Bundestagswahl Drei Mal Klaas und trotzdem eine Ein-Mann-Show

Privat ist Klaas Heufer-Umlauf der SPD nahe, bei Pro Sieben zieht er sich jede Farbe an.

(Foto: obs)

Von wegen unpolitischer Unterhaltungssender. Alle vier Jahre versucht sich Pro Sieben mit einem Politformat - diesmal mit Klaas Heufer-Umlauf. Davon profitiert vor allem einer: er selbst.

Von David Denk

So ganz scheint sich Klaas Heufer-Umlauf noch nicht daran gewöhnt zu haben, nach dem Ende der Pro-Sieben-Show Circus Halligalli öfter alleine aufzutreten. Jedenfalls hat er sich für sein zweiteiliges Special Ein Mann, eine Wahl Verstärkung geholt - nicht wie üblich von Joko Winterscheidt, sondern von Klaas. Und von Klaas. Er spielt drei verschiedene Versionen von sich selbst mit unterschiedlicher politischer Orientierung. In der gemeinsamen Loft-WG, so die Story, feilen die drei an einem Politformat. Der Titel ist also irreführend - und auch wieder nicht, denn Ein Mann, eine Wahl ist so klar als One-Man-Show konzipiert, dass bei der Premiere in Berlin am vorigen Mittwoch weder auf der Bühne noch im Vor- oder Abspann Platz war für das eigentliche Team der Sendung (Idee und Regie: Jano Ben Chaabane; Drehbuch: Alexander Lindh; Kamera: Tobias Koppe; Producerin: Laura Bull). Noch nicht mal ein kurzes Dankeschön war drin.

Nicht zuletzt durch ein jüngst erschienenes Spiegel-Gespräch ("Nur Ironie halte ich nicht aus") profiliert sich der Showmann, 33, im Bundestagswahlkampf als kritisch-politischer Kopf - und zwar als sehr fleißiger. Die Sendung erweckt den Anschein, Klaas alleine - oder besser: die drei Klaase gemeinsam - hätten all die Politiker angefragt, die bei Pro Sieben nun in Interviewsequenzen um Jungwählerstimmen buhlen. Und dann auch noch diesen prolligen FDP-gelben Ami-Sportwagen organisiert, in dem einer von ihnen Christian Lindner von der Berliner Parteizentrale zum Flughafen Tegel chauffiert.

Alle vier Jahre packt auch Pro Sieben die politische Mission

So ehrenwert es ist, dass Heufer-Umlauf, selbst SPD-nah, sich in einem Polit-Format engagiert, so ratlos lassen den Zuschauer die Gespräche mit Martin Schulz (SPD), Jens Spahn (CDU), Cem Özdemir (Die Grünen), Katja Kipping (Die Linke), Alice Weidel (AfD) oder eben Lindner zurück. Das liegt zum einen an deren hüftsteif-sprechblasigem Auftreten, mindestens genauso sehr aber auch an Heufer-Umlaufs mitunter willkürlich wirkenden Fragen. Mehr Stringenz würde nicht schaden, um dem Zuschauer die Wahlentscheidung zu erleichtern. Das Problem ist ja, aus der Vielzahl der Parteien und Programme substanzielle Unterschiede herauszufiltern.

Ein Mann, eine Wahl versucht das, indem der eine Klaas einen roten Pulli trägt und eher linken Positionen anhängt, der zweite mit dem schwarzen konservativen und der mit dem grauen in der Mitte verortet ist. So diskutieren sie dann in ihrer Loft-WG, während der rote Klaas ständig isst und der schwarze Kette raucht.

Besser alle vier Jahre ein Pro-Sieben-Politformat, weil mal wieder Wahl ist, als gar kein Pro-Sieben-Politformat. Noch besser wäre eins, von dem nicht nur Klaas Heufer-Umlaufs Image profitiert.

Ein Mann, eine Wahl, Pro Sieben, 11. und 18. September, 22.05 Uhr.

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