Sky Deutschland Servus Schmidteinander

Der Fernsehsender Sky hat große Pläne: Er will in Deutschland das Pay-TV etablieren. Damit der ehrgeizige Coup gelingt, lässt sich Senderchef Sullivan einiges einfallen. Er kauft die Bundesliga-Rechte, bietet TV für Smartphones und Tablets - und holt Entertainer Harald Schmidt an Bord.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Das große Finale hat er alleine erlebt, ohne seine Familie. Die weilte, der Harmonie wegen, lieber für zwei Wochen daheim in den USA, in Philadelphia. Brian Sullivan aber musste Tag und Nacht in Deutschland das sichern, was seine Firma zum Gedeihen braucht: die Rechte an Live-Spielen der Fußball-Bundesliga.

Entertainer Harald Schmidt könnte eine neue Heimat beim Pay-TV-Sender Sky finden.

(Foto: dapd)

Als die Sache knapp wurde, weil der Rivale Deutsche Telekom die ganze Welt in Magenta malen wollte, da fragte der Chef von Sky Deutschland 36 Stunden vor Schluss der Rechte-Auktion bei seinen Controllern mal kurz nach, wie viel denn maximal möglich sei. Diese Summe setzte man.

Es waren 486 Millionen Euro jährlich für vier Spielzeiten von 2013/14 an. Für diese Rekordsumme bekam Sky den Zuschlag - und seitdem fragt sich jeder, wie Manager Sullivan das schaffen will. Schließlich hat er bisher nur rund 250 Millionen Euro per anno gezahlt, ungefähr so viel, wie der Jahresverlust beträgt. Der Chef des Pay-TV-Senders kennt die Frage. Aber er denkt anders.

Das Spiel geht jetzt für ihn erst los. Das Spiel heißt, das in Deutschland nur gering verbreitete Abonnenten-Fernsehen (Marktanteil: magere sieben Prozent) durchzusetzen - so wie in Großbritannien bei BSkyB vor 20 Jahren.

Das Spiel heißt, mit weiteren Coups die Medienlandschaft aufzuschrecken und für Aufmerksamkeit zu sorgen. Schon vor Wochen begannen offenbar die Sky-Leute Verhandlungen mit einem TV-Entertainer, der zwei Jahrzehnte lang für Schlagzeilen gesorgt hat; der von der ARD zu Sat 1, dann zurück zur ARD und schließlich wieder zu Sat 1 ging: Harald Schmidt. Ein Deal wird dem Vernehmen nach immer wahrscheinlicher. Noch im aktuellen Spiegel streiten sich zwei seiner früheren Adjutanten, ob der schwäbische Komödiant noch eine Zukunft im Fernsehen hat: Manuel Andrack sagt Nein, Herbert Feuerstein Ja.

Geplant ist eine Late-Night-Show im Schmidt-Stil - launig, hintergründig-böse, spielfreudig, mehrmals in der Woche. Sie soll einen festen Sendeplatz haben, womöglich um 22 Uhr. Möglich ist auch, dass Harald Schmidt, der am Donnerstag seinen letzten Auftritt bei Sat 1 hat, auf Sky anfangs aus Marketinggründen für Abonnenten unverschlüsselt läuft. Alles also fast so wie vor 20 Jahren beim Sky-Vorgänger Premiere: Damals reüssierte Roger Willemsen mit seiner Talkshow 0137.

Schmidts Show soll auf dem neuen HD-Kanal Sky Atlantic laufen, der Ende des Monats Premiere hat. Atlantic setzt auf Qualitätsfernsehen, das auch mal Preise gewinnt, auf Serien wie The Wire oder Sex and the City, die im amerikanischen Pay-TV-Sender HBO laufen. In ein paar Jahren könnten weitere Eigenproduktionen dazukommen. TV-Produzent Wolf Bauer, als Chef der Ufa eine Nummer bei Bertelsmann/RTL, machte bereits Gespräche mit den Sky-Managern publik. Mit Atlantic steigere er die Wertschätzung der Marke Sky weiter, glaubt Vorstandschef Sullivan.