Trump und die Bilder Hart, wenig herzlich

Seriös und staatstragend: Donald Trump am Telefon im Oval Office.

(Foto: AP)

Donald Trumps Inszenierung auf offiziellen Fotos ist bislang überraschend eindimensional und verschlossen. Das zeigt, wie unsicher der US-Präsident noch immer ist.

Von Beate Wild, New Orleans

Es gibt Donald Trump seit einiger Zeit zweimal - einmal auf Twitter und dann noch auf Bildern. Der Trump auf Twitter gibt sich volksnah. Er gewährt Einblicke in seine Stimmungslage und Gedanken und tut hemmungslos seine Meinung kund. Der Trump auf den Fotos seit seiner Präsidentschaft ist ernst, griesgrämig, hölzern und damit: verschlossen.

Er posiert mit einer Runde Herren in grauen Anzügen. Oder er steht da und reckt Daumen in die Höhe. Die Bilder zeigen Trump am Rednerpult, beim Händeschütteln oder beim Aussteigen aus einem Flugzeug. Immer so staatstragend, wie es die jeweilige Tätigkeit eben hergibt.

Das darf zunächst nicht sehr verwundern: Pressefotografen haben wenig Gelegenheit, ihn anders abzulichten, denn die Trump-Regierung schließt sie von privaten und sogar von einigen offiziellen Terminen aus. Wenn der Präsident in Florida Golf spielt, dürfen sie beispielsweise nie dabei sein. Selbst dann nicht, wenn er gegen den japanischen Premierminister Shinzo Abe antritt. Und wenn die Fotografen mal ins Weiße Haus gelassen werden, finden sie stets eine inszenierte Situation vor. Trump posiert dann extra oder blickt direkt in die Kamera.

Das ist also die eine Seite - die Kontrolle der Berichterstattung. Interessant ist nun aber, dass auch Trumps Hoffotografin Shealah Craighead keine anderen Bilder liefert. Auf Trumps Facebook- und Instagram-Konten finden sich nur Fotos und Videos von offiziellen Terminen sowie Screenshots seiner Tweets. Privates kommt so gut wie gar nicht vor - außer die Enkelfotos, die er von den Profilen seiner Kinder retweetet.

Und das verwundert nun doch. Es ist doch schließlich längst so: Zeigt sich ein Prominenter oder Politiker im Social-Web als Privatmensch, büßt er nichts von seinem Respekt ein. Im Gegenteil: Er kann sogar Nähe und damit Vertrauen herstellen.

Trumps Amtsvorgänger hatte das verstanden. Barack Obama legte auf eine Inszenierung jenseits erwartbarer Politiker-Fotos Wert. Neben dem staatsmännischen, offiziellen Obama, gab es noch viele andere Obamas: scherzend mit Kindern. Beim Herumtollen mit den Hunden. Mit den Füßen lässig auf dem Schreibtisch. Bei einer Fistbump-Begrüßung mit einem Putzmann. Beim lässigen Plaudern mit Jay Z und Beyoncé. Beim "Mic Drop" nach einer Rede. Beim Bromancen mit Joe Biden.

Obama hat sich neben dem präsidialen Gestus also stets auch als urbaner Intellektueller inszeniert - und als Familienmensch. Als einer, der souverän mit Promis umgeht und selbstironisch mit Comedians. Kurz: als vielschichtige Persönlichkeit. Ganz bewusst hat er dabei außerdem die Codes der afro-amerikanischen und der Popkultur verwendet, um auch Schwarze und junge Amerikaner anzusprechen. Die Republikaner reagierten damals gerne noch mit dem Vorwurf, er agiere zu salopp für einen Präsidenten.

Zwei Millionen Fotos von Obama

Geholfen bei dieser Inszenierung hat ihm vor allem sein Fotograf Pete Souza. In den acht Jahren von Obamas Präsidentschaft hat Souza mehr als zwei Millionen Fotos gemacht. Das Weiße Haus postete diese üppig in allen möglichen sozialen Netzwerken. Auch die Obama-Regierung ließ schließich nicht überall Pressefotografen zu, sondern versorgte die Öffentlichkeit lieber selbst mit Bildern.

Das, was in der Kunstgeschichte als ikonographische Darstellung bezeichnet wird, half Obama im Zeitalter der digitalen Massenmedien, sein Image zu kontrollieren. Man glaubt, diesen Obama zu kennen, so gut wie einen Kumpel aus Uni-Zeiten. Sich jetzt Fotos anzusehen, die ihn beim Wasserskifahren im Urlaub zeigen, fühlt sich deshalb fast an, als würden wir einen Ex-Freund stalken.