Antifaschistisches Archiv Aida "Recherchen auf freier Wildbahn sind gefährlich"

Alles über die rechte Szene in Bayern - Aida trägt es zusammen, seit 25 Jahren schon. Die Aktiven des antifaschistischen Archivs haben enormen Einfluss. Und werden immer wieder von Nazis verprügelt.

Von Bernd Kastner

Die Polizei warnt vor Einbrechern. Und dann treibt sich da ein fremder Mann auf den Straßen des Dorfes herum und beobachtet die Häuser. Also alarmiert jemand die Polizei, und die schnappt den Unbekannten. Robert Andreasch erzählt diese Geschichte, mit der vor Jahren seine Suche nach einer Nazi-Immobilie in Oberfranken begann.

Er ist Journalist und Rechercheur bei Aida, dem Münchner Anti-Nazi-Archiv. Der Polizeieinsatz war die Grundlage eines der größten Scoops des Vereins. Andreasch musste damals nicht in den Knast, die Polizei glaubte ihm: Irgendwo in Oberfranken muss dieses alte Gasthaus sein, das die Nazis neuerdings als Stützpunkt nutzten. Die Polizisten schauten erstaunt: Nein, von so einem Haus wüssten sie überhaupt nichts.

Genau das war der entscheidende Tipp, sagt Andreasch, denn so erfuhr er, dass er woanders suchen musste. 50 Kilometer weiter, in Oberprex, wurde er fündig. In dem Ort hatte sich jenes Freie Netz Süd niedergelassen,das später vom Innenministerium verboten wurde. Aida brachte damals die Nazi-Zentrale an die Öffentlichkeit, und der Bürgermeister bedankte sich. Er war froh, jetzt Bescheid zu wissen.

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"Deutsche Asylanten sind in Deutschland nicht willkommen"

Aufklären ist Aidas Geschäft, seit 25 Jahren nun schon. Marcus Buschmüller, der Vorsitzende, ist von Anfang an dabei. In den Achtzigerjahren, seiner "Sturm- und Drang-Zeit", als er noch zur autonomen Antifa gehörte, begann er, Material von Nazis zu sammeln. Irgendwann hatten er und seine Freunde so viel im Keller und auf dem Speicher liegen, dass sie sich entscheiden mussten: Alles weg? Sie entschieden sich für die "sehr deutsche Organisationsform" eines Vereins, den sie dann so nannten: "Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München". So sagt natürlich keiner. Also Aida. Eintrag ins Vereinsregister: Januar 1990.

Klären über rechte Umtriebe auf: Marcus Buschmüller, der Vorsitzende des Vereins Aida, und Rechercheur Robert Andreasch (rechts).

(Foto: Florian Peljak)

Sie waren nie mehr als zehn, zwölf Aktive, noch heute ist es eine kleine Truppe, die sammelt, was sie über die ganz Rechten in Bayern kriegen kann. Andreasch zieht aus einem Regal einen Ordner, darin, säuberlich in Hüllen gesteckt, Ausgaben des Blättchens Münchner Anzeiger. Dort hätten Anfang der 1990er-Jahre Geschichtsrevisionisten publiziert, berichtet er. Wo die Redaktion politisch stand, lässt sich an einer Überschrift von damals ablesen: "Deutsche Asylanten sind in Deutschland nicht willkommen. Ein weiteres Indiz dafür, daß mit Hilfe von Asylanten eine Umvolkung stattfinden soll, denn das Asylrecht war nur für Deutsche bestimmt".

Das Aida-Archiv selbst vagabundierte lange durch die Stadt, seit einigen Jahren ist es auf dem Feierwerk-Gelände zu Hause. Die Regale sind bis unter die Decke gewachsen, an die 5000 Bücher und Broschüren haben sie gesammelt und unzählige Pamphlete. Exzerpte der Aida-Sammlung finden sich auf der Homepage. Vollständig aber ist diese Online-Dokumentation nicht, in den Regalen lagere noch viel mehr Material, berichtet Buschmüller. Die Mitarbeiter kommen nur nicht dazu, alles online zu stellen.