"Grimm" auf Vox Wenn Rotkäppchen iPod hört

Die dunkle Seite: Eddy Monroe (Silas Weir Mitchell).

(Foto: VOX/Universal)

Die US-Serie "Grimm" zerrt Märchen ins Hier und Jetzt - und in den Alltag von Polizisten. Nur hier macht der böse Wolf Pilates.

Von Anja Perkuhn

Rotkäppchen hat eigentlich nichts falsch gemacht, sie wollte nur ihre gewohnte Runde durch den Wald joggen. Noch bevor sie die Runde fertig hat, liegt sie aber verteilt zwischen den Bäumen. Etwas entfernt von ihrem blutverschmierten Bein spielt ihr pinker iPod in Endlosschleife "Sweet Dreams". Dass sie Rotkäppchen ist, wusste das Mädchen selbst nicht, und auch Detective Nick Burkhardt muss es sich erst erarbeiten. Eine wahnsinnige Welt bricht da in sein Vorstadtleben mit kleinem Haus, Scheitelfrisur und ätherisch schöner Freundin: Er ist ein Grimm.

Die ersten Anzeichen bemerkt er, als er einer schnittigen Blondine hinterherschaut - und mehr sieht, als er wollte: eine Fratze als Gesicht, faulige Zähne, verbiesterte Lippen. Es ist seine Bestimmung zu sehen, was sonst niemand sehen kann, erklärt ihm später seine Tante Marie, die mit ihrem Wohnwagen plötzlich in seinem Vorgarten steht. Sie wird bald sterben und offenbart ihm deshalb alles, was sie lange von ihm fernhalten wollte: Er gehört zu einer Familie von Auserwählten, die für Ordnung auf der Welt sorgen sollen.

Es ist das gleiche Schema, das auch bei Buffy, die Vampirjägerin - deren Produzent David Greenwalt auch hier mitgearbeitet hat - schon gut funktionierte: Ein normaler Mensch erfährt, dass er eine Gabe hat. Schicksal, Welt retten, gefährliche Sache, man kennt das. Man kann das trotzdem leicht lieben. Den Weg mitgehen von Burkhardt (David Giuntoli), von trotziger Ungläubigkeit über das erste Verstehen im Wohnwagen der Tante, der vollgestopft ist mit Grimmkram, Büchern, Waffen - bis die neue Arbeit normal zu werden beginnt.

Dann wird wieder ein Mädchen vermisst, und Burkhardt trifft auf Eddy Monroe (Silas Weir Mitchell), seinen zukünftigen Märchenkriminalfallpartner: einen Blutbader, einen "großen, bösen Wolf" - einen Kerl im Pullunder mit kleiner Plauze, der sich mit vegetarischer Ernährung und Pilates im Gleichgewicht hält.

In den USA lief Grimm 2011 an - wie auch Once upon a time, ebenfalls eine Serie, die Märchen ins Hier und Jetzt zerrt. Sie ist in Deutschland seit September zu sehen. Doch während in Once upon a time immer wieder Träume von flatternden Feen in Glitzerkleidchen in die Welt einbrechen und selbst das Verhalten der bösen Königin sich erklären lasst - sie hatte eine schwere Kindheit -, ist Grimm weniger glatt. Das Böse reiht sich ein in die Fälle, mit denen die Polizisten täglich zu tun haben.

Vox hat sich die düsterere Version der beiden Märchenverarbeitungen ausgesucht, mit dem guten, alten Buffy-Antihumor: Als später in der Serie ein Freund von Monroe stirbt, spricht der im englischen Original ein verwunschen klingendes Sprüchlein in holprigem Deutsch. Wie schön das klingt, sagt da Burkhardt, was heißt es denn? Monroe zuckt nicht mit der Wimper, als er erklärt: "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei."

Grimm, Vox, montags, 20.15 Uhr.