Betrug Frau bezieht Sozialhilfe und lebt in Luxuswohnung

  • Die gelernte Goldschmiedemeisterin platzierte Vitrinen in mehreren kleinen Hotels, wo sie Schmuck zum Verkauf anbot.
  • Ihr war eigentlich untersagt worden, einen Betrieb zu unterhalten.
Von Susi Wimmer

Das Haus kann man getrost als Stadtvilla bezeichnen: weißer Gartenzaun, goldgelber Anstrich, ausladend großes Gebäude und ein Balkönchen auf dem Erker im ersten Stock. Nicht unbedingt das Ambiente, in dem man eine Sozialhilfeempfängerin vermuten würde.

Doch hier residiert eine 64 Jahre alte Münchnerin, die mit ihrem Juweliergeschäft monatlich satte Verdienste einstrich - und nebenbei noch Sozialhilfe abkassierte. Die Polizei nahm die mutmaßliche Betrügerin vergangenen Donnerstag in ihrer Luxuswohnung fest.

Eigentlich hatten die Beamten mit der Frau wegen eines anderen Falles Kontakt. Es ging um ein Eigentumsdelikt, die Frau war nicht als Beschuldigte geladen, aber es ergaben sich bei ihrer Befragung etliche Ungereimtheiten, die den Ermittlern komisch vorkamen. So begannen sie, das Leben der verwitweten Frau etwas zu durchleuchten.

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Zum einen fanden sie heraus, dass die Frau ein Juweliergeschäft betreibt, das monatlich ein paar Tausend Euro abwirft. Die gelernte Goldschmiedemeisterin platzierte Vitrinen in mehreren kleinen Hotels, wo sie Schmuck zum Verkauf anbot. Zudem hatte sie einen Verkaufsraum angemietet, wo sie ihre Schmuckstücke anbot, und zwar nur nach telefonischer Terminvereinbarung.

Als die Polizei vorbeikam stand Champagner bereit

Der Haken an dem Ganzen war nur: Der Geschäftsfrau war die nötige Zuverlässigkeit seitens der Behörden längst aberkannt worden, sie war wegen Insolvenzverschleppung angezeigt worden und auch ansonsten bei der Polizei seit Jahren bekannt gewesen. Sie hatte daher keine Gewerbeerlaubnis für ihr Geschäft.

Laut Polizei war ihr von Seiten der Behörden untersagt worden, einen Betrieb zu unterhalten. Deshalb ging die 64-Jährige recht konspirativ vor, mit nicht-öffentlichem Verkaufsraum und einem verborgenen Domizil in Solln.

In der Villa an der Großhesseloher Straße war sie offiziell nicht gemeldet, und auch auf dem Klingelschild war kein Name zu finden. Stattdessen hatte sie in einem anderen Stadtviertel eine Adresse angegeben, von dem sie wohl dachte, dass es besser zu ihrer vorgetäuschten Vita als Sozialhilfeempfängerin passte.

Wie die Polizei herausfand, bezog die Dame seit 2008 unberechtigterweise Sozialleistungen. Bis dato hatten sich 70 000 Euro angehäuft, zusätzlich zu den anderen Einkünften. Dabei residierte sie in einem der besten Viertel Münchens und hatte ihre Wohnung mit hochwertigem Mobiliar luxuriös ausgestattet.

Als die Ermittler ihr am Donnerstag einen Besuch abstatteten, stand in der Küche Champagner bereit. Natürlich nicht für die Beamten. Die nahmen die Frau fest, ein Ermittlungsrichter setzte sie am Freitag wieder auf freien Fuß.