht zu haben und klagt vor dem Verwaltungsgericht gegen den Entzug des Titels.

"Frau Schavan ist eine der erfahrensten Wissenschaftspolitikerinnen in Deutschland. Sie ist national und international vernetzt", sagt LMU-Präsident Huber. "Ich bin sehr froh, dass wir künftig von ihrer Expertise profitieren." Vertreter aus der Bildungspolitik gab es bisher nicht im "zentralen Aufsichts- und Entscheidungsgremium", wie die LMU selbst den Hochschulrat beschreibt. Zur Frage, ob er ein Problem darin sehe, dass Schavan der Doktortitel entzogen wurde, sagt Huber: "Das diskutiere ich in der Öffentlichkeit nicht." Es gebe schließlich ein "laufendes Gerichtsverfahren". Wie es um die Glaubwürdigkeit der LMU in einem künftigen Plagiatsfall bestellt wäre, will Huber nicht bewerten: "Das Leben hat so viele Risiken und so viele Fragen", das sei jetzt kein Thema.

Martin Hose, Professor für griechische Philologie und Vorsitzender des Senats, verweist ebenfalls darauf, dass der Ausgang des Rechtsstreits offen sei. Deshalb sehe er bei dem Thema auch "vorläufig kein Problem". Zu der Frage, ob man Konsequenzen ziehen müsse, wenn Schavan vor Gericht unterliegen sollte, will Hose sich nicht äußern. Das seien Spekulationen. Er bestätigt, dass es Diskussionen gegeben habe, ob Schavan für den Posten geeignet sei. Aber man sei "einhellig" zum bekannten Ergebnis gekommen. Das sei kein Automatismus gewesen, betont er: "Wir sind keine Konsensmaschine."