Bloch in der ARD Traurig, trotzdem optimistisch

Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs: Dieter Pfaff nannte Birgit Minichmayr eine der intensivsten Schauspielerinnen, die wir haben.

(Foto: WDR/Frank Dicks)

Birgit Minichmayr und Devid Striesow hassen sich in einer neuen Episode "Bloch", dieser versucht sie wieder zusammenzuführen. Eine Woche nach dem Tod von Dieter Pfaff zeigt der Film, was fehlen wird.

Von Katharina Riehl

Das Finden begehbarer Wege in all den Verrücktheiten des menschlichen Miteinanders, hat der Schauspieler Dieter Pfaff einmal gesagt, sei das, was ihn mit seiner Filmfigur Maximilian Bloch verbinde. Das sei ein Grundthema für ihn und für den ARD-Psychotherapeuten Bloch, den Pfaff seit 2004 in 24 Episoden gespielt hat. Pfaff hat den Bloch, wie viele seiner großen Rollen, mitentwickelt.

Es hat natürlich einen furchtbar melancholischen Beiklang, dass die ARD eine Woche nach dem Tod von Dieter Pfaff eine, die vorletzte, neue Folge Bloch im Programm hat. Aber im Grunde muss ein Nachruf auf Pfaff ohnehin genau so sein wie Das Labyrinth: traurig, trotzdem optimistisch, auch anstrengend. Und es ist ein Film, dessen Handlung man am besten so beschreiben kann: Es geht um das Finden begehbarer Wege in all den Verrücktheiten des menschlichen Miteinanders.

Das Labyrinth erzählt die Geschichte des Versicherungsmathematikers Jens, der seiner Freundin das Gesicht blutig prügelt und damit gerne aufhören möchte. Bloch beginnt eine Therapie mit Jens, merkt aber bald, dass er ihm alleine nicht wird helfen können. Andrea, die verprügelte Freundin, braucht mindestens so dringend Hilfe wie er. "Sie sind im Krieg" sagt Bloch zu dem Paar auf seiner Couch, und bietet ihnen an, sie durch die Friedensverhandlungen zu führen.

Das Paar im Krieg wird gespielt von Birgit Minichmayr und Devid Striesow, und Pfaff hatte zu dieser Besetzung recht wortkarg folgendes gesagt: "Birgit Minichmayr und Devid Striesow zu kommentieren, erübrigt sich. Sie gehören zu den intensivsten Schauspielern, die wir haben".

Intensiv trifft es ziemlich genau, eigentlich muss man sagen, dass man diesen Film streckenweise nur schwer aushalten kann. Birgit Minichmayr spielt Andrea als eine Frau, die ständig schwankt zwischen offensiver Aggression, weinerlicher Mädchenhaftigkeit und übergriffiger Erotik. Immer wieder steht sie, je nach Laune, mit Vorwürfen oder Vorschlägen vor der Tür von Maximilian Bloch, immer wieder treibt sie die Situation zu Hause bis zur Eskalation. Devid Striesow, der vor ein paar Jahren übrigens schon einmal den verrückten Freund von Blochs Tochter spielte, macht aus Jens einen Typen, dem die Kraft fehlt, glücklich zu werden. Leichte Fernsehunterhaltung ist das nicht.

Dieter Pfaff, der so gar nicht in die Riege der wohlfrisierten deutschen Schauspieler passte, stand für eine Art von Fernsehfilmen, in denen Charaktere und Dialoge wichtiger sind als das blankpolierte Megaevent. Im vergangenen Sommer sagte Pfaff in einem Interview, er hoffe, dass es Bloch noch lange gebe: "Man braucht doch Filme mit Ecken und Kanten, die einen herausfordern". Auch ziemlich melancholisch.

Bloch - Das Labyrinth, ARD, 20.15 Uhr.