ZDF-Fernsehrat nach Show-Skandal "Tätige Reue"

"Intern sehr deutlich geäußert": Intendant Thomas Bellut.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Nach dem Skandal um die Show "Deutschlands Beste!" tagt in Berlin der ZDF-Fernsehrat - und Intendant Thomas Bellut spricht Klartext. Auch die Twitterkünste von Nachrichtensprecher Claus Kleber kommen zur Sprache.

Von David Denk

Thomas Bellut gibt sich nach dem Manipulationsskandal bei der Rankingshow Deutschlands Beste! demütig, aber nicht geschlagen. "Es handelt sich hier um das individuelle Versagen einer Redaktion, nicht um ein systemisches Versagen", sagte der ZDF-Intendant nach der nichtöffentlichen Sitzung des Programmausschusses Programmdirektion am Freitag in Berlin.

Sie endete Bellut zufolge nach einer "harten, guten Diskussion" mit der Empfehlung an den Fernsehrat, Deutschlands Beste! in seiner Sitzung am 19. September zu missbilligen: Das Format habe eindeutig gegen das Wahrhaftigkeits- und Sachlichkeitsgebot der ZDF-Programmrichtlinien verstoßen, sagte der Intendant. Bellut, der sich an keine weitere Missbilligung in zehn Jahren als Programmdirektor und nunmehr drei Jahren als Intendant erinnern kann, wertet das Votum als "ernsthafte Warnung, die Qualitätsstandards einzuhalten". Auch wenn eine Missbilligung keine direkten Konsequenzen hat, ist für ihn klar: "Ich will so etwas nicht noch mal erleben müssen." Fehler könne man zwar nie ausschließen, "aber ein solcher Fall wird sich sicher nicht wiederholen".

Bellut nutzte das Gespräch mit der SZ, um zu demonstrieren, wer der Herr im Hause auf dem Mainzer Lerchenberg ist: "Alles, was entschieden wurde, ist von mir entschieden worden", sagte der 59-Jährige und meint damit vor allem die personellen Konsequenzen: die Freistellung von Unterhaltungschef Oliver Fuchs und die Abmahnungen gegen die Teamleiterin und eine Redakteurin sowie die Auflösung der zuständigen Redaktion. "Erheblich" nannte er die Sanktionen. Er habe sich "intern sehr deutlich zu der Affäre geäußert". Auf die Frage, warum er öffentlich noch kaum Position bezogen hat, sagt Bellut: "Ich musste mich erst kundig machen, das dauerte seine Zeit."

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Eine Frage allerdings kann Bellut immer noch nicht (auch für ihn selbst) zufriedenstellend beantworten: was die Verantwortlichen zu den Manipulationen getrieben hat. Interne Befragungen hätten "keinen klaren Aufschluss gegeben". Bellut vermutet, dass die Platzierungen bei der Bestenliste vertauscht worden seien, um eine "gefällige Sendung" zu gewährleisten. Aber "auch mit anderen Gesprächsgästen wäre eine gute Sendung möglich gewesen."

Für das ZDF sei es nun "essenziell wichtig, durch absolute Transparenz unbedingte Seriosität zu beweisen", erklärte Bellut, der es in diesen Tagen als seine Aufgabe begreift, "tätige Reue" zu leisten. Programmdirektor Norbert Himmler kündigte in seiner Vorlage für den Programmausschuss ein "Regelwerk für die Einbeziehung von Zuschauervotings in Sendungen" an. "Transparenz ist der beste Schutz, um Unkorrektheiten zu vermeiden", sekundierte sein Chef.

Zugleich betonte Bellut jedoch, er sei "ganz sicher, dass die Manipulationen bei Deutschlands Beste! keine Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit etwa unserer Nachrichtenformate hat". Für die Twitter-Empörung von heute-journal-Moderator Claus Kleber zeigt er "im Prinzip" Verständnis: "Das meiste kann ich nachvollziehen, aber nicht alles." Ein Intendant muss eben deutlich mehr Diplomat sein als sein Anchorman.