Journalisten im deutschen Fernsehen Story vom Papiertiger

Ole Puppe als Paul Jacobs und Josephine Schmidt in ihrer Rolle als Maja Becker in der ARD-Serie Zwischen den Zeilen.

(Foto: ARD/Martin Valentin Menke)

Eine neue ARD-Krimireihe spielt im Zeitungsmilieu. Und der Held wirkt so abgehalftert, wie Journalisten im deutschen TV immer aussehen. Dabei geht es doch auch anders.

Von Katharina Riehl

Wenige Branchen bringen jeden Tag so viele journalistisch verwertbare Wahrheiten hervor wie die Meinungsforschung, und eine dieser Wahrheiten trifft dann mehrmals im Jahr besonders hart die Journalisten selbst. Zum Beispiel der Deutsche Beamtenbund erhebt mithilfe von Forsa jährlich die Rangfolge der angesehensten Berufe im Land. Der Journalist rangierte da 2012 am Ende des zweiten Drittels, hinter dem Müllmann und dem Lebensmittelkontrolleur, gerade noch vor dem Steuerberater, dem Politiker und dem Versicherungsvertreter.

Als vor einiger Zeit mal wieder eine Studie das verheerend schlechte Image von Journalisten beleuchtete, suchte der deutsche Medienfachdienst Meedia in einer Art Selbstgeißelungsliste die Ursachen für diese schwierige Situation. Einer der Gründe lautete so: Ein Job sei erst dann wirklich angesagt, wenn sich zumindest ein cooles TV-Format mit ihm beschäftigt, das könne man an Ärzten, Anwälten oder Köchen beobachten. Denn, hieß es weiter, wenn Journalisten in Filmen und Serien auftauchten, dann immer nur als schmierige Reporter.

Man kann die Notwendigkeit einer PR-Serie ohne Weiteres für galoppierenden Unsinn halten, aber wer in den vergangenen zehn Jahren mal einen Krimi gesehen hat, weiß: Journalisten im deutschen Fernsehen sind das Letzte. Wenn im Tatort ein Journalist auftaucht, durchwühlt er entweder den Müll einer jungen Familie, deren Zwillinge gerade bestialisch ermordet wurden, oder er hängt selbst in irgendeiner Sauerei mit drin - Bestechung, Kinderhandel, so etwas. Auf jeden Fall trägt er Dreitagebart und sieht aus, als rieche er streng.

So überraschend wie Straßenglätte im Winter

Das ikonische Bild des abgerockten, immer auch etwas korrupten Journalisten ist ein sehr deutsches TV-Phänomen - und dass dieses Bild überaus nachhaltig ist, beweist nun die ARD, im neuen Ableger der unerschöpflichen Vorabend-Krimireihe "Heiter bis tödlich". In Zwischen den Zeilen klärt ein schmieriger Lokalreporter mit Bart die fröhlichen Feierabend-Morde, trinkt aber vor allem Schnaps aus Wassergläsern und lässt sich mit der Aussicht auf eine Putzfrau bestechen. Das alles ist in etwa so überraschend wie Straßenglätte im Winter und ähnlich amüsant.

In den USA gibt es eine ganze Reihe von mehr oder weniger wissenschaftlichen Abhandlungen, die sich mit der Darstellung von Journalisten in Film und Fernsehen beschäftigen. In der amerikanischen Popkultur ist der Reporter eine vielfältige Figur, und er besetzt, neben dem Cowboy und dem Polizisten, quasi ein eigenes Genre, HBO etwa besingt gerade mit The Newsroom den mutigen Nachrichtenjournalismus. Der Autor Alex Barris zum Beispiel unterteilte in den 70er-Jahren in seinem Buch Stop the Presses! The Newspaperman in American Films die Reporterfiguren in Kategorien: Kriminalist, Schmierfink, Kreuzritter, Bösewicht, menschliches Wesen und Gefühlsjournalistin.

Der US-Journalist im Film hat viele Rollen - und viele positive. In den 70er-Jahren gab es die Sitcom Mary Tyler Moore, deren sympathische (und stets frisierte) Heldin bei einer Nachrichtensendung arbeitete. Es gab die heldenhaften Journalisten im Watergate-Film Die Unbestechlichen, und es gibt den Journalisten als Superhelden: Reporter Clark Kent ist in seinem zweiten Leben Superman, Spiderman verdient sein Geld als Fotograf für den Daily Bugle.