Angeschlagene "Frankfurter Rundschau" DuMont bestreitet Verkaufsgerüchte

In einem Interview hatte er Gerüchte geschürt, die "Frankfurter Rundschau" stünde zum Verkauf. Franz Sommerfeld, Vorstand von M. DuMont Schauberg, hat die Aussage jetzt zurückgezogen und sich trotz der angeschlagenen wirtschaftlichen Situation zu der Tageszeitung bekannt. Trotzdem sorgte er für Empörung bei der beteiligten SPD-Medienholding DDVG.

Trotz zu erwartender roter Zahlen will das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg (MDS) die angeschlagene Frankfurter Rundschau (FR) nicht verkaufen. "Ein Verkauf steht für uns nicht zur Debatte, er wird auch nicht angestrebt", sagte Franz Sommerfeld, Vorstand des Mehrheitseigentümers MDS, der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Köln auf Anfrage.

Zuvor hatte er in einem Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD) Verkaufsgerüchte geschürt: "Wenn wir einen hochinteressierten Käufer finden, der uns viel Geld dafür zahlen würde, würden wir das natürlich prüfen." Das sei aber eine völlige Selbstverständlichkeit, wie Sommerfeld später klarstellte. "Es gehört zur Pflicht eines Managers, ein seriöses Angebot zu prüfen - ganz unabhängig von der Absicht, es anzunehmen oder nicht." Außerdem gebe es derzeit keinen Anlass für einen Ausstieg, ein ernsthaftes Kaufangebot liege nicht vor.

MDS-Sprecher Wolfgang Brüser stellte gegenüber der Nachrichtenagentur dapd klar: "Wir wollen die Frankfurter Rundschau nicht verkaufen." Die Äußerung Sommerfelds sei nach seinen Worten nur theoretisch gemeint. Brüser betonte: "Wir setzen alles daran, die FR in unserem Eigentum zum Erfolg zu führen."

Dennoch gab es Kritik von Seiten der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG), einer Medienholding der SPD und die zweitgrößte Gesellschaftlerin der FR. Barbara Hendricks, SPD-Schatzmeisterin und DDVG-Gesellschafterin, reagierte am Mittwoch in Hamburg empört auf die Äußerungen Sommerfelds: "Dass der Verantwortliche eines Medienhauses und ein früherer Chefredakteur so unverantwortlich herum schwadroniert, verwundert mich sehr. Wenn er schon nicht mit Zahlen umgehen kann, dann doch schon mit Worten." Auch DDVG-Geschäftsführer Jens Berendsen kritisierte Sommerfelds Zeitungsinterview: "Man redet sein eigenes Vermögen herunter; ich weiß nicht, ob ihm das so klar ist."

Mehrere Jahre rote Zahlen

Berendsen verwies außerdem darauf, dass die die Gesellschafter sich darauf verständigt hätten, bei der angeschlagenen FR mehrere Jahre Geduld zu haben. Schwarze Zahlen hätte die DDVG beim Frankfurter Druck und Verlagshaus, an dem sie mit 40 Prozent beteiligt ist, 2013 auch nicht erwartet, sagte Berendsen.

Auch nach Sommerfelds Angaben steckt die FR auf absehbare Zeit weiter in den roten Zahlen. Die Zeitung habe ein unerwartet starker Rückgang beim Geschäft mit Stellenanzeigen getroffen, sagte Sommerfeld der FTD. Im vergangenen Jahr hätten zudem hohe Abfindungen für rund 80 Mitarbeiter der Zeitung die Bilanz belastet. Sommerfeld hatte noch vor einem Jahr angekündigt, die FR bis spätestens 2013 in die Gewinnzone zu führen.

Der überregionale Mantelteil der Frankfurter Rundschau wird deshalb nach einem umfassenden Umbau bereits seit dem vergangenen Sommer in Berlin produziert. In Frankfurt arbeiten nur noch die Regional-Redakteure, hier steht auch das digitale Redaktionszentrum. "Wir schaffen gerade Möglichkeiten, neue Umsätze zu erzielen. Denn zum Sparen ist nicht mehr viel Luft", sagte Sommerfeld der FTD.