Münster-Tatort "Summ, Summ, Summ" Witz frisst Spannung

Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, links) und Schlagerstar Roman König (Roland Kaiser) teilen eine musikalische Leidenschaft.

(Foto: WDR/Martin Menke)

Der Auftritt zweier Bananenspinnen sorgt nur kurzzeitig für einen spannenden Plot. Ansonsten entzieht sich der Münsteraner "Tatort" mal wieder der Krimikritik. Boerne und Thiel suchen Gags, Roland Kaiser ist auch dabei - was bleibt, ist ein anderthalbstündiger Witz.

Von Holger Gertz

Der Schlagersänger Roland Kaiser spielt in diesem Tatort einen Schlagersänger, der Roman König heißt, und wer sich allen Ernstes über die Dämlichkeit dieses Namens aufregt, ist dem Autorenduo Jan Hinter und Stefan Cantz gleich schon mal auf den Leim gegangen.

Wer hier etwas ernst nimmt, ist selbst schuld, die Episode ist ein anderthalbstündiger Witz. Da stehen die Fans des Sängers vorm Hotel und rufen "ROMAN, ROMAN, ROMAN", als würden sie von einem unsichtbaren Dirigenten geführt. Eine Parodie, natürlich. Wie eine hörbar gemachte Sprechblase. Neulich, beim Bremer Tatort, haben die Demonstranten ähnlich unwahrscheinlich akkurat skandiert, sie riefen "MÖRDER". Aber das war sogar ernst gemeint.

Die Münsteraner entziehen sich mal wieder der Krimikritik, weil sie keinen Krimi anbieten, es ist sogar die Frage, ob die Handlung hier Handlung ist oder nur ein Spielplatz, auf dem Thiel und Boerne ihr tennisartiges Dialogduell aufführen. Thiel wie immer speckbackig und raunzig, Boerne wie immer blasiert. Er reserviert vorübergehend für sich allein die Honeymoon-Suite eines Edelhotels. "Was glauben Sie? Dass ich hier einziehe, um mit mir selbst ein Romantikwochenende zu verbringen?", fragt Boerne. "Na, wieso denn nicht? Wo Sie so schwer in sich selbst verliebt sind?", sagt Thiel.

Anders als die alten Clowns Stoever und Brockmöller früher bringen diese beiden überhaupt kein Gespräch mehr zustande, das nicht Persiflage wäre. "Ein Arachnologe", verfügt ein plötzlich milder Boerne, "ist auch nur irgendwie so 'ne Art Mensch". "Ihre Gefühlswelt entspricht doch sonst der eines Einzellers", raunzt Thiel. So geht es immer weiter.

Der Arachnologe kommt übrigens ins Spiel, weil zwei Bananenspinnen auftreten, sie simulieren den Einbruch einer gewissen Spannung in einen Plot, der nicht spannend ist und nicht spannend sein soll. Witz frisst Spannung. Der Fall? Wäre auch von Meisterdetektiv Kalle Blomquist gelöst worden.

Thiel und vor allem Boerne suchen den Gag. Das ist einerseits erwartbar, andererseits hat Kinnbart Boerne Dialogsequenzen drin, die ziemlich treffend sind. In seinen besten Momenten wirkt er beinahe auf so ungelenke Art geschmeidig wie der wunderbare Sheldon Cooper aus der Sitcom Big Bang Theory. Und Fritzi Haberlandt als Stalkerin von Roland Kaiserkönig zu besetzen, ist natürlich eine hinreißend quere Idee.

Das Komödiantische ist am Ende das, was diesen Tatort trägt. Oder: Ihr Witz ist alles, was sie in Münster haben. Denn wenn sich Thiel tatsächlich mal an Ermittlungen macht und Verhöre durchführt, spürt man, dass der Krimi aus Münster furchtbar langweilig wäre, wenn er Krimi sein müsste.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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