Übertragungsrechte: DFB-Pokal Taktisches Sparen

Nach SZ-Informationen gab von den öffentlich-rechtlichen Sendern nur die ARD ein Angebot für die Übertragungsrechte am DFB-Pokal ab. Das ZDF, das für die Champions League einen dreistelligen Millionenbetrag hinlegt, muss wohl sparen - auch aus taktischen Gründen.

Von Christopher Keil

Man könnte ja auch auf die Idee kommen, sich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Stand der Dinge zu erkundigen, wenn gerade einmal nicht Länderspiel, WM oder EM ist. So ganz salopp: Wie läuft's denn so, DFB? Wie läuft's denn zum Beispiel mit dem Verkauf der Fernsehrechte des DFB-Pokals?

Am vergangenen Freitag endete die Frist, dem größten Sportverband der Welt ein Angebot zu unterbreiten. Bisher übertrugen vor allem ARD und ZDF den Cup verlässlich. Für die Jahre 2009 bis 2012 kam die Pay-TV-Plattform Sky dazu. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten sollen für Live-Spiele und Highlightverwertung gegenwärtig 31 Millionen, Sky ungefähr 20 Millionen jährlich zahlen.

Anfang August deutete sich dann an, dass das ZDF nicht mehr in vollem Umfang über den Pokal berichten will. Im Frühjahr hatte das Zweite den Zuschlag bei der Champions League erhalten, für vermutlich um 150 Millionen Euro (2012 bis 2015). Nun muss wohl gespart werden, auch aus taktischen Gründen, denn die hohe Investition wurde vielstimmig problematisiert: Dreistellige Millionenbeträge für Sport - ist das Grundversorgung oder Gebührenverschwendung?

Nach SZ-Informationen hat jetzt nur die ARD die übliche Offerte beim DFB abgeben lassen, angeblich um 25 Millionen. Das ZDF plant wohl, sehr gelegentlich einzelne Partien zu zeigen. Das wäre möglich, dürfte die ARD sublizensieren. Zuständig für die Verhandlungen von ARD und ZDF ist die gemeinsame Agentur Sport A. Generalsekretär Wolfgang Niersbach ist beim DFB für die Ausschreibung verantwortlich. "Zu den laufenden Verhandlungen", sagte er auf Anfrage, werde er sich nicht äußern. Er sei aber zuversichtlich, bis zur Präsidiumssitzung am 14. Oktober einen guten Abschluss präsentieren zu können.

Worauf gründet sich Niersbachs Optimismus? Hat er den US-Sportkanal ESPN,einen Kabelnetzbetreiber oder ein Mobilfunk- oder Telekommunikationsunternehmen in die Bieterrunde geführt? Hat RTL mitgesteigert? Hat Sat 1 tatsächlich bloß niedrig geboten, wie zu erfahren ist, und Sky nur um fünf Millionen?

Das einnahmeschwächere Geschäft

2008 stiegen die Pokal-Einnahmen durch das Engagement von Premiere (heute Sky) erheblich. Ohne die Erlöse aus dem Verkauf der Auslandsrechte kamen zuletzt circa 60 Millionen Euro pro Saison (63 Spiele) zusammen, darin enthalten etwa zehn Millionen aus der Vermarktung der Werbebanden in den Stadien. 90 Prozent der Marketingerlöse reicht der DFB an die beteiligten Vereine weiter. Ordentliche Summen, doch verglichen mit der Bundesliga (306 Spiele, 412 Millionen Euro) ist der DFB-Pokal das einnahmeschwächere Geschäft.

"Gudn' Aamb!"

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