"Focus": Massiver Stellenabbau Prinzip Markwort: Jedermann in München

Helmut Markwort spielt bald Theater und hört als Chefredakteur von "Focus" auf. Vorher muss er einen Job-Kahlschlag verantworten. Seine Erfolgsstory zeigt große Risse.

In Kürze wird Helmut Markwort, 73, viel Theater spielen. Er gibt bald in Frankfurt bei Freilicht-Aufführungen des Volkstheaters in Der hessische Jedermann den Tod. Sein Platz in der Chefredaktion des Magazins Focus wird offiziell im September frei und von Wolfram Weimer besetzt.

Schlechte Nachrichten: In der Redaktion von Focus-Chefredakteur Helmut Markwort werden wohl zahlreiche Leute gehen müssen.

(Foto: dpa)

Bevor der einstige Chefredakteur von Welt und Cicero richtig loslegen kann, müssen offenbar die wirtschaftlichen Verhältnisse bei Focus geradegebogen werden. Immer wieder hatte man gefeiert, dass es 1993 gelungen war, am Nimbus des Spiegels zu kratzen - doch von der einstigen Erfolgskurve hat sich das Blatt aus dem Münchner Medienhaus Burda immer weiter entfernt.

Kaum einer schrieb über die stille Tragödie im Arabellapark, über den schwierigen Kampf des verdienten Gründers Markwort um sein Lebenswerk.

Nun schreibt der "Erste Journalist", wie er bei Burda genannt wird, selbst allen Mitarbeitern des Focus Magazin Verlags in eigener Sache. Es geht um die "allgemeine Medienkrise und den damit verbundenen starken Anzeigenrückgängen" und um den geschrumpften Umfang des Nachrichtenmagazins. Offiziell war vor Monaten noch dementiert worden, dass Focus Verluste mache.

Die Lösung: 280 Mitarbeiter erhalten ein Abfindungsangebot. Es wird einen Stellenabbau en gros geben. 40 bis 50 Jobs sollen wegfallen. Focus Money und Focus Schule sind davon nicht betroffen. Die Erfolgsstory ist an ein Ende gekommen.

Das Besondere: Für "Schnellentschlossene", wie es in einem Verlagsschreiben heißt, erhöht sich der Abfindungsbetrag um einen "Entscheiderbonus" in Höhe von 3,5 Monatsgehältern. Die Aufhebungsvereinbarung muss bis zum 30. Juni unterschrieben sein.

"Der Vorstand ist zu der Entscheidung gekommen, die Zahl der Mitarbeiter in Redaktion und Verlag deutlich zu reduzieren", schreibt Markwort. Die angebotene Abfindung könne "für die zukünftige Lebensplanung eine Grundlage bieten". Interessenten könnten sich vertraulich an ihn oder andere führende Verlagsmitarbeiter wenden.

Für Mitarbeiter zwischen 40 und 60 Lebensjahren soll es einen Sockelbetrag von 15.000 Euro geben, alle übrigen Mitarbeiter erhalten 7.500 Euro. Die Betriebszugehörigkeit spielt eine Rolle, sowie ein Multiplikator von 0,75 auf ein Monatsgehalt. Das Angebot gelte im Einzelfall "vorbehaltlich der Zustimmung der Chefredaktion bzw. Geschäftsführung", schreiben Markwort und Geschäftsführer Frank-Michael Müller.

Bei Focus soll der Gründer als Herausgeber und Kommentator erhalten bleiben. Groß herauskommen wird der gebürtige Darmstädter, der oft den "Datterich" gegeben hat, zunächst aber im Frankfurter Theater. Dort war die Frage aufkommen, ob Markwort denn für die Rolle im Jedermann nicht ein bisschen zu kompakt sei.

"Aber ich will", sagt der Regisseur, "einen Tod haben, mit dem man noch reden kann."