Baugrube in der Altstadt Und am Marienhof klafft ein riesiges Loch

Kraterstimmung: Die riesige Baugrube am Marienhof soll wieder zugeschüttet werden, weil die Planungen für die zweite S-Bahn-Stammstrecke nicht vorankommen. Wie es dann weitergeht? Steht noch nicht fest.

Von Marco Völklein

Die riesige Baugrube am Marienhof hinter dem Rathaus wird aller Voraussicht nach von Oktober an wieder aufgefüllt. Darauf haben sich die Stadt, die Deutsche Bahn und der Freistaat verständigt. Der Stadtrat stimmte mit den Stimmen von SPD, CSU und Grünen dieser Lösung am Mittwoch zu.

Im kommenden Frühjahr dann will die Stadt zumindest für eine provisorische Begrünung des Areals sorgen - das Pflanzen von Bäumen ist allerdings zunächst nicht geplant. SPD und CSU hoffen wie auch der Freistaat und die Bahn, dass der Bund sich doch noch bereit erklären wird, seinen Beitrag von geschätzt knapp einer Milliarde Euro zum Bau des geplanten zweiten S-Bahn-Tunnels beizusteuern. Dann könnten die Arbeiter auf dem Areal loslegen.

Bislang allerdings ist die Frage der Finanzierung des insgesamt etwa 2,3 Milliarden Euro teuren Projekts nach wie vor ungelöst. Die Bahn hatte im Frühjahr 2011 dennoch mit archäologischen Grabungen am Marienhof begonnen, weil man gehofft hatte, mit einem Zuschlag für München für die olympischen Spiele 2018 würde auch zusätzliches Geld für die zweite Röhre nach München fließen.

Um aber rechtzeitig vor olympischen Spielen fertig sein zu können, legte die Bahn schon mal mit den Vorarbeiten los. Letztlich bekam München den Zuschlag nicht - seither ist auch die Frage der Finanzierung weiter ungelöst. Und am Marienhof klafft ein riesiges Loch.

Die Frage ist nun, wie es dann weitergeht am Marienhof. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), einer der größten Befürworter des zweiten S-Bahn-Tunnels, hegt zumindest die Hoffnung, dass sich in den nächsten Monaten eine Lösung finden lässt. Zuletzt hatte auch Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) den Bau- und Finanzierungsvertrag für das Projekt mit der Bahn bis Ende 2014 verlängert.

Und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte die Idee entwickelt, Bund, Freistaat und Stadt könnten die 492 Millionen Euro zurückfordern, die sie einst dem Münchner Flughafen als Kredit zur Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt hatten und dieses Geld in die zweite S-Bahn-Stammstrecke umlenken. Bislang schweigt der Bund zur Frage, was er von dieser Idee hält. Ude jedenfalls findet sie gut.

Ganz im Gegensatz zu seinem grünen Koalitionspartner in der Stadtregierung: Die Grünen gehen davon nämlich aus, "dass die Finanzierung für die zweite Stammstrecke auch die nächsten zehn oder 20 Jahre nicht klar sein wird", sagte Stadträtin Sabine Krieger - und beantragten daher, das Loch am Marienhof nicht nur vorläufig zu verfüllen und provisorisch zu begrünen, sondern endlich den Entwurf aus dem Jahr 2006 aus der Schublade zu holen und den Marienhof - wie dort vorgesehen - mit einer doppelten Baumreihe und einer großen Grünfläche zu versehen. Auch FDP, Freie Wähler und Linke unterstützten die Initiative der Grünen.

SPD und CSU allerdings schmetterten den Vorschlag ab. "Es muss nicht sein, dass das Geld zum Fenster rausgeschmissen wird", befand CSU-Fraktionschef Josef Schmid. Und SPD-Fraktionschef Alexander Reissl erinnerte daran, dass auch die bisherige Gestaltung des Marienhofs eigentlich mal als Provisorium gedacht war - das sich dann aber 20 Jahre lang hielt - und mit dem die Münchner "bislang nicht so schlecht gelebt haben".