Österreichisches Servus TV kommt nach Bayern Aus der Brause gehoben

2009 gründete Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz Servus TV. Der Sender will aber nicht Ableger des Energie-Drinks sein. Stattdessen wollen die Macher Seriosität beweisen - mit viel Natur, Wissenschaft und Sport. Jetzt kommt der Sender ins bayerische Kabelnetz.

Von Cathrin Kahlweit

Dietrich Mateschitz ist in letzter Zeit noch ein wenig reicher geworden. Auf der aktuellen Forbes-Liste vom März 2012 wird der Milliardär aus Österreich auf Platz 193 geführt - mit 5,3 Milliarden Dollar Vermögen. Das ist so ziemlich das Einzige, was die Welt gesichert über den 67-Jährigen weiß, außer, dass er sein Geld mit der Erfindung und extrem erfolgreichen Vermarktung der Marke Red Bull gemacht hat und dass er ein Talent zur Geldvermehrung besitzt.

Privates mag Mateschitz nicht herauslassen, selbst mit Details aus seinem Imperium ist er zögerlich. Konzernumsatz (3,7 Milliarden Euro 2010) und Ausgaben fürs Marketing (1,3 Milliarden Euro) - beides ist bekannt. Bekannt ist auch der Umfang des Imperiums, das aus diversen Sportmannschaften, Medien, Liegenschafts- und Vermögensverwaltungen, Gastronomie, Musikproduktionen, Flug- und Golfplätzen besteht. Das Magazin Red Bulletin liegt der FAZ bei, der Kiosk-Verkauf wurde kürzlich nach nur wenigen Monaten beendet. Mateschitz soll etwa 600 Sportler unter Vertrag haben, die er sponsert und mit denen er wirbt, der bekannteste ist Rennfahrer Sebastian Vettel.

Vielleicht seine Hobbys gibt der Unternehmer noch preis (er mag Flugzeuge und jede Art von Sport), er hat auch einen Sohn. Aber sonst? Mateschitz, ein Steier, gibt selten bis nie Interviews. Vieles von dem, was in den Zeitungen über den "Bull-Doser" zu lesen ist, ist gut recherchiert und womöglich auch richtig - allerdings unbestätigt. Er hat zum Beispiel 2009 aus dem lokalen Sender Salzburg TV einen Fernsehsender gemacht: Servus TV mit Sitz in Wals im Salzburger Land.

Und so heißt es etwa, der Selfmade-Man, der Entscheidungen selbst über Kleinigkeiten ungern aus der Hand gebe, rede überall mit: bei der Abnahme von Eigenproduktionen, bei der Erfindung neuer Formate, natürlich das eine oder andere Logo habe er selbst gezeichnet, Pilotsendungen lasse er sich vorlegen, um sie dann - mit Wutanfällen - zu verwerfen und so weiter. "Dazu können wir nichts sagen", erklärt Servus-TV-Geschäftsführer Martin Blank. Und selbst wenn er könnte, würde er wohl nicht. Der Chef mag es eben nicht, wenn über ihn geredet wird.

Bei Servus TV geht äußerlich ohnehin recht wenig um Dietrich Mateschitz. Red Bull ist schon präsenter, mit eigenen Sendefenstern, in denen Motor-, Ski-, Extremsport oder Musik präsentiert werden. Aber die Salzburger Truppe mit ihren 150 festangestellten Mitarbeitern will und soll kein Ableger des Energiedrinks sein.

Der Sender will aus eigener Kraft groß werden, was auf dem umkämpften Markt kommerzieller Kanäle für einen Neuling schwer ist. Noch schreibt Servus TV Verluste, was kein Problem sein soll: Mateschitz habe, ist zu hören, entspannt ein paar weitere Aufbaujahre eingeräumt. Das Ziel bleibt aber: ein Sender, der Gewinne abwirft.

Talkshow im Hangar 7

Über Satellit und das Internetprotokoll (IPTV) ist er schon zu sehen, in diesen Tagen wird er nach und nach im analogen Kabelnetz in Bayern aufgeschaltet, was mehr Bekanntheit bringen soll. 1,2 Prozent Marktanteil habe man derzeit in Österreich in der werberelevanten Zielgruppe (dort 12 bis 49 Jahre), sagt Geschäftsführer Blank, während er aus seinem verglasten Bürowürfel in den schmutziggrauen Salzburger Winterhimmel und über einen ebenso grauen Parkplatz in ein tristes Gewerbegebiet am Flughafen schaut.

Schick wird es ein paar Kilometer weiter, in Hangar 7. Das Gebäude ist eine Stahl- und Glaskonstruktion, in der Mateschitz Flugzeuge ausstellt, kochen lässt - und in der eine Talkshow für Servus TV produziert wird. Mal über Atomenergie, mal über Machos und Memmen, mal über Chancen und Risiken des arabischen Frühlings, durchaus anspruchsvoll wird da geplaudert: Fritz Pleitgen, Ex-Intendant des WDR, moderiert ebenso wie Ruprecht Eser, früher Anchor des Heute-Journals, oder Ex-Spiegel-Mann Hellmuth Karasek. Das ist vielleicht ein bisschen viel Ex, aber das Unternehmen will mit bekannten Namen punkten und vor allem Seriosität beweisen. Das ist die wichtigste Mission des kleinen Senders: Fernsehen zu machen, das man eher von den Öffentlich-Rechtlichen erwartet.

Geschäftsführer und Pressesprecher des Senders erläutern gern und ausführlich, wie das gegen soll, und man spürt, dass hier lange an einer Philosophie gefeilt wurde. Auch das gehört zu den Usancen im Land des Marketing-Königs Mateschitz: das passende Umfeld, das passende Image sowie die passende Lyrik für ein Produkt herstellen.