Verlegung von BR-Klassik Gespaltene Meinungen beim Bayerischen Rundfunk

Intendant Ulrich Wilhelm ist vom Wellentausch überzeugt.

(Foto: Robert Haas)

Mehr als 50 000 Menschen haben sich dagegen ausgesprochen, dass der Bayerische Rundfunk den Jugendsender "Puls" künftig auf der UKW-Frequenz von BR-Klassik ausstrahlt, und den Spartensender stattdessen nur noch digital anbietet. Obwohl BR-Intendant Wilhelm sehr dafür wirbt, gibt es auch im Rundfunkrat Bedenken.

Von Claudia Fromme

Der Plan des Bayerischen Rundfunks, den Sender BR-Klassik ins Digitale zu verlagern und der Jugendwelle Puls dessen UKW-Platz zu geben, entzweit neben vielen Hörern auch die Gremien. Während sich der Verwaltungsrat des BR am Dienstag einstimmig für den Wellentausch aussprach, gibt es im Rundfunkrat offenbar deutliche Vorbehalte.

Obwohl Intendant Ulrich Wilhelm intensiv für seinen Plan geworben haben soll, baten mehrere Räte des Gremiums nach Informationen der SZ um Bedenkzeit. Ursprünglich war der 22. Mai als Termin für eine Entscheidung geplant, nun soll sie erst am 10. Juli fallen.

Seit Bekanntwerden der Pläne der Frequenzumwidmung hat sich breiter Protest gegen die Verlegung des einzigen reinen Klassiksenders in der ARD vom analogen auf den nur noch digitalen Empfang formiert. Inzwischen haben sich fast 54 000 Menschen gegen die reine Ausstrahlung über das digitale Antennensignal DAB+ ausgesprochen, darunter der Chefdirigent der BR-Symphoniker Mariss Jansons.

Die Kritiker monieren, dass sich der öffentlich-rechtliche Sender mit seinem Plan, BR-Klassik von 2016 an nur noch digital auszustrahlen von seinem Auftrag einer kulturelleren Grundversorgung entferne, sie fürchten zudem, dass ein Sender ohne UKW-Platz im "digitalen Nirwana" verschwinde. Etwa 260 000 Menschen schalten heute BR-Klassik täglich ein.

In der ARD ist der BR führend im Ausbau des DAB+-Netzes. Bereits 2016 soll in Bayern die Versorgung mit dem digitalen Rundfunk besser sein als mit UKW, kündigte Intendant Wilhelm im Interview mit der SZ an.

Er führt die Neutralität und besseren Datenschutz eines eigenen Radionetzes sowie eine bessere Klangqualität an. Das Internet sei keine Alternative. Der Wellentausch mit dem Jugendsender Puls sei überdies notwendig, da der Staatsauftrag vorsehe, Radio für alle zu machen. Die Jugend aber, so Wilhelms Argument, höre kaum noch öffentlich-rechtliche Sender. Er sprach von einem "gefährlichen Generationenabriss".

Überzeugen muss der Intendant von seiner Lieblingsprojekt DAB+ dabei nicht nur die zustimmungspflichtigen Mitglieder seines Rundfunkrates, sondern auch die Hörer - egal, ob nun klassikinteressiert oder nicht. Zwar nutzen die Bayern mehr digitale Sender als andere Hörer bundesweit, schlussendlich besitzen aber auch nur 8,8 Prozent der Bevölkerung im Land ein für den Empfang erforderliches DAB+-Gerät. Der Rest hört weiterhin UKW.