Bayerischer Rundfunk Intendant Wilhelm kritisiert Söder-Auftritt

Medien-affin: Bayerns Finanzminister Markus Söder.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • BR-Intendant und Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm kritisiert den Auftritt von Finanzminister Söder in der Soap "Dahoam is Dahoam". Er kündigte an, der Sender werde sich mit dem Thema "intern befassen".
  • Bis auf Weiteres wurde die umstrittene Folge aus der Mediathek genommen.
  • Söder, der Ambitionen hegt, Bayerns nächster Ministerpräsident zu werden, hatte am Dienstag bei einem Gastauftritt in der Soap seine Politik für den ländlichen Raum beworben.
Von Claudia Tieschky

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, hat den Auftritt von CSU-Minister Markus Söder in der BR-Soap Dahoam is Dahoam kritisiert. Die direkte Verknüpfung von Söders Gastauftritt in der Heimat-Soap mit politischen Inhalten sei "problematisch", sagte Wilhelm am Sonntag im B5-Medienmagazin und kritisierte damit deutlich die zuständige Redaktion. Wilhelm kündigte eine "interne Befassung" mit dem Thema an.

Ein Sendersprecher teilte mit, bis die Diskussion geklärt sei, nehme der BR die umstrittene Folge der Soap aus der Mediathek des Senders. Am Sonntag war sie dort bereits nicht mehr abrufbar.

In der vergangenen Dienstag ausgestrahlten Folge 1449 mit dem Titel "Politische Wurst-Phobie" wird Bayerns Heimat- und Finanzminister Markus Söder von der Bürgermeisterin des fiktiven Ortes Lansing nach einer Autopanne mitgenommen. Auf der gemeinsamen Fahrt nach München findet sich viel Zeit für ihn, für seine eigene Politik zu werben, mit der die Infrastruktur in ländlichen Gebieten unterstützt werde. Das Drehbuch für Söders Auftritt stammte vom Autorenteam der Soap.

Söder, der politische Ambitionen auf das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten hegt und hier schon ganz landesväterlich auftritt, erklärte, er habe sich die Rolle anschließend noch "mundgerecht" gemacht. Er bewarb seinen Auftritt auch über Twitter. Der Fraktionschef der Grünen im Bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, sprach von "dreistem Polit-Placement".

"Ich hätte hier deutlich zu Zurückhaltung geraten."

Intendant Wilhelm, selbst ebenfalls CSU-Mitglied und bis 2010 Angela Merkels Regierungssprecher, erklärte nun, die Serien-Redaktion habe ihn "bei ihrer Entscheidung nicht im Vorhinein befasst. Hätte sie mich um Rat gefragt, so hätte ich hier deutlich zu Zurückhaltung geraten." Es gebe zwar immer wieder Auftritte von Politikern in Sendungen unpolitschen Inhalts. "In diesem Fall ist aber der problematische Punkt, dass es nicht nur ein Auftritt eines Ministers war, sondern dass es auch eine umfassende Gelegenheit gab zu politischen Darstellungen." Wenn solche Inhalte im Programm stattfänden, geschehe das sonst in einem journalistischen Kontext, bei dem ein Gegenüber die Darstellung "kritisch hinterfragen, überprüfen kann, gegebenenfalls auch nachfragen kann". Dies sei hier nicht möglich.

Der Intendant hatte sich zunächst auch auf mehrfache Anfrage nicht zu der Kritik geäußert. Fernsehdirektorin Bettina Reitz hatte erklärt, der Auftritt folge einem Konzept. Das Autorenteam habe schon länger die Idee gehegt, "fiktive Geschichten aus der Realität" in die Serie einzubauen. Der BR habe Söder im Frühjahr 2014 angefragt. Auf Ausgewogenheit werde ebenfalls geachtet: Auch der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, SPD, habe einem Auftritt bei Dahoam is Dahoam bereits zugestimmt, Claudia Roth von den Grünen sei angefragt.