Wahl des neuen WDR-Intendanten Kür ohne Dame

"Das geht nicht nach Prominenz, das geht nach Kriterien": Der WDR hat sich auf drei Kandidaten für die Nachfolge von Intendantin Monika Piel geeinigt. Tom Buhrow ist zwar der prominenteste, Favorit soll er deshalb nicht sein. Pro Quote kritisiert die Nominierung dreier männlicher Bewerber.

Von Hans Hoff

Der Rundfunkrat des WDR hat bestätigt, dass der Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow, der Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger und der EBU-Direktor Stefan Kürten eingeladen sind, sich am 29. Mai vor dem Gremium zur Intendantenwahl zu stellen. Eine zehnköpfige Findungskommission hat die drei ausgewählt und sich sogleich heftigen Protest eingehandelt.

Der Verein Pro Quote bemängelt, dass keine Frau unter den Bewerbern ist. Gleichzeitig kritisiert die Journalistinneninitiative, dass Frauen in deutschen Sendern ohnehin unterrepräsentiert seien. Die jetzt vorliegende Auswahl sei aber kaum verwunderlich, heißt es bei Pro Quote, da die WDR-Findungskommission aus acht Männern und nur zwei Frauen bestehe.

"Wir haben auch mit Kandidatinnen Kontakt aufgenommen und entsprechend Gespräche geführt", entgegnet Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi auf den Vorwurf und stellt sich auch gegen die These, dass das Rennen längst für Buhrow als den Bekanntesten aus der Runde entschieden sei. Die Wahl sei völlig offen, betont sie. "Das geht nicht nach Prominenz, das geht nach Kriterien." Führungs- und Kommunikationskompetenz seien gefragt und bei den ausgewählten Kandidaten in unterschiedlicher Gewichtung vorhanden.

Buntes Pferd, unscheinbare Ponys

Möglicherweise ist die Vorauswahl auch eine Folge der 2009 eingetretenen Entpolitisierung des Rundfunkrates. Damals wurden vier Entsendungsorganisationen neu ins WDR-Gesetz aufgenommen. So ging der Einfluss der Parteien zurück und die Zahl der sogenannten Grauen stieg, also der nicht parteigebundenen Vertreter. "Der Rundfunkrat ist insgesamt mit einem gewachsenen und unabhängigem Selbstbewusstsein bei der Arbeit", kommentiert Hieronymi diese Konstellation.

Man könnte es aber auch so deuten, dass mit mehr Vereins- und Verbandsvertretern die bei Parteientsandten durchaus hier und da vorhandene Fachkompetenz ersetzt wurde. Nun wirkt der Rundfunkrat wieder wie eine auf großes Theater erpichte Schar, die auf ein sehr buntes Pferd setzt und zwei unscheinbare Ponys nebenhertraben lässt. Noch ließe sich das Schauerspiel am 29. Mai zugunsten einer überlegten Inszenierung stoppen.