BR-Chefdirigent Jansons zu Konzertsaal: "Das ist ein fantastisches Geschenk"

Mariss Jansons, 72, leitet seit 2003 das BR-Symphonieorchester. Sein Vertrag läuft bis zum Jahr 2021. Bis dahin soll auch der neue Konzertsaal im Werksviertel stehen.

(Foto: Dieter Nagl / Getty Images)

Der Chefdirigent des BR-Orchesters Mariss Jansons kämpft seit 2003 für ein neues Konzerthaus. Richtig euphorisch ist er aber auch nach der Entscheidung nicht.

Interview von Christian Krügel

Seit seinem Amtsantritt als Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters im Jahr 2003 hat Mariss Jansons, 72, für ein neues Konzerthaus und einen eigenen Saal für sein Orchester gekämpft. Der Lette verhandelte mit drei Ministerpräsidenten und mehreren Kultusministern, wurde oft vertröstet und enttäuscht, ließ aber nicht locker. Nun hat die Staatsregierung entschieden, ein Konzerthaus im Werksviertel zu bauen. Für Mariss Jansons ist das Votum ein später Sieg, von dem er fernab im Urlaub erfährt. Dort bereitet er sich gerade auf das Neujahrskonzert mit den Wiener Philharmonikern vor.

SZ: Haben Sie die Entscheidung für einen Konzertsaal im Werksviertel gefeiert?

Mariss Jansons: Ich habe beim Abendessen mit meiner Frau einen kleinen Toast gesprochen und wir haben angestoßen, mehr nicht. Natürlich sind das sehr gute Nachrichten, auch wenn ich immer für den Finanzgarten als Standort war. Aber in der jetzigen Situation ist das die richtige Entscheidung, weil München im Werksviertel einen großartigen Saal bekommen kann. Das ist ein fantastisches Geschenk, mit dem sich das Musikleben der Stadt ganz neu entwickeln wird. Der Beschluss ist allerdings auch noch kein Grund, in Euphorie zu verfallen.

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Sie sind immer noch skeptisch?

Nein, nicht skeptisch. Aber sehen Sie: Wir haben zehn Jahre für diesen Saal gekämpft, wir haben so viele Gespräche geführt und so viele Enttäuschungen erlebt - da möchte ich einfach, dass jetzt, da wir den Beschluss haben, auch etwas vorangeht. Wichtige Entscheidungen über das Verfahren, die Pläne, die Architektur müssen vorangetrieben werden. Es wäre fatal, jetzt zu sagen: "Wir haben einen Beschluss, jetzt können wir uns wieder Zeit lassen." Dann haben wir noch 2025 kein neues Konzerthaus. Und es dürfen keine Fehler gemacht werden.

Welche Fehler können denn noch gemacht werden?

Das Wichtigste ist, dass wir einen erstklassigen Saal mit einer erstklassigen Akustik bekommen. Dafür braucht es die besten Kräfte, die hier mitarbeiten. Ich würde mir eine Person oder eine kleine Gruppe wünschen, die alles in die Hand nimmt und das Wissen der Experten sammelt. Natürlich wünsche ich mir, dass man dabei auch unser Orchester hört. Wir haben so viel Erfahrung, wir wollen sie wirklich einbringen, damit das ein großartiges Haus wird.

Welche Pläne haben Sie und das Orchester schon jetzt für dieses Haus?

Damit beschäftigen wir uns noch nicht. Denn jetzt ist wichtig, dass alles gelingt. Dann ist vieles möglich, viel mehr Jugend- und Bildungsprogramme zum Beispiel, neue Angebote für junges Publikum. Aber bis zur Fertigstellung ist es noch ein langer Weg.

Das heißt, Sie sehen Ihre "Mission Konzertsaal" noch nicht als beendet an.

Es geht nicht um mich. Ich weiß nicht, ob ich noch Chefdirigent bin, wenn der Saal fertig ist und eröffnet wird. Das ist aber auch nicht wichtig. Dieses Konzerthaus soll ein Geschenk für die Zukunft sein, an mein Orchester und an die Stadt München und alle Musikfreunde. Das müssen wir schaffen.

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