Bar "Tap-House" Bier, Bier, Bier

Um sich im Tap-House durch die Bierkarte zu trinken, braucht es einige Abende.

(Foto: Robert Haas)

Schlenkerla, Panzerwolf oder Lovebeer: Das Haidhauser Tap-House bietet eine eindrucksvolle Auswahl an Bieren. Knapp 200 Sorten stehen auf der Karte. Doch für den Feierabend eignen sich nicht alle gleich gut.

Von Thierry Backes

Die Stadt Bamberg rühmt sich damit, "die eigentliche Hauptstadt des Bieres" zu sein. Das wird gerne mit dem Bamberger Reinheitsgebot begründet, das aus dem Jahr 1489 stammt und damit 27 Jahre älter ist als das berühmte bayerische. Oder mit den heute zehn Brauereien, die 70 000 Bamberger mit mehr als 60 Biersorten versorgen. Nun hat so eine Bierhauptstadt natürlich eine Spezialität, die Münchner zum Beispiel schwören auf ihr Weißbier, die Bamberger eben auf ihr Rauchbier.

Rauchbier - das klingt erst mal interessant. Doch wer das Aecht Schlenkerla unter den knapp 200 Bieren auf der Karte im neuen Tap-House in Haidhausen entdeckt, sollte seinem ersten Impuls unbedingt widerstehen - und etwas anderes ordern: Das Rauchbier schmeckt weniger nach Bier als nach verbrannter Wurst, die Bekanntschaft mit der Grillkohle gemacht hat.

Vielleicht passt so ein Schlenkerla (5,1 Prozent Alkohol, 0,5l Liter für 4,50 Euro) ja zu geräuchertem Gammelhai aus Island, aber als Feierabendbier ist es dem südbayerischen Magen nicht zu vermitteln. Zumal es auch noch dazu tendiert, einem die Zunge so zu betäuben, dass die wesentlich interessanteren Pale Ales nachher alle gleich schmecken.

Was schade wäre: Denn für ihr Tap-House hat die kleine Brauerei Camba Bavaria aus Truchtlaching am Chiemsee eine feine Auswahl von (Craft-)Bieren aus aller Welt zusammengestellt, die von einem fruchtigen Weißbier namens Lovebeer aus eigener Produktion (5,2 Prozent, 0,5 Liter, 3,90 Euro) über ein kräftiges belgisches Chimay Trappist Triple (8,0 Prozent, 0,3 Liter, 4,90 Euro) bis hin zu einem schweren schottischen Black Isle Hibernator Oatmeal Stout (7,0 Prozent, 0,3 Liter, 4,90 Euro) reicht.

Bier in allen Facetten gibt es im Tap-House.

(Foto: Robert Haas)

Die vier Seiten lange, eng bedruckte Karte überfordert einen nicht nur beim ersten Blick mit seinen Fassbieren und Flaschenbieren, Unter- und Obergärigem, mit Pale Ales und India Pale Ales, dunklen und Bockbieren. Das Personal hilft gerne weiter, meist auch mit der nötigen Kompetenz, und so findet sich auch etwas, wenn frau explizit nach einem "Mädchenbier" verlangt.

Der Kellner bringt dann im schlechten Fall ein pisswassriges Atwater Grand Circus IPA aus Detroit (4,2 Prozent, 0,3 Liter, 4,60 Euro) aus der Flasche, im besten Fall ein frisch gezapftes Floyds Arctic Panzer Wolf (9,5 Prozent, 0,3 Liter, 4,70 Euro). Davon gilt es indes nicht sechs zu trinken an einem Abend, der Panzerwolf macht sich sonst mit einiger Wahrscheinlichkeit am anderen Morgen bemerkbar.

Doch das ist unwahrscheinlich. Obwohl das Tap-House mit seinen hohen, gewölbeartigen Decken, den Bierfässern und dem schummrig-gelben Licht eher an eine Bierhalle erinnert, ist es ganz bestimmt kein Ort für Kampftrinker. Hier treffen sich Ingenieure in Karohemden, die ihr Bier aus einem bauchigen Glas schlürfen.

Vom Nebentisch schwappen Wortfetzen herüber, die auf eine philosophische Debatte hindeuten: Das Bier, sagt einer der dort versammelten Studenten, komme "ein bisschen leicht im Abgang". Man würde dem nun sehr lange und sehr gerne zuhören, wenn, ja wenn nicht noch eine halbvolle Flasche Schlenkerla vor einem stünde.