Sender in Mainz Im Fall Böhmermann sah das ZDF nicht gut aus

Viel Unterstützung bekam Böhmermann von seinem Sender zunächst nicht.

(Foto: REUTERS)
  • Das ZDF hat sich in der Causa Böhmermann zurückhaltend benommen.
  • Der Sender setzte auf das bewährte Prinzip: Aufregung kleinhalten.
  • Es war Springer-Chef Mathias Döpfner, der als erster prominent für Böhmermann eintrat.
Von Claudia Tieschky

Das ZDF stehe "auf arrogante Weise weiter zu Böhmermann", schrieb am Freitag die ungarische Zeitung Magyar Idök und stärkte damit die Erkenntnis, dass die Dinge von anderswo aus betrachtet manchmal wirklich sehr anders aussehen. Denn das ZDF hat sich in der Sache Böhmermann, um es vorsichtig zu formulieren, ziemlich zurückhaltend benommen. Dass der Sender voll hinter Jan Böhmermann stehe, womöglich auch noch auf arrogante Weise, war jedenfalls mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Das ZDF muss mit dem chronischen Vorwurf leben, in zu großer Staatsnähe zu arbeiten. Im Fall Böhmermann handelte der öffentlich-rechtliche Sender ungefähr so, wie sie es in Mainz machen, wenn mal wieder eine Bundestagspartei kraftmeiert und über angeblich Tendenziöses in einer Sendung stänkert: Aufregung kleinhalten und die Sache durchziehen. Mit solchen Angelegenheiten ist man in der von Intendant Thomas Bellut geführten Anstalt einigermaßen erfahren.

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Bei dem Gedicht "Schmähkritik" verhielten sich die Verantwortlichen also nicht viel anders als sonst. Allerdings hat der Sender den Eindruck größtmöglicher Distanzierung von seinem Mitarbeiter Böhmermann erweckt, als er die Sendung "Neo Magazin Royale" in Rekordgeschwindigkeit von seiner Internetseite verschwinden ließ.

Dass die Sache in Berlin und Ankara eine solche Wucht bekam, ist der andere große Unterschied zu den Reizthemen, mit denen man es in Mainz sonst zu tun hat. Und das ZDF sah dabei nicht sehr gut aus.

Welche politische Dimension der Fall annehmen würde, konnte keiner ahnen, als Programmdirektor Norbert Himmler Böhmermanns Erdoğan-Schmähung nur Stunden nach der Ausstrahlung in ZDF Neo am 31. März aus der Mediathek nahm. Der Programmchef war im Urlaub über auffällig viele Zuschauerreaktionen benachrichtigt worden und fand, dass die von der Redaktion zuvor abgenommene Sendung nicht die Ansprüche erfülle, "die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt".

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Sollte es dabei Druck von außen gegeben haben, muss er sehr schnell gekommen sein. Das ZDF erklärt, solchen Druck habe es nicht gegeben. Sendersprecher Alexander Stock teilte am Freitag mit: "Wir distanzieren uns in keiner Weise von Jan Böhmermann, das ist eine Sendung des ZDF gewesen, dazu stehen wir."

Jan Böhmermann öffentlich den Rücken gestärkt hat das ZDF aber eben sehr lange auch nicht. So ergab sich die merkwürdige Situation, dass bei der Verleihung der Grimme-Preise am 8. April der ZDF-Programmdirektor Himmler in der ersten Reihe saß - als Repräsentant des Senders, dessen bester Mitarbeiter Böhmermann an diesem Abend mit zwei Preisen ausgezeichnet wurde und wer weiß wo saß, jedenfalls nicht in Marl in der ersten Reihe. Böhmermann hatte abgesagt - "erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe".

Zu diesem Zeitpunkt hatte Intendant Bellut schon mit dem türkischen Botschafter in Berlin telefoniert. Er äußerte sein Bedauern, falls der Beitrag die Gefühle von Zuschauern verletzt habe - was er garantiert hatte. Aber erst am Montag dieser Woche sagte Bellut, natürlich stehe er zu den Satire-Sendungen des ZDF, "zu den Moderatoren und zu Herrn Böhmermann auch". Deshalb war es Springer-Chef Mathias Döpfner, der als erster prominent für Böhmermann eintrat. Er tat das so parteiisch und PR-trächtig, wie es kein Senderchef tun könnte. Aber erst danach sah Böhmermann nicht mehr wie ein verrückter Alleinunternehmer ohne Lobby aus.

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Die "Schmähkritik" soll beim ZDF unter Verschluss bleiben, obwohl sich intern Widerstand regt. Der Sender hat inzwischen im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Mainz eine Stellungnahme abgegeben. Gestützt auf ein Gutachten teilt er mit, das Gedicht sei "rechtlich zulässig". Nächste Woche soll es wieder "Neo Royale" geben.