Übernahme von N24 durch Springer Herr Döpfner macht jetzt Fernsehen

Der Nachrichtensender N24 soll mit der Welt-Gruppe zusammengeführt werden.

Springer-Chef Mathias Döpfner übernimmt den auf Rentabilität getrimmten Sender N24 - als Lieferant für die Bewegtbilder, die beim Ausbau der Springer-Portale "Welt.de" und "Bild.de" wichtig sind. Das ist unternehmerisch sinnvoll, doch es ergibt sich auch eine neue kartellrechtliche Frage.

Von Caspar Busse, Katharina Riehl und Claudia Tieschky

Was Springer-Chef Mathias Döpfner in diesem Juli verkaufte, war ein Erbe in Papier: Der Großteil der Zeitungen und Zeitschriften des Konzerns - darunter Hörzu und Hamburger Abendblatt - gingen für 920 Millionen Euro an die Essener Funke-Gruppe. Seither gab es Spekulationen um die nicht unwesentliche Frage: Was macht Springer mit dem Geld? Zum führenden digitalen Medienunternehmen wolle man werden, hatte Döpfner erklärt, möglich schien ein Gebot für die Internetgruppe Scout 24. Doch Springer bot nicht.

Seit Montag ist zumindest für einen Teil des Geldes klar, wohin es geht. Der Berliner Medienkonzern, der seine Blätter Bild und Welt inzwischen als multimediale Marken präsentiert, Bundesligarechte kauft und im Internet für Artikel Geld verlangt, erwirbt den Nachrichtensender N24. Durch die Übernahme sollen die Digitalredaktion des Senders und die Welt-Gruppe zusammengeführt werden, hieß in einer gemeinsamen Erklärung.

N24 mit seinen 300 Mitarbeitern werde "zentraler Bewegtbildlieferant für alle Marken von Axel Springer". Unternehmerisch ergibt der Kauf, über dessen Preis die Beteiligten schweigen, durchaus Sinn. Springer übernimmt einen per Radikalkur auf Rentabilität getrimmten Sender - als Lieferant für die Bewegtbilder, die beim Ausbau der digitalen Verbreitung wichtig sind. Das Ziel ist mehr Attraktivität für die Springer-Bezahlangebote, sowie höhere Reichweite und Werbeerlöse.

Der Kanal, der seit Gründung schon oft in Nöten war, erhält im Gegenzug eine Existenzsicherung unter dem Dach des großen neuen Eigentümers. Bild.de und Welt.de sind künftig weitere Ausspielflächen für das aktuelle Material, das der Nachrichtensender im Internet und On Air verbreitet. Die Titel der Funke-Gruppe, die Springer-Chef Döpfner gerne mit Inhalten der Welt beliefern möchte, sollen von N24 aber nicht bedient werden, hieß es.

Fernsehen, Print und Online als Spielarten einer Marke

Wenn Kartellamt und Medienkonzentrationswächter zustimmen, gehört Springer dann auch die N24-Tochter Thads.media, ein eigenständiger TV-Vermarkter. Die N24-Geschäftsführer um Torsten Rossmann bleiben nach Angaben von Springer im Amt.

Personell wirkt sich der Deal bei der Welt aus - mit der bereits zuvor bekannt gewordenen Veränderung: Der bisherige N24-Gesellschafter und frühere Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, 67, wird im kommenden Jahr Herausgeber und Geschäftsführer der fusionierten neuen Welt-Gruppe, deren gesellschaftsrechtliche Form derzeit offen ist.

Aust sagte am Montag: "Ich freue mich auf die Aufgabe, weil mich interessiert, wie man Print, Fernsehen und Online zusammenbringt." Er hat bereits beim Spiegel Erfahrung mit dem Versuch gemacht, Fernsehen, Print und Online als Spielarten einer Marke zu aufzubauen.