Zähe zehn Minuten

"Schnauze, Simon" beim WDR /
Von Matthias Kohlmaier
/ Veröffentlicht am , im TV-Blog

Steffen Simon präsentiert die Fußball-Satire "Schnauze, Simon" beim WDR.

(Foto: WDR/Herby Sachs)

Fußball ist aus der Pespektive der meisten Fans und Spieler nicht witzig. Nicht umsonst hat der schottische Trainer Bill Shankly gesagt: "Es gibt Leute, die denken, Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist."

So kurz und bündig diese Aussage formuliert ist, sie trifft des Balles Kern: Fußball taugt nicht als Objekt der Satire. Zu niedergeschlagen sind die Anhänger, wenn "wir" - gemeint ist der unterstützte Verein - am Wochende verloren haben. Bei solch einer pseudoreligiösen Beziehung bleibt kein Platz für Scherze auf Kosten des geliebten Klubs. Kein Wunder also, dass es bis dato kaum einen langlebigen Versuch gegeben hat, sich im Fernsehen abseits von Interview-Bonmots (der gute alte Andi Möller und seine Geografie-Schwäche) und vertändelten Großchancen (siehe hierzu: Frank Mill) über Fußball lustig zu machen.

"Halt, Stopp! Wir müssen reden"

Steffen Simon möchte das ändern und hat am vergangenen Sonntag zum ersten Mal Schnauze, Simon präsentiert. Der WDR-Sportchef unterzieht dabei "höchstpersönlich die Aufreger des jeweiligen Bundesliga-Spieltages einer ganz eigenen, pointierten Nachbetrachtung". Heißt es wenigstens in der Pressemitteilung. Bewiesen hat Simon mit seiner Mission im Auftrag der Fußballsatire leider nur, dass sich ein zehnminütiges TV-Format ganz schön hinziehen kann.

"Halt, Stopp! Wir müssen reden", begann er die Sendung. Wer nun nicht schnell genug war, sich per Fernbedienung einem anderen Kanal zuzuwenden, sah in der Folge einen Moderator, der mit allerlei Zoten zu glänzen suchte (erfolglos), ein Video, in dem eine Kuh überfahren wird (geschmacklos) und am unteren Bildrand eine Banderole mit Beschimpfungen Simons, die sich angeblich im Internet gefunden haben (sinnlos). Hier das erste Viertel von Ausgabe eins:

Natürlich war es lustig, als Lothar Matthäus damals in einer radebrechenden Mixtur aus fränkisch und englisch sagte: "I hope, we have a little bit lucky and can win next year the American soccer championship." Mit Satire hat die Unwissenheit eines Einzelnen indes nichts zu tun. Auch nicht, wenn man das Zitat als Aufhänger verwendet, um sich über die Deutschkenntnisse von Bayern-Trainer Pep Guardiola (zu Unrecht) zu amüsieren.

Vielleicht hätte Simon sich vor seinem Debüt etwas bei Tagesschaum mit dem WDR-Kollegen Friedrich Küppersbusch abgucken sollen. Dessen Mimik ist ähnlich limitiert wie die von Steffen Simon, er nutzt das aber in jeder Sekunde gekonnt, um seinen staubtrockenen Humor zu untermalen. Simon dagegen hüpft und krakeelt im Verlauf der Sendung wild herum, ein humoristisches System lässt sich daraus zu keinem Zeitpunkt erkennen. Im Gegenteil passiert Simon das Schlimmste, was einem Komiker widerfahren kann: Er wirkt bemüht.

Ob Steffen Simon seinen Job als Fußballkommentator gut macht, ist wie bei allen Marcel Reifs und Béla Réthys dieser Fußballwelt Geschmackssache. Dass der WDR nach den tollen Satire-Produktionen Tagesschaum und Olli Dittrichs Frühstücksfernsehen mit dem Gelegenheits-Satiriker Simon danebengegriffen hat, ist schade. Aber halb so schlimm: Schnauze, Simon läuft bloß an jedem ersten Sonntag des Monats für zehn Minuten.