"Das Adlon" im ZDF Zimmer mit Aussicht

Die Schauspieler Heino Ferch (als Hotelerbe Louis Adlon) und Marie Bäumer (als seine Ehefrau Hedda) im August 2012 in den Münchner Bavaria Studios bei den "Adlon"-Dreharbeiten.

(Foto: dpa)

Ein Jahrhundertstoff: Das ZDF erzählt die wechselvolle Geschichte des Berliner Hotels Adlon und seiner Betreiber - von der Gründung in der Kaiserzeit über vier politische Systeme und einen Krieg hinweg. Das gelingt.

Von Evelyn Roll

Adlon verpflichtet. Hotel-Faction funktioniert. Und wir haben in diesem Land wirklich große Schauspieler. Also kann das ZDF zum Jahresauftakt die neuen Zwangsgebühren mit einer kleinen Sensation rechtfertigen: Viereinhalb Stunden großes Kino, verteilt auf drei Abende. Das ist nicht Bed & Breakfast.

Zur Kaiserzeit, als Wilhelm Zwo noch mittenmang durch das Brandenburger Tor geritten kam, weil er lieber bei Adlons logierte als in seinem zugigen Schloss, haben die Berliner den Namen Adlon französelnd nasal ausgesprochen aus lauter Ehrfurcht: Adlon oblige.

Heute haben wir es mehr mit dem Angelsächsischen. Das neudeutsche Faction (von englisch facts und fiction) bedeutet trotzdem nichts anderes als: Dichtung und Wahrheit. Ein immer schon probates, immer schon erlaubtes und gelegentlich geniales Erzählverfahren zur Dramatisierung von historischen, wahren Stoffen.

Verfolgung, Mord, Verrat , Bruderzwist

Mehr als zehn Jahre trug sich der Produzent Oliver Berben mit der Idee, diesen Film über das Berliner Adlon und die Adlons zu machen. Dann war klar, was diesen Film tragen könnte - von der Hotelgründung in der Kaiserzeit über vier politische Systeme und einen Krieg bis zum Nachbau und der Wiedereröffnung im Jahr 1997. Uli Edel (Buch und Regie) und Rodica Döhnert (Buch) haben in die - ohnehin schon aufregende und mit der deutschen Geschichte subtil verwobene - reale Familien- und Hotelgeschichte der Adlons den erfundenen Erzählstrang einer zweiten Familie geflochten. Sie bringt alles mit, was eine große Erzählung außerdem braucht: noch mehr Drama, ein Familiengeheimnis, Liebesgeschichten, politische Verwicklung, Verfolgung, Mord, Verrat , Bruderzwist, KZ, Ausbürgerung. Am Ende noch ein Familiengeheimnis, das die überraschende Wende bedeutet - und ein sehr trauriges Finale, das aber auch nur beinahe.

Die Hauptfigur Sonja Schadt (Josefine Preuß) hat einst im Adlon ihr Erbe abgewohnt in den Goldenen Zwanzigern, in der Nazizeit, im Krieg, als das Adlon Lazarett war, und auch noch zu DDR-Zeiten, als sie verbittert und traurig versucht, wenigstens einen kleinen Hotelbetrieb auf einer Etage der Adlon-Ruine aufrecht zu erhalten. Jetzt ist sie als alte Frau (Rosemarie Fendel) zur Eröffnung des neuen Adlons zurück gekommen und erzählt ihre Geschichte in die großen Stauneaugen eines neuzeitlich-weiblichen Hotelpagen hinein.

Als sie 1904 zur Welt kam, hat ihr zukünftiger Patenonkel Lorenz Adlon (Burghart Klaußner) gerade die Baugenehmigung für sein Luxushotel am Pariser Platz erhalten. Finanziert hat er seinen Hoteltraum mit dem Kredit seines besten Freundes Gustaf Schadt (Thomas Thieme), ein Kaufmann, der mit dem Handel von Rohstoffen und Gütern aus den deutschen Kolonien sehr reich geworden ist. Der große Thomas Thieme und Sunnyi Melles, die Gustaf Schadts bleiche, neurotische Frau Ottilie spielt, heben diese etwas zu lang geratene Exposition in etwas Zauberhaftes. Wie ein Vorspiel auf dem Theater.

Sonja ist das Kind der erst sechzehnjährigen Tochter der Schadts, von Alma (als junge Frau gespielt von Maria Ehrich, später von Anja Kling) und dem Sohn des Kutschers Friedrich Loewe (als Junge gespielt von Kai Malina, dann von Wotan Wilke Möhring). Um die Mesalliance zu vertuschen, nimmt die bleiche Mutter ihrer Tochter nach der Geburt das Kind weg und gibt es als das ihre aus. Die Kutscherfamilie muss das Haus am See verlassen. Vater Friedrich findet eine Stelle als Page im Adlon. Alma wird von ihrer Mutter verlobt mit einem jungen Adeligen, dem sie davonläuft, als sie sich bei einem Besuch im Adlon in die amerikanische Fotografin Undine Adams (Christiane Paul) verliebt.