Chemische Drogen auf dem Vormarsch Halluzinationen, Psychosen, Verfolgungswahn - und alles legal

Sogenannte Badesalze sehen manchmal aus wie Crystal Meth, sind aber in München weiter verbreitet - und kommen direkt aus dem Club oder Internet.

(Foto: Philip Lisowski/VISUM)

Sie werden als "Badesalz" und rein zu "Forschungszwecken" verkauft, diskret verpackt und per Post verschickt. Neue chemische Drogen erfreuen sich in der Partyszene steigender Beliebtheit, erworben werden sie meist legal. In München sind sie besonders verbreitet.

Von Florian Fuchs

Die Webseite des Anbieters, der in Kopenhagen angesiedelt ist, sieht professionell aus. Welchen Stoff man auch kaufen will, oben links zeigt ein Schaubild die chemische Struktur, rechts daneben sind das Molekulargewicht angegeben und sonstige Formeln, die allenfalls ein Chemiker zu entschlüsseln wüsste. Man kann auf dieser Webseite Drogen kaufen, aber getarnt ist die Plattform als Forschungsgemeinschaft.

Wer sich etwa für Methoxetamine interessiert, einen Ketamin-Ersatzstoff, der unter anderem optische und akustische Halluzinationen auslöst, der bekommt hier eine Fünf-Gramm-Probepackung genauso wie einen 500-Gramm-Beutel. Diskret verpackt, per Post geliefert. Aber natürlich nicht für den Eigengebrauch, sondern nur zu Forschungszwecken, so steht es im Kleingedruckten. Es soll ja einen legalen Anstrich haben. Vormalige Käufer geben auf der Seite Bewertungen ab. "Die Mäuse zeigen selbst nach mehrmaliger Dosis keine Anzeichen eines Katers", schreibt einer.

Die chemische Verbindung ist oft nicht strafbar

Mäuse haben den Stoff natürlich nie verabreicht bekommen, eine wissenschaftliche Forschungsgemeinschaft gibt es auch nicht. Bei dem dänischen Anbieter kann man genauso wie bei zahlreichen anderen Produzenten, die mit wenigen Klicks leicht über Suchmaschinen zu finden sind, nicht nur Methoxetamine kaufen, sondern zahlreiche andere sogenannte research chemicals, übersetzt: Forschungschemikalien.

Dazu zählen neben Methoxetamine auch Stoffe wie Mephedron oder MDPV (siehe Interview). Seit wenigen Jahren sind diese psychoaktiven Drogen vor allem in der Partyszene verbreitet. Sie werden als Badesalze oder Pflanzendünger verkauft und können von der Polizei teilweise nicht einmal richtig verfolgt werden. Die Pillen oder Pulver sind oft so zusammengesetzt, dass die chemische Verbindung nicht strafbar ist. Reagiert der Gesetzgeber, wird die Zusammensetzung minimal verändert: Schon laufen die Sicherheitsbehörden wieder hinterher.

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Während im restlichen Bayern, gerade im Grenzraum zu Tschechien, Crystal Meth der Verkaufsschlager ist, sind in München die Partydrogen ein stetig wachsendes Problem. "Das Crystal von München ist das Badesalz", sagt Klaus Fuhrmann, der beim sozialen Träger Condrobs in der Suchthilfe arbeitet.

Vor etwa drei Jahren waren sich Fuhrmann und sein Kollege Olaf Ostermann nicht sicher, ob es sich bei den research chemicals nur um eine Modeerscheinung handelt. Inzwischen sind sie überzeugt: "Das wird bleiben." In den Münchner Kontaktläden, in denen Drogensüchtige beraten und substituiert werden, versuchen die Mitarbeiter von Condrobs in Gesprächen zu verstehen, warum ihre Klienten die Drogen nehmen. Und natürlich versuchen sie davor zu warnen.

Die Frauen und Männer, die zur Suchthilfe kommen, sind meist von Heroin abhängig. Weil die Substitutionsmittel zwar das Suchtgefühl dämpfen, aber ansonsten stark sedieren, nehmen einige als Beikonsum die sogenannten Badesalze. "Es kommt immer auf den Stoff an, den man nimmt", sagt Ostermann, "aber viele der Zusammensetzungen knallen richtig rein: Sie machen aktiv, gesellig, gesprächig, auch sexuell aktiv".