Bürgerentscheid zu Olympiabewerbung München sollte es wagen

Noch einmal? Die Olympische Flamme in München 1972.

(Foto: )

Die Bürger entscheiden am Sonntag, ob sich München für die Olympischen Spiele 2022 bewirbt. Bisher bestimmten Krämerseelen und Besserwisser die Diskussion - dabei räumen selbst Gegner ein, dass es bei dieser Bewerbung schwächere Gegenargumente gibt als beim letzten Mal. München und Bayern könnten dem IOC zeigen, wie die Spiele der Zukunft aussehen.

Ein Kommentar von Christian Krügel

Mit einem Mal war dieses Land ein anderes. Eben noch galten die Deutschen als sauertöpfische Kleinbürger, und dann tanzten sie plötzlich ausgelassen auf den Straßen und feierten rauschende Fußballnächte gemeinsam mit Brasilianern, Italienern und selbst mit Engländern.

Die Fußball-Weltmeisterschaft machte aus dem spießigen Deutschland für einige Wochen ein einig Partyland. Mehr noch: Sie zauberte eine Aufbruchstimmung, die weit über den Sommer 2006 anhielt und über die Grenzen hinaus ausstrahlte. Die Welt staunte, wie weltoffen und tolerant die Deutschen als Gastgeber sein konnten - jene Deutschen, die man als missmutige und verklemmte Kritikaster zu kennen glaubte.

Sieben Jahre später entscheiden die Bürger in München und Oberbayern an diesem Sonntag, ob sie wieder Gastgeber für die Welt sein wollen, diesmal bei den Olympischen Winterspielen 2022. Doch vom Zauber jenes Sommers ist nichts mehr zu spüren: Keine Spur von Aufbruchstimmung beseelt das Land, keine freudige Erwartung auf Spiel, Spaß und neue Freunde ist am Alpenrand zu spüren, keine Lust, erneut Gastgeber mit kühnen Ideen und Mut zum Risiko zu sein.

Umfrage zur Münchner Bewerbung So denken Sie über Olympia 2022

Münchens Olympia-Bewerbung für 2022 ist umstritten - wie sehr, zeigt eine Internet-Umfrage von SZ.de kurz vor den Bürgerentscheiden. Mehr als 13.000 Stimmen gingen ein, sie sind nicht repräsentativ, aber doch aufschlussreich.

Stattdessen bestimmen Krämerseelen und Besserwisser die Diskussion. Sie rechnen vor, welche Schäden das Spektakel Staatskasse und Natur zufügen könnte, und klagen an, wie verrucht der zwangsläufige Geschäftspartner, das Internationale Olympische Komitee (IOC), ist.

Und so droht die Idee, in Deutschland endlich nach 1972 wieder Olympische Spiele auszutragen, an der Mischung aus Desinteresse und politisch-korrekter Verweigerungshaltung zu scheitern. In den Städten München und Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land dürfen die Bürger am Sonntag über den Traum von Olympia 2022 entscheiden - siegen in nur einer Kommune oder einem Kreis die Gegner, ist er für alle geplatzt.

Spektakel für das junge Großstadtpublikum

Dabei räumen selbst viele Olympia-Gegner ein, dass es diesmal deutlich schwächere Argumente gegen eine Münchner Bewerbung gibt als bei dem gescheiterten Versuch für die Spiele 2018. Damals wollten die Olympia-Planer halb Garmisch-Partenkirchen nebst umliegender Berge umbauen, ein Langlaufzentrum aus der Retorte ins Voralpenland setzen und alle relevanten Wettbewerbe weit außerhalb Münchens stattfinden lassen. Zu Recht regten sich damals viele über ein Konzept auf, das ohne Rücksicht auf Menschen und Natur gemacht worden war.

Bürgerentscheide zu Olympia "Bei uns, da wird es eng"

Vor den Bürgerentscheiden über die Olympiabewerbung für 2022 ist vor allem in Traunstein und im Berchtesgadener Land die Stimmung diffus. Die Befürworter stecken plötzlich in einem hart geführten Wahlkampf und so muss jeder prominente Befürworter ran - auch der Ex-Fußballer Breitner.

Daraus haben die Organisatoren der Bewerbung gelernt und eine Idee zur Abstimmung vorgelegt, die nichts mit dem betonierten Gigantismus zu tun hat, der die kommenden Spiele von Sotschi prägt. Auf Neubauten soll in Oberbayern weitgehend verzichtet werden, dafür sollen die Sportler Wettkampfstätten in traditionellen Wintersportorten wie Ruhpolding, Königssee oder Garmisch nutzen.

Und im Münchner Olympiapark von 1972 soll mit Sportarten wie Freestyle ein Spektakel für das junge Großstadtpublikum geboten werden. Die Spiele 2022 könnten so zum Vorbild werden, wie man ein sportliches Großereignis in Zukunft organisieren muss: mit dem geringstmöglichen ökologischen und ökonomischen Aufwand, aber mit größtmöglichem Spaß.