Nachbarschaftswächter George Zimmerman Wenn Amateure Polizisten spielen

George Zimmerman ist ein freier Mann; das bedeutet nicht, dass er ohne Schuld ist. Sein Fall zeigt die Gefahr der Selbstjustiz-Kultur: Amateure ziehen mit wüsten Verdächtigungen durch Wohngegenden - und sorgen so für das Gegenteil von Sicherheit.

Ein Kommentar von Nicolas Richter

Die Jury hat George Zimmerman freigesprochen; das bedeutet nicht, dass er ohne Schuld ist. Er hat nachts einen Fremden verfolgt, bloß weil der schwarz war und einen Kapuzenpulli trug.

Statt auf die Polizei zu hören und Abstand zu halten, nahm Zimmerman die Dinge selbst in die Hand. Als es zur Schlägerei kam, verlor der Kontrollsüchtige die Kontrolle - über seinen Gegner, aber womöglich auch über sich selbst, und schoss den anderen tot.

Amerika hat in diesem Fall so viel über den Einfluss der Hautfarbe gestritten, dass ein anderes Leitmotiv meist unbeachtet blieb: Gefahren und Exzesse der Selbstjustiz. Viele Amerikaner fühlen sich nur sicher, wenn sie eine geladene Waffe tragen dürfen.

Der Fall Zimmerman zeigt, wozu das führen kann: Amateure ziehen mit wüsten Verdächtigungen durch Wohngegenden, überschätzen sich und verbreiten am Ende jene Unsicherheit, die sie eigentlich eindämmen wollten.

Der Freispruch entspricht dem Prozessverlauf: Es ist eben nicht auszuschließen, dass der Freizeit-Sheriff Zimmerman am Ende in Notwehr handelte. Es ist ein nachvollziehbares, rechtsstaatliches Ergebnis, auch wenn er für die Anhänger des toten Trayvon Martin schmerzhaft ist.

Es ehrt sie, dass sie in der Nacht nach dem Urteil ganz überwiegend friedlich geblieben sind; sie beherzigen damit die zentrale Lehre aus diesem Fall: Aus mehr Selbstjustiz folgt nur noch mehr Chaos.