Zweite Staffel von "Club der roten Bänder" So geht deutsche Serie

Emma (Luise Befort) will sich nicht eingestehen, dass sie vielleicht mehr als nur Freundschaft für Leo (Tim Oliver Schultz) empfindet.

(Foto: Zurück im Leben; VOX / Martin Rottenkolber)

Die erste Staffel der Vox-Produktion "Club der roten Bänder" war ein überragender Erfolg. Kann der Anschluss gelingen? Er kann.

TV-Kritik von Hans Hoff

Als Vox im vergangenen Jahr mit der Serie Club der roten Bänder startete, schüttelte so mancher Mitarbeiter der im Fernsehen produzierenden Gewerbe den Kopf. Zwar gab es Respekt für den Mut des Senders, mal etwas ganz anderes zu wagen, gleichzeitig aber auch die branchenüblichen Bedenken, dass so etwas nun gar nicht funktionieren könne. Eine Serie um krebskranke Jugendliche, die vor der Kulisse von Chemotherapien und Beinamputationen mit kahlem Schädel von Freundschaft erzählt, würde nicht funktionieren, lautete der einhellige Tenor.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wurde der "Club" zur Überraschung der Saison, mit besten Quoten belohnt und mit Fernsehpreisen überhäuft.

Dass all dies zu Recht geschehen ist, konnte man in den vergangenen Wochen sehen, als Vox die erste Staffel wiederholte. Nun aber stellt sich die Frage, wie der Sender den Erfolg in die zweite Saison übertragen will. Immerhin hatte die Geschichte um den Club, der mit roten Operationsbändchen seinen Zusammenhalt dokumentiert, am Schluss der ersten Staffel so etwas wie einen natürlichen Abschluss gefunden. Für manches Club-Mitglied war die Entlassung absehbar, und sogar der schlafende Hugo meldete sich in der finalen zehnten Folge aus dem Koma zurück. Kann da ein glaubwürdiger Anschluss gelingen?

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Er kann. Zumindest belegen dies die ersten drei vorab zu besichtigenden Folgen. Sie skizzieren bereits, was nun mit dem Club passiert. Weil Heilungen voranschreiten, droht die Gemeinschaft auseinanderzubrechen. Nicht länger eint der gemeinsame Kampf gegen die individuellen Gebrechen die sechs Mitglieder. Vielmehr stellt sich die Frage, was ihnen Freundschaft bedeutet, wenn die Heimat, sprich das Krankenhaus, nicht mehr zentraler Punkt sein kann.

Die Autoren führen die Zuschauer an den Rand der Tränen - halten aber inne, bevor es kitschig wird

Diese Problematik haben die Autoren Jan Martin Scharf und Arne Nolting, die auch für die demnächst bei Vox anlaufende Mysteryserie Weinberg verantwortlich zeichnen, sehr schön gelöst. Sie streuen Konflikte, bringen die Protagonisten in Gewissensnöte und legen so jede Menge glaubhafte Motive aus. Dabei schaffen sie quasi ein eigenes deutsches Club-Universum, denn merklich entfernen sie sich von den Vorlagen des spanischen Autors Albert Espinosa, der die Geschichte nach seinen eigenen Erlebnissen aufgeschrieben und 2011 für das spanische Fernsehen adaptiert hat. Scharf und Nolting emanzipieren sich nun auf ganzer Linie und haben dafür schon das Lob des Originalautors bekommen. Mehr Anerkennung geht kaum.

Die Autoren können sich allerdings auch auf eine sehr feine Umsetzung auf Produktionsseite stützen. Die meisten im Team waren schon bei der ersten Staffel dabei und arbeiten offenbar wieder mit der gleichen Sorgfalt wie früher. Wieder führen sie den Zuschauer nah an die einzelnen Charaktere, nah an den Rand zum Tal der Tränen. Und wieder halten sie inne, bevor die Grenze zum Kitsch auch nur in Sichtweite kommt. Erneut schaffen zudem die außergewöhnlich hellen Bilder eine sehr besondere Atmosphäre. Solche Helligkeit kennt man sonst nur aus Soaps, wo sie billig wirkt. Hier aber hat man auf Nuancen geachtet, hat geschaut, wo Schatten hingehört und wo nicht.

Dazu zeigen sich auch die sechs Darsteller erneut in Topform. Jeder legt Zeugnis davon ab, wie gut es war, ihn für diese Produktion zu besetzen. Da wirkt es auf einmal sogar ganz natürlich, dass die Figur des in der ersten Staffel gestorbenen Alex wieder auftaucht und eine gewichtige Rolle spielt. Die Botschaft ist deutlich. Den Club verlässt man nicht, selbst wenn man stirbt. Einer dritten Staffel steht also schon jetzt wenig im Weg. So geht deutsche Serie.

Club der roten Bänder, Montag, 20.15 Uhr, Vox

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